NFV-Pokal-Halbfinale in Oldenburg Menga und Uzelac: Einst Fahrgemeinschaft, jetzt Gegner


Osnabrück. Um die Freude am Profifußball wiederzufinden, hat Addy Menga viel investiert. Noch vor einem Jahr fuhr der Stürmer des VfL Osnabrück täglich mit der Regionalbahn nach Cloppenburg, wo ihn Mitspieler Franko Uzelac am Bahnhof abholte. Und mitnahm zum Training des Regionalligisten VfB Oldenburg. Die beiden waren Kollegen, sie sind nach wie vor Freunde – aber am Donnerstag ab 17.30 Uhr werden sie Gegner sein. Im wichtigsten Spiel der Saison für beide Clubs.

„Er kennt meine Stärken und Schwächen – und ich kenne seine“, sagt Menga ein wenig schelmisch lächelnd vor dem Halbfinalspiel im Niedersachsenpokal, das aus Prestige- und finanziellen Gründen so wichtig ist: Sowohl für den Drittligisten als auch für den gastgebenden VfB. Dort ist der 1,90 Meter große Franko Uzelac nicht nur Sohn des seit Sommer amtierenden Trainers Predrag Uzelac, sondern schon seit zwei Jahren Stammspieler in der Innenverteidigung. „Er ist ein guter Junge. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, viel Spaß gehabt. Weil er am Anfang seiner Karriere steht, habe ich ihm ein paar Tipps gegeben. Er wird seinen Weg gehen“, so Menga über den 20-Jährigen.

Doch nicht nur auf das direkte Duell auf dem Platz mit seinem Freund freut sich der 31-Jährige, sondern auch auf das Wiedersehen mit vielen weiteren Bekannten im und rund um das Team beim VfB. „Oldenburg hat mir nach einer schwierigen Phase einen neuen Impuls in meinem Leben gegeben“, sagt Menga. So dachte er im Winter-Trainingslager des VfL in Side, als er von seiner Auszeichnung als Nordsportler des Jahres erfuhr, neben seinen jetzigen Mitspielern auch an die alten Kollegen. „Ich kann ihnen allen nur danken: Sie haben mir den Spaß am Fußball zurückgegeben“, sagt Menga, damals wie heute.

Dafür stehen bei Oldenburg Typen wie Thorsten Tönnies, Marcel Gottschling oder der Ex-Osnabrücker Kevin Samide. „Sieben oder acht Spieler vom letzten Jahr sind noch dabei. Sie sind alles meine Jungs“, sagt Menga, bevor er innehält. Dann sagt er: „Jetzt ist aber die Zeit gekommen, den Jungs ein bisschen wehzutun.“ Denn Menga war und ist in erster Linie Osnabrücker.

Ein Sieg im Halbfinale mit seinen Lila-Weißen ist gleichbedeutend mit dem Einzug in den DFB-Pokal – wo man sich nicht nur in Oldenburg an große Spiele vergangener Tage erinnert, wie die 1:2-Niederlage gegen den Hamburger SV im Jahr 2011 oder die Partien gegen Borussia Dortmund (2:3, 1968) oder Mönchengladbach (0:6, 1973). Beim VfL weiß man spätestens seit dem Durchmarsch ins Viertelfinale 2009/2010 mit Siegen gegen den HSV und Dortmund, wie lukrativ dieser Wettbewerb sein kann.

„Deshalb müssen wir von der ersten Minute an konzentriert sein und auftreten wie ein Drittligist“, weiß Menga um die Favoritenrolle, die er mit seinen Kollegen mit Leben erfüllen will, „indem wir 90 Minuten Gas geben und dann auch gewinnen“. Dass beim VfB wohl die Schlüsselspieler Maycoll Canizales (Blinddarm-OP) und Pierre Merkel (Knieverletzung) ausfallen, sieht er nicht als Vorteil. Nicht nur, weil beim VfL neben Tom Merkens auch Milad Salem und Maik Odethal definitiv fehlen. Sondern auch, „weil der VfB als Viertligist befreit aufspielen kann und vom guten Motivator Predrag Uzelac heißgemacht werden wird“, glaubt Menga.

Und so wünscht sich der Publikumsliebling beider Clubs „möglichst viele Osnabrücker, die uns in Oldenburg unterstützen“. Denn der Kreis schließt sich mit dieser Partie – persönlich für Menga, bezüglich der groben Saisonbilanz für den VfL, positiv oder negativ. „Ich habe mir gewünscht, mit dem VfL mal in Oldenburg aufzulaufen“, sagt Menga und ergänzt: „Es ist auch ein Schicksalsspiel.“


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