Zwischen Tradition und Kommerz Ex-VfL-Präsident Rasch mahnt Wertewandel im Fußball an

Von Johannes Kapitza

Mahner in der Sportbuch-Abteilung: Dirk Rasch. Foto: Johannes KapitzaMahner in der Sportbuch-Abteilung: Dirk Rasch. Foto: Johannes Kapitza

Osnabrück. Aus aktuellen Diskussionen um das künftige Präsidium des VfL Osnabrück hält sich Dirk Rasch heraus. „Da würde ich mich nie einmischen“, sagt der Mann, der 15 Jahre lang selbst den VfL geführt hat. Zum Fußball hat Rasch dennoch einiges zu sagen.

Vielleicht ist es besser, noch ein bisschen zu warten, aber er würde auch für zwei Zuhörer lesen, versichert Buchautor Rasch. Zehn Minuten vor dem Anpfiff in der Osnabrücker Buchhandlung Wenner sind noch Plätze frei. Schnell erfüllt Rasch einer Zuhörerin noch den Wunsch nach einer Widmung für ihren Sohn. „Wie alt ist er? 20? Na, da kann er schon lesen“, scherzt Rasch. Er wird lockerer, die Stühle füllen sich.

Knapp 20 Gäste hören ihm zu. Manchmal bleibt am Rand noch jemand aus dem Vorweihnachtsgeschäft hängen, gegen das Rasch tapfer anliest. Später wird er zufrieden sein: „Man freut sich immer über ein ,full house‘, aber das ist bei Lesungen schwierig.“ Gleichwohl habe es „Spaß gemacht“, und auch die öffentliche Resonanz auf sein Werk wachse stetig, sagt Rasch. Das steigert sein Hochgefühl. „Das eigene Buch in den Händen zu halten und vorzustellen, ist für mich etwas Besonderes“, sagt der Verleger.

Wer ein Buch mit dem Titel „Rettet den Fußball!“ schreibt, darf die Welt nicht zu schön zeichnen. „Der Fußball hat viel von seiner Faszination verloren“, bilanziert Rasch. Horrende Ablösesummen und Spielergehälter, Gewalt, Rassismus, Spielmanipulation – „zu viele wollen vom Fußball profitieren oder ihn als Bühne nutzen“.

Den VfL streift Rasch nur am Rande. Er bricht eine Lanze für Claus-Dieter Wollitz („die Häme und den Hass gegen ihn kann ich nicht nachvollziehen“), berichtet von besonderen persönlichen Erlebnissen mit Spielern. Rasch geht es weniger um die Lila-Weißen, es geht um Grundsätzliches. Er will nicht nur von Problemen reden, sondern auch über Lösungen.

Irgendwo zwischen den Vorstellungen von Hardcore-Traditionalisten und betriebswirtschaftlich denkenden Marktradikalen liegt für ihn der Weg aus dem Dilemma. „Das ist kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch: So viel Tradition wie möglich, so viel Kommerz wie nötig.“

Eine gerechtere Gießkannenverteilung der TV-Gelder, mehr Geld für die 3. Liga und Klubs mit guter Jugendarbeit, eine Obergrenze für Gehälter und Ablösesummen, fanadäquate Anstoßzeiten: Raschs Paket, damit finanzstarke Klubs nicht den Wettbewerb zum Erliegen bringen, sondern der Fußball seine Bodenhaftung wiederfindet, ist groß. Er fordert nicht weniger als ein neues Wertesystem, „eine neue ethische Richtschnur“.

Viele der Gesichter, die vor ihm sitzen, kennt Rasch. Die Diskussion kommt daher nicht zu kurz. Alle Probleme des Fußballs kann die kleine Runde am Samstagnachmittag in der Sportbuch-Abteilung nicht lösen, aber Raschs Mission ist ja erst am Anfang. Er will für seine Sache weiterkämpfen – dafür reicht ihm das kleinste Publikum.