VfL: Wahlausschuss und Präsidium tagen Montag – Balzer spricht über sein Team „…und dann fehlte noch ein Präsident“

Von Harald Pistorius


Osnabrück. Nach der Mitgliederversammlung ist vor der Mitgliederversammlung – zumindest beim VfL Osnabrück gilt der abgewandelte Sinnspruch von Alt-Bundestrainer Sepp Herberger. Mit dem symbolischen Votum der außerordentlichen Mitgliederversammlung beschäftigen sich am Montag der Wahlausschuss und das erweiterte Präsidium, das am selben Tag zusammenkommt.

Die Mehrheit der 117 anwesenden Mitglieder, überwiegend aus der Fanabteilung, haben ihren Willen am Dienstag artikuliert: Sie wollen die Wahl haben zwischen mehreren Kandidaten oder Teams. Eine Vorauswahl durch den Wahlausschuss wie im aktuellen Verfahren akzeptieren sie nicht. Die in der Satzung nicht vorgesehene Blockwahl (Wahl eines Teams in einem Durchgang) soll mit einem Satzungsänderungsantrag, den Beiratsmitglied Stephan Kinasch gestellt hat, eingeführt werden.

Angestrebt wird vor allem die Änderung von Paragraf 14 der Satzung, in der es um den Wahlausschuss geht. Die jetzige Formulierung lässt – nach rechtlicher Prüfung – beides zu: eine Selektion der Kandidaten und die Zulassung aller oder mehrerer Bewerber. Ziel der Fans: Festlegung auf die zweite Variante, wie es in dem Antrag von Aufsichtsratsmitglied Axel Balzer deutlich wurde. Das geht nur über eine Satzungsänderung, für die eine Dreiviertel-Mehrheit nötig ist.

Eine Satzungsänderung, die bereits bei der Wahl am 30. November greift, ist nicht mehr möglich. Was bleibt, ist die Möglichkeit, die drei Kandidaten nicht zu wählen, sondern mit Nein zu stimmen. Wenn die einfache Mehrheit der anwesenden Mitglieder das tut, muss der Wahlausschuss erneut beraten und einen neuen Vorschlag machen. „Dann bliebe das amtierende Präsidium im Amt“, sagt Präsident Christoph Ehrenberg.

Den größten Neuigkeitswert bei der Versammlung hatte der Redebeitrag von Aufsichtsratsmitglied Balzer, der schilderte, wie das von ihm vorgeschlagene Team entstanden war. Ausgangspunkt sei der Kontakt zu Heiko Flottmann gewesen. Der langjährige VfL-Nachwuchsmanager hatte den VfL nach 30 Jahren (mit kurzer Unterbrechung) als Jugendcoach, Cheftrainer und Präsidiumsmitglied 2012 zum SV Meppen verlassen; derzeit ist der 57-Jährige tätig für Ralf Heskamp, der seit seiner Trennung vom VfL Scout beim FC Bayern ist.

Über Flottmann, so Balzer, entstand der Kontakt zu Michael Lange. Die beiden kennen sich, seit Lange für die Amateure des VfL gespielt hat. Der Sportmanager, unter anderem für Nike bei Borussia Dortmund tätig, betreibt die Beratungsagentur ml-solutions, die 2012 auf Initiative von Sponsor Michael Koch (Kaffee Partner) den VfL durchleuchtete. Balzer: „Er hat zunächst abgelehnt, war dann aber doch bereit, als überzeugter VfLer im Ehrenamt zu helfen.“ Lange stand Ende letzten Jahres kurz vor einem hauptamtlichen Einstieg beim VfL: Er war als Nachfolger von Geschäftsführer Jürgen Wehlend vorgesehen, falls der dem Rücktrittsdruck der Sponsoren nachgegeben hätte.

In Bodo Niehoff habe man einen Finanzexperten in der Fanabteilung gefunden, „und dann fehlte noch ein Präsident“. Uwe Brunn habe sofort zugesagt. „Unser Team ist keine Opposition. Wir sind dem Aufruf gefolgt, ein Team mit sportlichen und wirtschaftlichen Kompetenzen sowie öffentlicher Reputation zu suchen.“ Das sei gelungen, umso größer sei die Enttäuschung, dass die Bemühungen nicht gewürdigt worden seien. „Wir haben vergeblich um eine Infoveranstaltung gebeten. Nicht mal eine Erklärung haben wir bekommen, warum unser Team nicht zugelassen wurde“, sagte Balzer, „und die Mitglieder bekommen keine Chance, sich zu entscheiden und auszuwählen.“ Flottmann, der so viel für den VfL getan habe, sei verbittert über den Umgang mit ihm.

Balzer sprach von Sponsoren, „die in diesen Findungsprozess eingebunden waren und sich im sechsstelligen Bereich engagieren wollten“. Weitere Details nannte er nicht, beklagte aber später, wie der VfL mit einzelnen Sponsoren umgehe, „auch, wenn die mal einen Brief unterschrieben haben“. Gemeint waren offenkundig die Sponsoren, die Ende 2013 die Rücktrittsforderungen an Wehlend und Ehrenberg gestellt und damit die Führungskrise ausgelöst hatten.

Der Wahlausschuss hatte Brunn und Niehoff aus dem Balzer-Team für das Konsensteam nominiert. Das reduzierte sich nach Niehoffs Rückzug auf drei Mitglieder.