Ausschuss tagt erneut VfL-Versammlung: Hitzige Debatte bleibt sachlich

Von Harald Pistorius


Osnabrück. Die von den Angehörigen der Fanabteilung dominierte Mitgliederversammlung des VfL Osnabrück zwingt den Wahlausschuss des Vereins eineinhalb Wochen vor den Präsidiumswahlen in eine Verlängerung: Das klare Votum für eine Zulassung alternativer Kandidaten hat zwar keine rechtliche Wirkung, aber einen symbolischen Wert.

„Wir werden über dieses Votum im Wahlausschuss reden“, sagte Ralf Wöstmann, der Vorsitzende des Gremiums, unmittelbar nach dem Ende der Versammlung, die am Dienstag in der Gesamtschule Schinkel 119 Mitglieder und zehn Medienvertreter bis zum Anpfiff des Länderspiels in Vigo beschäftigte.

Der Antrag des Aufsichtsratsmitglieds Axel Balzer, zusammen mit Daniel Dincher, dem Vorsitzenden der Fanabteilung, der Wortführer der mit gut 80 Mitgliedern vertretenen Opposition, hat keinen rechtlich bindenden Charakter und kann erst recht die Satzung nicht ändern, die dem Wahlausschuss ein Vorgehen wie im aktuellen Auswahlverfahren auch nach rechtlicher Prüfung erlaubt.

Mit 85:31 Stimmen wurde der Antrag angenommen, der fordert, dass der Wahlausschuss nur die grundsätzliche Eignung und die sittliche Reife der Kandidaten für das Präsidium prüfen und – falls vorhanden – mehrere Kandidaten der Mitgliederversammlung zur Wahl stellen soll. Ein satzungsändernder Antrag, der einer Zwei-Drittel-Mehrheit bedarf, kann frühestens bei der Jahreshauptversammlung 2015 gestellt werden.

Hier gibt es den Liveticker der Versammlung zum Nachlesen

Vor diesem Schlusspunkt hatte es kontroverse Debatten und Wortbeiträge gegeben; durchaus mit einigen Spitzen und Emotionen, ohne dabei zur Schlammschlacht auszuarten. Deutlich wurde allerdings, dass es in der Sache keine Annäherung gibt. Niemand brachte das besser auf den Punkt als Jörn Jacobs von der Violet Crew, der schon mehrfach VfL-Versammlungen realistisch und sachlich zusammengefasst hat: „Wir haben dieselben Wünsche, aber wir haben keinen Konsens.“

Tatsächlich bietet das Verfahren des Wahlausschusses, so wie es der Vorsitzende Ralf Wöstmann schilderte, einige Angriffsflächen – angefangen von der in der Satzung vorgeschriebenen, aber nicht vorhandenen Geschäftsordnung („Es fehlt eine transparente Handlungsgrundlage für den Wahlausschuss“) bis hin zu den Ausführungen über geheime Wahlen im Ausschuss. „Genau damit verhindert man doch zusammengewürfelte Teams nicht“, sagte Dincher, der außerdem aus den Tiefen der Satzung von Borussia Dortmund zitierte, auf die sich Präsident Christoph Ehrenberg als Vorbild für den VfL berief: „Beim BVB steht aber auch, dass, wenn die Mitglieder zweimal Vorschläge des Wahlausschusses ablehnen, ohne weiteren Vorschlag aus der Versammlung heraus frei gewählt werden kann. Das fehlt leider bei uns!“

Dass der Wahlausschuss rechtlich korrekt gehandelt hat, mussten allerdings auch die Kritiker einräumen. Sie fordern dennoch nach wie vor eine Zulassung mehrerer Teams zur Wahl. Balzer schilderte ausführlich, wie er das von ihm vorgeschlagene Team zusammengestellt habe und seine Enttäuschung: „Es bedrückt mich, dass wir keine Chance bekommen haben. Ich habe Angst, noch mal einen Vorschlag zu machen…“

Einträchtig und nachdenklich verfolgte in mittlerer Reihe das designierte Präsidium mit Hermann Queckenstedt, Uwe Brunn und Reinhard Stiehl die Debatten und auch die Abstimmung. Das Wort ergriffen sie – wie vorher verabredet – nicht.

„Ich hoffe, dass die Sachlichkeit dieser Versammlung auch bei der Jahreshauptversammlung am 30. November herrscht“, wünschte sich Präsident Ehrenberg zum Abschluss. Zuvor hatte Balzer als Wortführer der Kritiker gesagt: „Wir müssen das Lagerdenken ablegen. Ich wünschte, dass man sich vereint in diesem Verein.“ Das tun wohl alle, doch über den Weg dahin ist man sich nach wie uneins im VfL.

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