Verdientes 3:1 gegen Stuttgart VfL Osnabrück ist Spitzenreiter für eine (Lila-Weiße) Nacht


Osnabrück. Als Spitzenreiter in die Lila-Weiße Nacht – mag sein, dass heute mancher einen Kater hat und Osnabrück die Führungsrolle in der 3. Liga noch am Samstag wieder abgeben muss. Doch das wird nichts ändern am Wert dieses hochverdienten 3:1-Sieges gegen starke Stuttgarter und an der tollen Zwischenbilanz einer Mannschaft, die sich unter ihrem Trainer Maik Walpurgis so weit entwickelt hat, dass man sagen darf: Diese Mannschaft kann den Aufstieg schaffen.

Pisot (Mandelentzündung) musste passen, Groß (Magen-Darm-Infekt) konnte spielen – und übernahm die Innenverteidiger-Position des Abwehrchefs. Neu in der Startelf: Falkenberg als Rechtsverteidiger.

Der VfL begann schwungvoll, hatte nach fünf Minuten durch Iljutcenko und Menga gleich eine Doppelchance zur Führung, bekam aber auch sofort die Angriffslust der schnell und direkt kombinierenden Stuttgarter zu spüren: Leibold schloss ein sehenswertes Solo mit einem Schuss aus spitzem Winkel ab, Heuer Fernandes vereitelte mit der ersten von mehreren Paraden den Rückstand (15.), auch gegen Grüttner (29.) und Kiesewetter bewährte sich der Schlussmann, der beim Tashchys-Schuss an die Latte (26., nach Feldhahn-Fehler) das Glück auf seiner Seite hatte.

Doch darüber wurde in der Pause weniger diskutiert als über das heftige Foul von Sama, der Iljutcenko 40 Meter vor dem Tor von hinten wegflexte (21.); Rot wäre vertretbar, vielleicht sogar zwingend gewesen. Doch der bundesligaerfahrene Wingenbach beließ es bei Gelb.

Die Spieler in der Einzelkritik

In der Hektik dieser Phase, angeheizt durch zwei weitere auffällige Fouls der Stuttgarter, verlor der VfL den Faden aus der ordentlichen Startphase. In der temperamentvollen, schnellen Partie war bis zur Pause nur noch Wagener zweimal (30., 44.) aussichtsreich, verzog aber klar.

Muss man betonen, dass der VfL in der zweiten Hälfte auf „sein“ Tor vor der Ostkurve stürmte? Und muss man betonen, dass Addy Menga den ersehnten Führungstreffer erzielte? Sein Flachschuss aus 13 Metern in halbrechter Position, nach perfektem Zuspiel von Ornatelli, landete passgenau im langen Eck (52.) – eine Aktion, die alles sagt über die Reife, die Fitness und den Torinstinkt des Publikumslieblings – es ist sein zehnter Saisontreffer.

Der VfL ließ nicht nach, im Gegenteil: Getragen von der Begeisterung und der Leidenschaft der Kulisse, die wieder mal Teil des Ereignisses wurde, setzte die Mannschaft nach.

Tabellenführer für eine Nacht: „Wir müssen den Moment genießen

Das war auch nötig, um einen aggressiven, spielstarken Gegner zu beschäftigen, doch statt der Vorentscheidung fiel der Ausgleich. Unvermittelt stand Grüttner in der 66. Minute frei vor Heuer Fernandes und bewahrte die Ruhe im Duell mit diesem. Doch der Schock wirkte nicht lange, der VfL schlug fast umgehend zurück: Ein Einwurf von Dercho, eine Flanke von Iljutcenko und ein ebenso entschlossener wie raffinierter Kopfball von Ornatelli landete am Innenpfosten und dann im Netz – 2:1, 70. Minute!

Der VfB steckte ebenfalls nicht auf, zwang den VfL zu einer konzentrierten Abwehrleistung in einer attraktiven Partie. Die größte Ausgleichschance hatte Grüttner, der im Fallen verzog (79.), doch entscheidend war die beeindruckende Sicherheit, mit der Heuer Fernandes mehrere gefährliche Flanken, Freistöße und Schüsse parierte – allen voran den 28-Meter-Freistoß von Sama, der es nur der Gnade des Schiedsrichters zu verdanken hatte, dass er überhaupt noch auf dem Platz war (88.).

Der Liveticker zum Nachlesen

Wie ein Mann standen 9226 Zuschauer hinter dem Team, das auch den Fluch der späten Gegentore abschüttelte und konterkarierte: Aus einer Kombination an der linken Eckfahne vor dem VfB-Tor, die eigentlich nur dem Ballhalten dienen sollte, eröffnete sich in der Nachspielzeit die Chance für Iljutcenko, die der Stürmer grandios nutzte. Erlösender Schlusspunkt unter einen denkwürdigen Fußballabend, der alle Zutaten hatte, die den Kultstatus der Bremer Brücke ausmachen. Aus einer Loge ertönte weit nach Schlusspfiff das überstrapazierte „An Tagen wie diesen“.

Besser gepasst hätte „Altes Fieber“.

Mehr zum VfL Osnabrück unter www.noz.de/vfl