Queckenstedt und Brunn gewählt Sehnsucht nach Aufbruch und Einheit beim VfL Osnabrück


Osnabrück. Viele hatten mit Konfrontation und Konflikten gerechnet, doch der VfL Osnabrück bleibt sich treu – und unberechenbar: In einer überwiegend entspannten, harmonischen und zeitweise sogar von Aufbruchstimmung und dem Wunsch nach Zusammenhalt geprägten Atmosphäre wählte die große Mehrheit der 291 stimmberechtigten Mitglieder Hermann Queckenstedt zum Präsidenten und Uwe Brunn zum „Vize“.

Hermann Queckenstedt, (51), Historiker, Direktor des Diözesanmuseums des Bistums Osnabrück und VfL-Gänger seit 1984, hatte die Versammlung mit seiner Vorstellung beeindruckt. Queckenstedt will das Image verbessern, das Profil des VfL als Sportverein unter Einbeziehung aller Abteilungen schärfen und die gesellschaftliche Verantwortung des VfL mit konkreten Aktionen wie der Bildung von Schul-Patenschaften annehmen. Sein Schlusssatz: „ Unser Motto steht auf den Trikots: Wir sind die Osnabrücker, wir sind immer da! Erst recht, wenn es um die Zukunft des Vereins geht.“

Sein künftiger Präsidiumskollege Uwe Brunn, ehemaliger Torwart des VfL und selbstständiger Handelsvertreter der VGH, bezeichnete seinen Auftritt bei der Jahreshauptversammlung als „Rückkehr nach Hause“ und sagte zu seiner Motivation: „Der VfL ist mein Verein, mein Zuhause, meine Familie. Ich möchte dem VfL etwas zurückgeben und ihn mit meinen Fähigkeiten nach vorne bringen.“ Brunn möchte Transparenz und Ehrlichkeit vorleben: „Es werden Schwierigkeiten auf uns zukommen, aber wir werden sie nicht verschweigen.“

Eindeutige Wahlergebnisse

Es gab weder Nachfragen an die Kandidaten noch eine Diskussion, wohl aber eindeutige Wahlergebnisse: Queckenstedt wurde mit 236 Ja-Stimmen (35 Nein, 20 Enthaltungen) gewählt, Brunn bekam 244 Ja-Stimmen (22 Nein, 18 Enthaltungen).

Getrübt wurde die von Monika Keller souverän und konstruktiv geleitete Versammlung durch die Umstände des Rückzugs von Reinhard Stiehl von seiner Kandidatur als Vizepräsident. Der Geschäftsführer einer Werbeagentur hatte seinen Entschluss am Donnerstag dem Wahlausschuss mitgeteilt und sich zunächst darauf beschränkt, von „schwerwiegenden persönlichen Gründen“ zu sprechen.

Am Sonntag verlas Versammlungsleiterin Monika Keller eine persönliche Erklärung des nicht anwesenden Stiehl, die im Saal Betroffenheit auslöste. Darin heißt es: „Ich bin in den vergangenen Tagen Zielscheibe einer Kampagne geworden, die mit anonymen Briefen meine Kandidatur verhindern sollte. Um die Privatsphäre und die Gesundheit meiner Familie zu schützen, habe ich mich entschlossen, nicht mehr für dieses Ehrenamt zur Verfügung zu stehen. Ich habe Anzeige gegen Unbekannt erstattet und möchte – auch aus Ermittlungsgründen – nichts zu Inhalt, Art und Aufmachung der anonymen Briefe sagen.“ Stiehl betont, das sei der einzige Grund; er hätte sehr gern mit Queckenstedt und Brunn zusammengearbeitet.

Die Entrüstung der Versammlung war spürbar, und die von Ehrenberg vorgeschlagene Resolution gegen die Machenschaften einer anonymen Denunziation wurde unter starkem Applaus angenommen.

Nötige Erweiterung wird gelöst

Die durch den plötzlichen Rückzug von Stiehl kurzfristig nötige Erweiterung des Präsidiums, das laut Satzung aus drei Mitgliedern bestehen muss, wurde so gelöst: Christoph Ehrenberg, der im November 2012 zum Vizepräsidenten gewählt und nach dem Rücktritt von Christian Kröger Übergangspräsident geworden war, bleibt als „Vize“ bis zur nächsten ordentlichen Jahreshauptversammlung, dem Ende seiner ursprünglichen Legislatur, im Amt. An der Frage der Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens entzündete sich eine Kontroverse. Vereinsjurist Joachim Bensmann hält das Vorgehen für korrekt: „Wenn es anders sein sollte, wird das bei der Eintragung des Präsidiums ins Vereinsregister deutlich.“

Emotionaler Höhepunkt der Versammlung war der Auftritt von Maik Walpurgis, der in Anwesenheit der Profimannschaft einen beeindruckenden Vortrag hielt. Aufgewertet durch Filme und Fotos sprach Walpurgis leidenschaftlich vom Traum von der 2. Bundesliga und sehr präzise über die Schritte, die bis dahin – 2017/18 will sich der VfL in der 2. Bundesliga etablieren – nötig sind. Dazu gehört auch eine neue Dimension der Einbindung der Nachwuchsarbeit, für die Fußballabteilungsleiter Joe Enochs ein Plädoyer hielt.

„Erfolgreiches Jahr“

Eröffnet hatte Christoph Ehrenberg die Versammlung mit einem Bericht, der an Klarheit nichts zu wünschen übrig ließ. Er sprach von einem „erfolgreichen Jahr“, lobte die Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Jürgen Wehlend und rechnete noch einmal mit den Auslösern der Führungskrise ab.

Die Sehnsucht nach Gemeinsamkeit, Aufbruch und Einheit war bei vielen Mitgliedern spürbar; zumindest erkannten viele die Notwendigkeit dafür. Denn die wirtschaftliche Lage über das Saisonende hinaus ist trotz der positiven Entwicklung problematisch, wie aus den Beiträgen von Geschäftsführer Wehlend und Wirtschaftsprüfer Thomas Wember klar hervorging. Der Erfolg des Sanierungskonzepts hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, die Stadiongesellschaft zu entschulden. Hier besteht Gesprächsbedarf mit der Stadt, die über die OBG Mitgesellschafter ist. Anfang des neuen Jahres, vermutlich im Februar/März, kommt es zu einer weiteren Mitgliederversammlung, in der über die Einzelheiten informiert und das gegebenenfalls notwendige Votum der Mitglieder abgerufen werden soll. Bei dieser Gelegenheit soll auch über die satzungsändernden Anträge abgestimmt werden, die am Sonntag aus Zeitgründen nach Diskussion und Abstimmung von der Tagesordnung genommen wurden.

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