Interview mit Massimo Ornatelli VfL-Spielmacher: Beleidigt sein hilft keinem weiter

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Osnabrück. Seit August 2013 spielt Massimo Ornatelli für den VfL Osnabrück. Vor allem in der Rückrunde der letzten Saison unterstrich er seinen Wert als Vorbereiter und Torschütze. In dieser Saison fand er zunächst nicht seine Form, doch jetzt startet er durch.

Erst überzeugte er als Rechtsverteidiger, jetzt – nach dem Comeback von Kim Falkenberg – darf er wieder auf seiner Lieblingsposition im offensiven Mittelfeld spielen. Der gebürtige Italiener, dessen Eltern in Münster ein Restaurant betreiben, wurde bei Borussia Dortmund ausgebildet. Vor seiner Zeit beim VfL stand er bei Arminia Bielefeld, Preußen Münster und SC Paderborn unter Vertrag.

Massimo Ornatelli, Sie stehen auf der Website des DFB bei der Wahl zum „Spieler des Tages“ auf der Liste, neben dem Münsteraner Mittelfeldspieler Mehmet Kara und dem Kölner Torwart André Poggenborg. Wie wichtig nehmen Sie diese Nominierung?

Es ist für jeden Spieler ganz schön, die Nominierung ist ja schon eine Anerkennung. Aber es geht ja nur um ein Spiel und um einen einzelnen Spieler. Im Vordergrund steht natürlich der Erfolg der ganzen Mannschaft in der gesamten Saison.

Da haben Sie sich ja neulich ein bisschen aus dem Fenster gelehnt, denn Sie waren der erste VfL-Spieler, der vom Aufstieg gesprochen hat. War das wohlüberlegt oder ist Ihnen da was rausgerutscht?

Natürlich ist man einem gewonnenen Spiel noch ein bisschen euphorisch, wenn man gleich nach dem Schlusspfiff befragt wird.Man muss das jetzt nicht zum Dauerthema machen, aber klar ist doch: Wir wollen das, der Aufstieg ist wie ein großer Traum nicht nur für mich. Aber genauso wissen wir alle, wie brutal schwer das wird, was für ein harter Weg da vor uns liegt. Und vom Reden ist noch nie einer aufgestiegen.

Das nicht. Aber das die Mannschaft in dieser Liga das Zeug zum Aufstieg hat, konnte man Freitag sehen.

…und das gilt auch für die Zuschauer, denn die haben eine großen Anteil an diesem tollen Fußballabend gehabt. Das war ein tolle Momentaufnahme, ein Abend in dem eben alles gepasst, auch mit der Lila-Weißen Nacht. So einen Moment darf man kurz genießen, aber wenn man wirklich was erreichen will, muss man konsequent weiter arbeiten – so, wie wir das bisher schon getan haben. Wir haben uns einiges erarbeitet und uns nach dem holprigen Start gut entwickelt. Wir kennen die Laufwegen, die Automatismen funktionieren. Es ist, wie Alex Dercho gesagt hat: Wir ernten jetzt langsam die Früchte unserer Arbeit.

Der Saisonstart ist ein Stichwort. Sie sind nach einer Verletzung und einer Roten Karte im ersten Einsatz schwer in Tritt gekommen, gehörten einige Mal nicht zum Kader. Das ist schwer für einen, der den Anspruch hat, Stammspieler und Leistungsträger zu sein. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ja, das war wirklich eine blöde Phase. Ich wollte eigentlich da anknüpfen, wo ich nach einer guten Rückrunde aufgehört hatte.Doch dann habe ich zwei ganz wichtige Wochen in der Vorbereitung wegen einer Verletzung verpasst, gerade als es um Ausdauer und Fitness. Dann kam der aus meiner Sicht unberechtigte Platzverweis in Chemnitz, dann war ich dabei, als wir das Derby gegen Münster vergeigt haben – tja, und dann stand ich einige Male gar nicht im Aufgebot. Das war wirklich eine Scheiß-Phase, damit bin ich nicht auf Anhieb klargekommen und habe mir meine Gedanken gemacht.

An einem solchen Punkt reagieren gerade empfindsame Typen wie Sie auch mal, in dem sie sich gekränkt zurückziehen. Wie haben Sie den Weg in die andere Richtung eingeschlagen?

Was Sie sagen, stimmt. Ich bin sensibel und hatte an der Situation zu knacken. Aber ich habe das Gespräch mit dem Trainer gesucht, er hat mir empfohlen, im Training richtig Gas zu geben und gesagt: Konzentriere Dich nur auf Dich! Ich habe mir vorgenommen, nicht beleidigt zu sein und keine schlechte Stimmung zu verbreiten, weil ich mir klargemacht habe, dass das für alle schlecht wäre: Für mich, für die Mannschaft und für die Trainer. Deswegen habe ich bewusst den anderen Weg gewählt, denn ich bin nicht nur sensibel, sondern auch kritikfähig und will mich weiterentwickeln. Das sagt sich leicht dahin, ist aber im Alltag wirklich nicht einfach. Aber es ist mir ganz gut gelungen. Vielleicht war das tolle Spiel am Freitag und auch das Tor eine Art Belohnung dafür.

Nach dem Tor sind Sie sofort zur Bank gelaufen und in die Arme von Assistenztrainer Ovid Hajou gesprungen. Welche Geschichte steckt hinter dieser Geste?

Vor dem Stuttgarter 1:1 gab es eine Szene, in der ich etwas falsch gemacht habe. Das haben mir die Trainer deutlich zu verstehen gegeben. Ich habe mich geärgert, nicht über die Trainer, sondern allgemein; das war für mich wie ein Motivationsschub. Und als mir dann dieser Kopfballtreffer gelang, bin ich direkt zu Ovid durchgestartet.

Und warum Ovid Hajou?

Er hat bei aller Kritik immer an mich geglaubt. Er arbeitet unglaublich viel für uns, wir profitieren täglich von ihm. Das wollte ich damit auch ausdrücken.

Können Sie mal genauer sagen, was Ihnen die Trainer vorgeworfen haben?

Das war kein Vorwurf, sondern eher eine Hinweis oder eine Anweisung. Ich hatte den gegnerischen Außenverteidiger in der Szene nicht so wie besprochen unter Druck gesetzt, so kam der Angriff zu Stande, aus dem denn im zweiten Versuch das 1:1 entstand. Mir fehlte da in dem Moment die Kraft, ich war kurz vorher zwei lange Wege gegangen war, aber die Trainer hatten natürlich Recht. Für mich war war das eine Motivation, jetzt wollte ich es erst recht zeigen. Da war ich wie von einer Nadel gestochen…


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