„So müssen wir unsere Kräfte bündeln“ Die Magie der Bremer Brücke beeindruckt beide Trainer

Der Moment, als der Sieg perfekt war: Auf das 3:1 durch Stanislav Iljutcenko reagierte das Trainer- und Betreuerteam des VfL um Trainer Maik Walpurgis mit einem kollektiven Freudenausbruch. Ausgenommen Kotrainer Ovid Hajou, der erst mal alles im Tablet-PC festhielt. Foto: ImagoDer Moment, als der Sieg perfekt war: Auf das 3:1 durch Stanislav Iljutcenko reagierte das Trainer- und Betreuerteam des VfL um Trainer Maik Walpurgis mit einem kollektiven Freudenausbruch. Ausgenommen Kotrainer Ovid Hajou, der erst mal alles im Tablet-PC festhielt. Foto: Imago

Osnabrück. Solange es solche Abende gibt, lohnt es sich, den VfL Osnabrück zu unterstützen. An solchen Abenden unter dem legendären Flutlicht der Bremer Brücke ist besonders intensiv zu spüren, wie Mannschaft und Publikum auf eine Art zusammenhalten und eine Atmosphäre erzeugen, wie sie selten ist im deutschen Profifußball. Die Magie dieses Stadions lebt, Tausende gingen am Freitag berauscht nach Hause.

„Das Publikum hat das Spiel heute für Osnabrück gewonnen“, sagte der Stuttgarter Trainer Jürgen Kramny nach der 1:3-Niederlage. Der Exprofi wollte erklären, warum es für sein Team trotz einer starken Leistung nicht zum Punktgewinn gereicht hatte. Er hätte auf die Effektivität des VfL im Abschluss verweisen können, auf die mangelnde Erfahrung seiner Youngster oder auf das Fehlen einer Prise Glück.

Doch Kramny nannte die Zuschauer als den ausschlaggebenden Grund: „Sie waren da, als es darauf ankam, sie wollten diesen Sieg unbedingt.“ Das Schöne ist: Diese Aussage galt auch für die Mannschaft.

Wenn das Flutlicht angeht, kommen mehr Zuschauer als am Samstagmittag. Und sie sind in echter Fußballstimmung , anders als am frühen Nachmittag, wenn sich die innere Uhr eines Fans beinahe dagegen sträubt, sich mit Haut und Haaren für sein Team einzusetzen. Wenn das Flutlicht brennt, ist es lauter, enger, spannender und emotionaler. Es ist vaueffelliger.

Wie der Stuttgarter Kramny sprach auch sein Osnabrücker Kollege in seiner Analyse nicht nur über die Mannschaft und den Spielverlauf, sondern auch über die Zuschauer – eine Seltenheit in solchen Pressekonferenzen. „Das war von der Mannschaft und den Zuschauern eine Topleistung“, sagte Maik Walpurgis, „diese Stimmung war unglaublich – was hier freitags los ist, wenn die Leute alle gemeinsam loslegen.“

Natürlich schlägt in der Ostkurve das Herz der Bremer Brücke, doch es ist, anders als in vielen Stadien, nicht nur der Fanblock, der Stimmung macht. Ob Nord, West oder Süd – aus allen Richtungen kommt die Anfeuerung, als Gesang oder als Rufe, als donnernder Applaus oder gefährliches Raunen. Laut ist es und von einer Direktheit, die einem in die Glieder fährt.

Das Publikum, diese aus so vielen Individuen zusammengesetzte Masse, reagiert manchmal wie eine Person. Dieses Team auf den Rängen hat Ahnung vom Fußball und ein Gespür dafür, welche Szenen wichtig sind. Da wird auch mal ein verlorenes Laufduell oder eine misslungene Grätsche beklatscht, um zu zeigen, dass das die richtige Einstellung ist. Da wird der Stuttgarter Sama für sein rotwürdiges Foul an Stanislav Iljutcenko mit Pfiffen abgestraft. Und da wird nach dem Schock eines Ausgleichs nicht geschwiegen oder gar gepfiffen, sondern noch mehr angefeuert. Weil die Mannschaft zuvor überzeugt hat mit Leidenschaft, Siegeswillen und Laufbereitschaft.

Auch am Sonntag stand Walpurgis noch unter dem Eindruck dieses Abends. „Nach dem Stuttgarter Ausgleich waren beide, Mannschaft und Zuschauer, sofort wieder da. Das war faszinierend.“ Am Vokabular des sonst nüchtern und kühl analysierenden Trainers war zu spüren, welch tiefen Schluck er sich vom Euphorie-Cocktail „Bremer Brücke“ gegönnt hatte. „Wahnsinn“ sei das, sagte er und sprach von „unglaublicher Begeisterung in diesem geilen Stadion“.

Wer auch immer behaupten mag, der VfL habe keine Seele mehr, hat kein Gespür für diese Stimmung. „Alle Zuschauer haben mit uns gefightet und den Sieg geholt“, sagte Walpurgis, „das ist die Identität des VfL. So müssen wir unsere Kräfte bündeln, da müssen wir weitermachen. Wir haben hier im Klub noch einige Baustellen, das wissen wir. Aber ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg. Jetzt müssen wir alles dafür tun, dass wir auf diesem Weg bleiben.“


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