„Bekomme heute noch Gänsehaut“ Glückwunsch: VfL-Legende Kaniber wird 75 Jahre alt

Von Michael Jonas


Osnabrück/Büttelborn. Der VfL lässt ihn nicht los. Wolfgang Kaniber hat Geschichte geschrieben mit den Lila-Weißen. Die „Ka-Ka-Kaniber“-Rufe sind in der Historie des Vereins verbunden mit einer glorreichen Ära. Kaniber wird an diesem Samstag 75 Jahre alt, und den Kontakt zum VfL hat er nie abreißen lassen.

„Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich an unsere tolle Truppe denke. Die Mannschaft wurde getragen von einer Welle der Sympathie. Die ganze Stadt stand hinter uns“, sagt der gebürtige Würzburger, der seinen Ehrentag im Kreise der Familie im hessischen Büttelborn feiert.

Der Ort liegt etwa zwölf Kilometer westlich von Darmstadt. Bei den „Lilien“ schaut Kaniber öfter vorbei. Nur beim letzten Spiel des VfL am Böllenfalltor machte er einen Rückzieher: „Darmstadt hat einige rabiate Fans, und ich habe an meinem Wagen zwei VfL-Aufkleber. Das wollte ich doch nicht riskieren.“ So blieb der Mercedes des einstigen Osnabrücker Publikumslieblings zwar unversehrt, aber Kaniber verpasste im August 2013 auch den 2:0-Sieg der Lila-Weißen.

Der frühere Mittelstürmer ist aber immer auf dem Laufenden, was mit dem VfL passiert. Engen Kontakt hat er vor allem zum ehemaligen Lizenzspieler „Siggi“ Müller. „Wir telefonieren regelmäßig. Und Siggi berichtet mir alles.“ Das letzte Mal hat er ein Spiel der Osnabrücker in Wehen-Wiesbaden gesehen. Am Rande der Partie fachsimpelte er mit VfL-Sportkoordinator Lothar Gans .

Die früheren Momente vergisst Kaniber nie. Das sensationelle 8:0 zum Start der Saison 1968/69 gegen Göttingen 05, als er drei Tore schoss, ist ebenso in bester Erinnerung wie die spätere Meisterfeier sowie die Aufstiegsrundenspiele zur Bundesliga: „Der Marktplatz war voll von Menschen. Und alle haben uns zugejubelt. Fantastisch.“ Der VfL hatte sich im Regionalliga-Titelkampf deutlich gegen den VfB Lübeck durchgesetzt. In der Aufstiegsrunde ließ er den KSC, Tasmania 1900 Berlin und TuS Neuendorf hinter sich und musste nur Rot-Weiß Essen den Vortritt lassen. Das legendäre 3:3 vor 33000 Zuschauern an der Bremer Brücke, als der VfL bis zur 49. Minute 0:3 zurücklag, ist unvergessen.

Dass der VfL in aller Munde war, war nicht zuletzt ein Verdienst seines Torjägers. Mit 31 Toren wurde Kaniber umjubelter Torschützenkönig. Er war erst mit 29 Jahren vom Landesligisten Tura Büderich zum VfL gekommen. „Ich war ganz begeistert, als der VfL mich haben wollte, und habe Präsident Friedel Schwarze sofort zugesagt.“ Als Glück empfand Kaniber damals die Zusammenarbeit mit Trainer Radoslav Momirski. „Das war ein toller Mann, eine Vaterfigur: „Er hat immer alle zum Grillen eingeladen, Spieler, Frauen, Kinder. Dann gab’s jugoslawisches Essen.“

Eine Höchstleistung abseits des Platzes erbrachte Kaniber bei seinem Arbeitgeber, der Stadtsparkasse Osnabrück: Er musste beim Weltspartag auf ein riesiges Sparschein klettern. „Das war gar nicht so einfach, da raufzukommen“, lacht Kaniber. Das Foto vom Torjäger auf dem Glücksschwein, ein Symbol seines Jahres in Osnabrück, wurde als Autogrammkarte gedruckt. Seine Popularität und sein Können sprach sich herum: Kaniber wurde vom französischen Erstligisten Racing Straßburg abgeworben.

Der VfL ist beim Jubilar stets präsent. Trikots, Wimpel und andere Utensilien in der Kellerbar. Vor allem aber trägt er Lila-Weiß im Herzen: „Grüßen Sie mir alle Osnabrücker“, sagt er am Ende des Gesprächs, „hoffentlich steigt der VfL auf. Er hat die Chance, und er hat es verdient. Er darf nur nicht die Nerven verlieren.“