Spieler unterschreiben und spornen an Linus schläft in Lila-Weiß: Neunjähriger trägt Korsett mit VfL-Emblem

Von Susanne Fetter


Osnabrück. Bis Linus Hörnschemeyer seine Sprache wiedergefunden hatte, dauerte es eine Weile. Zu geplättet war der Neunjährige von dem, was er gerade erlebt hatte. Erst auf der Rückfahrt sprudelte es aus ihm heraus. Denn eigentlich wollte Linus sich doch nur schnell sein Korsett zurückholen. Vor fünf Jahren wurde bei ihm Skoliose diagnostiziert, eine Verkrümmung der Wirbelsäule. Seitdem muss der Neunjährige jede Nacht ein Korsett tragen, also brauchte er es zurück. Das gleich das ganze Team des VfL Osnabrück bei der Übergabe dabei war, hatte er nicht erwartet.

Brav stellten sich die Fußballer an der Treppe auf. Keiner ging hinunter ohne den Neunjährigen „abzuklatschen“. Linus konnte erstmal nur den Arm hochhalten. Dem Neunjährigen hatte es die Sprache verschlagen. Es machte nichts. „Seine Augen haben so geleuchtet“, berichtet Maik Walpurgis: „Man hat gesehen: Er war total happy.“

Der VfL-Trainer hatte die Idee zur Übergabe gehabt, nachdem am Morgen bereits alle Spieler auf dem Korsett unterschrieben haben. Als Linus vier Jahre alt war, wurde die Skoliose diagnostiziert. „Große Einschränkungen hat er Gott sei Dank nicht, da gibt es schlimmere Fälle“, sagt seine Mutter Claudia Hörnschemeyer Linus spielt sogar Fußball, beim SF Lechtingen in der E-Jugend, früher in der Abwehr, jetzt im Mittelfeld. „Aber Nachts muss er ein Korsett tragen und er muss regelmäßig zur Krankengymnastik“, sagt die Mutter.

Damit es Linus leichter fällt, das Korsett zu tragen, durfte er sich aussuchen, welches Motiv das Plastikteil bekommt: das letzte hatte Hubschrauber. Diesmal wollte Linus ein VfL-Embleme. Die Orthopädiemechaniker setzten es prima um –obwohl sie aus Münster kamen. Und als Linus damit bei seiner Krankengymnastin auflief, war diese schwer begeistert.

Seit fünf Jahren geht Linus zu Barbara Tillner in die Praxis. Sie ist die Ehefrau von Radiomoderator Burkhard Tillner, der regelmäßig für den NDR auch vom VfL berichtet. Er nahm das Korsett mit zu einem Training des Drittligisten, die Spieler unterschrieben. „Dann haben wir überlegt, was können wir machen, dass der Junge, sich künftig etwas wohler dabei fühlt, wenn er das Korsett tragen muss“, berichtet Walpurgis. Die Idee war schnell geboren: Warum holt Linus es nichts selbst ab?

Burkhard und Barbara Tillner fragten die Eltern, packten Linus ins Auto und fuhren nach Osnabrück. Zu einem Sponsorentreffen war die Mannschaft zusammengekommen. Doch vorher nahmen sich die Spieler Zeit für Linus. Kürzlich war er mit seinem Vater Ulrich Hörnschemeyer im Stadion gewesen und hatte die VfL-Spieler von der Tribüne aus angefeuert. Jetzt saß er auf dem lila-weißen Sofa mitten unter ihnen.

„Für uns sind solche Termine sehr wichtig und auch schön“, sagt Walpurgis: „Wir haben eine Vorbildfunktion, die müssen wir leben und uns engagieren.“ In der Adventszeit, so verriet der Trainer, seien weitere Aktionen geplant. Linus gaben sie zudem noch ein paar Tipps mit auf den Weg: „Wir haben ihn bestärkt darin, dass es fleißig trainiert und täglich seine Übungen macht“, erklärt Walpurgis.

Einen Anreiz legten die Spieler auch dazu. Jeder gab Krankengymnastin Barbara Tillner eine Autogrammkarte mit. Nach jedem Training darf Linus sich zur Belohnung drei nehmen – als erste wählte er: seinen Lieblingsspieler Addy Menga, Torwart Daniel Heuer Fernandes und Mittelfeldspieler Stephan Thee.

So behält Linus die Unterschriften in jedem Fall. Denn ob sie auf dem Korsett halten, ist ungewiss. Vorkehrungen, dass sie vor der Reinigung sicher sind, wurden allerdings getroffen. Linus‘ Mutter hat das gute Stück mit Haarspray präpariert.