Rot für Willers, aber nicht für Hefele VfL Osnabrück in Dresden massiv benachteiligt

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Dresden/Osnabrück. Auch am Tag danach saß der Frust noch tief. „Ich werde einige Tage brauchen, um dieses Spiel mit der ungerechtfertigten Niederlage zu verarbeiten“, sagte Trainer Maik Walpurgis. Mit 1:2 hatte der VfL Osnabrück nach einem couragierten und fußballerisch über weite Strecken überzeugenden Auftritt vor 22 953 Zuschauern in der Dresdner Arena verloren. Und am Ende stand Walpurgis’ kaum von der Hand zu weisende Einschätzung: „Wir fühlen uns massiv benachteiligt.“

Nach 22 Spielen überwintert der VfL Osnabrück mit 35 Punkten auf dem siebten Drittliga-Rang, bleibt aber in Schlagdistanz zum Tabellenzweiten Preußen Münster (39) und den vor Lila-Weiß platzierten Teams Stuttgarter Kickers (3./38), Dynamo Dresden (4./38), Energie Cottbus (5./37) und MSV Duisburg (6./36). Einzig Spitzenreiter Arminia Bielefeld (43) scheint schon enteilt. „Wir sind eine gute Mannschaft, haben uns gesteigert und werden nach der Pause noch einmal angreifen“, sagte Mittelfeldspieler Nicolas Feldhahn.

Auch er hatte etliche umstrittene Situationen gesehen, die allesamt zum Nachteil des VfL ausgelegt wurden. Das begann schon in der 15. Minute, als Addy Mengas Schuss aus kurzer Distanz von David Vrzogic erkennbar auf der Linie mit der Hand abgewehrt wurde. Schiedsrichter Christian Dietz, ein Referee mit 20 Zweitliga-Einsätzen, wertete das nicht als unnatürliche Handbewegung und entschied auf Eckstoß. Eine Meinung, die er ziemlich exklusiv hatte. „Klares Handspiel, es hätte für uns einen Elfmeter geben müssen und Vrzogic vom Platz gehört“, ereiferte sich Walpurgis.

Noch mehr in Rage brachte den 41-jährigen Fußballlehrer eine Aktion von Dresdens Michael Hefele. Im Luftduell rammte er VfL-Stürmer Stanislav Iljutcenko den Ellenbogen ins Gesicht. „Im Fernsehen sah es ja fast noch harmlos aus, aber es passierte direkt vor meinen Augen. Ich hatte einen etwas anderen Blick und kann nur sagen, dass es ein brutales Foul war, das zwingend mit Rot hätte geahndet werden müssen“, äußerte Walpurgis. Der 24-jährige, von Wacker Burghausen nach Sachsen gekommene Innenverteidiger ist in der Branche kein Unbekannter. Er trägt den Kampfnamen „Conan“ – was das bedeutet, weiß der frühere VfLer Pascal Testroet nur zu gut, der in einem „Duell“ mit Hefele ein gebrochenes Nasenbein davontrug. Das war Anfang Oktober beim 4:1 von Arminia Bielefeld über Dynamo. Damals schrieb Testroet aus dem Krankenhaus: „OP gut überstanden, Danke noch mal an den Dresdner Hefele. Traurig, dass solche Aktionen nicht bestraft werden.“

Strafe gab es dennoch – und zwar für Tobias Willers, der beim Stand von 1:0 wenige Minuten nach dem Führungstreffer von Stanislav Iljutcenko (29.) im Dresdner Strafraum gegen Stürmer Justin Eilers ausschlug (34.) – es gab dafür Rot. Eine Entscheidung, die Walpurgis für vertretbar hielt, aber mit dem Hinweis darauf, dass es zuvor auch zwei Platzverweise für Dynamo hätte geben müssen. Im Zuge der Herausstellung für Willers opferte Walpurgis Menga für Abwehrmann Grassi. „Das tat mir leid für Addy, aber ich habe Stani wegen seiner Kopfballstärke dringelassen“, erklärte der Coach.

Doch damit war noch längst nicht der Gesprächsbedarf über strittige Szenen abgedeckt. Kurz vor der Pause setzte sich der bereits mit Gelb vorgebuchte Außenstürmer Sinan Tekerci mit einer fast schon peinlichen Schwalbe im VfL-Strafraum in Szene – Schiedsrichter Dietz sah großzügig darüber hinweg. „Ich verstehe nicht, dass zu solchen Spielen keine Schiedsrichter mit mehr Erfahrung eingesetzt werden“, beklagte sich Walpurgis.

Restlos bedient war der Trainer, als in der vierten Minute der Nachspielzeit ein klares Handspiel von Dennis Erdmann im Strafraum bei einem Schuss von Grassi nicht mit dem fälligen Elfer geahndet wurde. Ungläubiges Staunen, als wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung von Marcos Alvarez, der weit davon entfernt war, ins Spiel einzugreifen, auf Freistoß für Dresden entschieden wurde. Es sollte einfach nicht sein!


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