Torjäger besucht VfL Osnabrück Pröpper sieht alte Weggefährten und seine Fußballschuhe wieder

Von Johannes Kapitza

47 Jahre nach seinem letzten Spiel für den VfL traf Günter Pröpper im VfL-Museum Mitspieler Günter Simon, VfL-Präsident Christoph Ehrenberg, Bernhard Lanfer und Freddy Fenkes vom VfL-Museum, Dieter Klewer und Sportdirektor Lothar Gans (von links) und bekam seine alten Schuhe wieder in die Hände. Foto: Helmut Kemme47 Jahre nach seinem letzten Spiel für den VfL traf Günter Pröpper im VfL-Museum Mitspieler Günter Simon, VfL-Präsident Christoph Ehrenberg, Bernhard Lanfer und Freddy Fenkes vom VfL-Museum, Dieter Klewer und Sportdirektor Lothar Gans (von links) und bekam seine alten Schuhe wieder in die Hände. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. „Super“, sagt Günter Pröpper nur, und seine Mundwinkel formen sich zu einem Lächeln. Der ehemalige Torjäger, der in den 60er-Jahren beim VfL Osnabrück spielte, ist schon vor dem 3:1-Sieg der Lila-Weißen am vergangenen Freitag entzückt: In den letzten Jahrzehnten hat sich viel verändert in Osnabrück, aber einige Gesichter erkennt er bei seinem Besuch schnell wieder – und seine Fußballschuhe von damals stehen heute ja auch wieder im Stadion.

„Das waren die ersten Exponate, als wir vor knapp acht Jahren mit dem VfL-Museum begonnen haben“, sagt Bernhard Lanfer, der Pröpper in die alte Heimat eingeladen hatte, „für uns sind die Schuhe ein Highlight. Ich habe Günter ja noch spielen sehen.“

Von 1964 bis 1967 trug Pröpper das VfL-Trikot. Bei dem 72-Jährigen sind die vergangenen Zeiten bestens präsent. „Man erinnert sich nur noch an das Positive“, grinst er und räumt ein: „Wie viele 100-Prozentige hat man schon mal vergeben…“ Aber die ausgelassenen Chancen sind vergessen. Pröpper war schließlich für seine Treffer bekannt: „In drei Jahren habe ich insgesamt 60 Tore geschossen – 20 in der ersten Saison, 15 in der zweiten, 25 in der dritten.“ Mit letzterer Bilanz wird er 1966/67 zum Torschützenkönig in der Regionalliga Nord. „Dieser Torinstinkt – zu erahnen, wo der Ball hinkommen könnte – das kann man nicht lernen, das steckt drin“, sagt Pröpper, der bei Kopfballtoren von seiner Sprungkraft profitierte, aber auch mit seinem strammen Schuss aus der Distanz traf.

Fußball war damals nur ein Teil seines Lebens: Als Vertragsspieler verdiente er 160 D-Mark brutto, das Haupteinkommen erarbeitete sich der gelernte Berglehrling in der Stahlbauschlosserei von VfL-Präsident Friedel Schwarze. „Günter war ein guter Kollege“, sagt Dieter Klewer. „Wir haben viel zusammengearbeitet. Ich erinnere mich gerne daran“, erzählt der 74-Jährige. Als Pröpper die Firma Schwarze und den VfL Richtung Essen verlässt, bleibt ein Teil von ihm in Osnabrück: Er hinterlässt seinem Arbeitskollegen die Fußballschuhe. Der trägt sie gerne beim Freizeitkick am Sonntagnachmittag. Ein paar Jahre sind Pröppers Schuhe – Marke Adidas, Größe 42 – noch im Einsatz. „Es war ja was Besonderes, von einem so prominenten Spieler die Schuhe zu bekommen“, sagt Klewer. Einen Riss am Innenrist des rechten Schuhs hat er vom Schuster flicken lassen. „Das hat nicht lange gehalten. Ich habe es von Hand nachgenäht. So sind die Schuhe jetzt noch“, sagt Klewer über die Ausstellungsstücke, die er vor Jahren dem VfL-Museum überlassen hat.

Schnell leben alte Zeiten auf, als Klewer, Pröpper und dessen ehemaliger Mannschaftskamerad Günter Simon am vergangenen Freitag im Stadion zusammentreffen. „Ich habe mich in Osnabrück immer wohlgefühlt“, sagt Pröpper über seine erste Station im bezahlten Fußball, „und ich hatte hier Erfolg. Das vergisst man nicht.“

Beim Wuppertaler SV wird „Meister Pröpper“ später zur Vereinslegende. 1971/72 erzielt er 52 Tore in der Regionalliga. „Die Schuhe aus der Saison habe ich zuhause. Die behalte ich auch“, sagt Pröpper. In der Aufstiegsrunde 1972 ist Pröpper mit dem WSV noch einmal beim VfL zu Gast und siegt 4:0. Es folgt der Sprung in die Bundesliga. Der Kontakt nach Osnabrück verliert sich mit der Zeit, Wuppertal wird zur Heimat. Bei der Rückkehr nach Osnabrück nach Jahrzehnten hat er „gar nichts mehr wiedererkannt“, gibt Pröpper zu. Aber wo im Stadion an der Bremer Brücke die Tore stehen, das wird er nie vergessen.