Schiedsrichter-Ärger beim VfL Oktober 2005: Vier Platzverweise gegen Osnabrück



Osnabrück. Der Ärger beim VfL Osnabrück über die höchst fragwürdigen Pfiffe von Schiedsrichter Christian Dietz beim 1:2 in Dresden ist noch nicht verraucht. VfL-Sportkoordinator Lothar Gans, der derzeit um eine Reduzierung der Sperre gegen Tobias Willers kämpft, fühlte sich erinnert an das wohl größte Skandalspiel des VfL in der jüngsten Vergangenheit. Was geschah damals in Essen? Und in welchen Partien fühlten sich die Lila-Weißen ähnlich klar benachteiligt wie in Dresden?

2. Oktober 2005: Der VfL fährt mit dem letzten Aufgebot zum Topspiel nach Essen. Die Mannschaft legt vor 10300 Zuschauern an der Hafenstraße eine starke erste Halbzeit hin, führt durch ein Tor von Björn Joppe zur Pause mit 1:0; bis dahin ist die Partie fair und unspektakulär. Doch nach der Pause wird der VfL auf einmalige Weise dezimiert: Zwischen der 53. und 88. Minute stellt Schiedsrichter Thomas Metzen vier Osnabrücker vom Platz. Nur die Gelb-Rote Karte gegen Wolfgang Schütte, der sich in neun Minuten nach seiner Einwechselung zwei Fouls leistet, ist vertretbar. Die Platzverweise gegen Björn Joppe (Gelb-Rot/77.) und Markus Feldhoff (Rot/57.) sind Fehlentscheidungen, die Gelb-Rote gegen Joe Enochs (88.) völlig überzogen.

Die Osnabrücker sind fassunglos, Präsident Dirk Rasch wirft wutentbrannt seine Jacke auf die Tartanbahn, Trainer Claus-Dieter Wollitz verschwindet noch vor dem Spielende im Kabinengang: „Wenn ich geblieben wäre, hätte ich eine Sperre auf Lebenszeit riskiert…“

Schiedsrichter Metzen rechtfertigt seine Entscheidungen („Natürlich ist das bitter für Osnabrück, aber alle Platzverweise waren regelkonform“) ebenso wie den obskuren Besuch des Essener Spielers Alexander Löbe in der Kabine der Unparteiischen nach dem Spiel: „Er hat sich für die Spielleitung bedankt und gesagt, dass die Platzverweise korrekt waren und er das genauso beurteilen würde, wenn sich die Entscheidungen gegen seine Mannschaft gerichtet hätten.“

Alle Proteste bleiben wirkungslos, ebenso der Einspruch gegen die Wertung des Spiels. Selbst mit drei Spielern in Unterzahl hält der VfL die Führung, erst in der Schlussphase gelingen Löbe zwei Tore zum Essener 2:1-Sieg.

20. März 2009: Eigenlich sollte sich der VfL Osnabrück freuen über einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf der Saison 2008/09. Doch nach dem 0:0 bei Rot-Weiß Oberhausen jubelt keiner aus dem Lila-Weißen Lager. Denn in zwei eindeutigen Szenen verweigert der bundesligaerfahrene Schiedsrichter Günter Perl dem VfL einen Elfmeter. Der heute beim VfL aktive Kim Falkenberg wehrt in der 30. Minute auf der Torlinie stehend einen Schuss von Henning Grieneisen in Torwartmanier für den am Boden liegenden Schlussmann Pirson ab, der Pfiff bleibt aus. Auch in der 51. Minute, als Pirson VfL-Torjäger Thomas Reichenberger eindeutig regelwidrig von den Beinen holt, bleibt die Pfeife des Referees aus München stumm.

„Wir müssen uns nicht alles bieten lassen und immer alles runterschlucken“, sagt VfL-Präsident Dirk Rasch nach einer schlaflosen Nacht, „angesichts von mehreren nicht gegebenen Elfmetern sage ich: Das kann kein Zufall.“ So unsinnig eine Verschwörungstheorie ist, so sehr fällt die Häufung auf. „Seit dem Spiel gegen den FSV Frankfurt sind uns sieben glasklare Elfmeter verweigert worden“, rechnet Trainer Claus-Dieter Wollitz vor und verweist auf entsprechende Fernsehbilder (die in einer Zusammenstellung noch bei YouTube zu sehen sind).

12. Dezember 2010: Selten so gut gespielt, selten so geärgert: Im letzten Auswärtsspiel des Jahres 2010 trumpft Aufsteiger VfL beim VfL Bochum überzeugend auf und hält selbst in Unterzahl die Führung durch Niels Hansen (18.) bis zur 68. Minute. In Unterzahl, weil Schiedsrichter Deniz Aytekin in „Matze“ Heidrich nach 26 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz gestellt hat; unabsichtlich hat der zuvor verwarnte Osnabrücker einen Bochumer bei einem Befreiungsschlag am Kopf getroffen. Die Entscheidung passt ins Bild einer tendenziösen Schiedsrichterleistung, in der die Waagschale bei umstrittenen Szene sich fast immer gegen Osnabrück neigt. So auch vor dem Bochumer Siegtor, als Aytekin einen Freistoß für Bochum gibt, nachdem der Ball Oliver Stang an die Hand gesprungen ist.

„Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, dass seine Leistung eine Frechheit war“, sagt der sonst eher ruhige VfL-Trainer Karsten Baumann und spricht ausdrücklich von einem „arroganten Auftreten“ des Bundesliga-Referees: „Wir sind selten so klar benachteiligt worden.“ Auf der Tribüne schüttelt selbst der ehemalige Bochumer Nationalspieler Dariusz Wosz den Kopf: „Der Schiedsrichter hatte heute ein blaues Trikot an…“

26. Januar 2013: Gegen den Karlsruher SC verpasst der Herbstmeister VfL Osnabrück im ersten Spiel nach der Winterpause die Chance, sich vorentscheidend abzusetzen. Schuld daran ist die Mannschaft selbst mit einer blutleeren, ängstlichen Vorstellung, doch mit einigen höchst fragwürdigen Entscheidungen trägt auch Schiedsrichter Guido Winkmann zur 2:3-Niederlage bei. Vor allem mit der Roten Karte gegen den Torwart-Debütanten Marcus Rickert, der einen schlechten Rückpass nicht unter Kontrolle bringt und mit einer Grätsche gegen van der Biezen zu klären versucht.Winkmann wertet die Aktion außerhalb des Strafraum nichts als Notbremse, sondern als grobes Foul und zieht Rot. Später wird er ein vergleichbares Foul des Karlsruhers Akpoguma an Fischer nur mit Gelb ahnden; keine Karte gibt es für den Ellbogencheck des Ex-Osnabrückers Dominic Peitz gegen Sebastian Neumannn, der sich dabei den Kieferbogen bricht.

Auf die Verliererstraße gerät der VfL durch einen Handelfmeter, der aus dem Freistoß nach dem Rickert-Foul resultiert. Der Ball fällt Alexander Dercho (damals noch Krük) mehr auf die Schulter als auf den Arm – zumindest kein zwingender Strafstoß. Hakan Calhanoglu verwandelt gegen den eingewechselten Nils Zumbeel.

Korrekt verhält sich Winkmann, als VfL-Fans KSC-Spieler und den Linienrichter mehrfach mit Schneebällen, Eisstücken und Plastikbechern bewerfen: Er unterbricht das Spiel für 15 Minuten, damit sich die überhitzten Gemüter beruhigen, und droht für erneute Würfe einen Abbruch der Partie an.


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