Schon allerhand Emotionen versprüht Graffitiaktion beim VfL Osnabrück: Fanszene übt Kritik

Von Johannes Zenker


Osnabrück. Anstatt nach Schweiß und feuchtem Rasen riecht es in der Mixed-Zone der Osnatel-Arena momentan nach Lösungsmitteln und Treibgasen. Seit dem vergangenen Wochenende besprüht Künstler René Turrek im Kabinentrakt eine Wand mit zahlreichen Motiven aus der 115-jährigen Vereinsgeschichte des VfL Osnabrück.

Mehr als 200 E-Mails hat Turrek in den vergangenen Tagen von den Anhängern des Fußball-Drittligisten erhalten. „Mit derart viel Rückmeldung habe ich gar nicht gerechnet. Noch jetzt erreichen mich Vorschläge von Fans, die ich einbringen möchte“, sagt der 37-Jährige, der unentgeltlich arbeitet. Rund 35 Quadratmeter stehen ihm für sein Werk zur Verfügung, geschafft ist noch nicht einmal die Hälfte. Bislang zieren unter anderem Heinz „Schangel“ Flotho, Radoslav Momirski und Uwe Brunn die Wand – weitere namhafte Persönlichkeiten sollen folgen. Pele Wollitz wird allerdings nicht dazugehören. „Den hat keiner der Fans vorgeschlagen“, berichtet Turrek. Darüber hinaus möchte er als Nächstes eine Szene aus dem DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV und eine Choreografie der Zuschauer in das Werk einarbeiten. Um diese Motive an die Wand sprühen zu können, reicht seine Leiter nicht mehr aus: Turrek benötigt ein Gerüst.

Wann der gebürtige Osnabrücker fertig sein wird, steht noch nicht fest. „Am Freitag werde ich sicherlich schon sehr weit sein, aber ich nehme mir auch noch in der nächsten Woche Zeit, um Detailarbeit zu leisten.“ So möchte er zum Beispiel einzelne Motive mit 3D-Effekten versehen und QR-Codes anbringen. Mit deren Hilfe sollen sich per Smartphone entsprechende Audio- oder Videobeiträge abrufen lassen, „um die Emotionen der Szenen lebendig werden zu lassen“, wie Turrek sagt.

Am Mittwoch war bereits eine Schulklasse aus Quakenbrück zu Gast, die sich im Kunstunterricht derzeit mit Graffiti beschäftigt. „Die Lehrerin hat mir eine Mail geschickt. Daraufhin haben wir das Treffen nach Rücksprache mit dem VfL arrangiert“, erzählt der Sprayer. Nach wie vor hofft er darauf, dass ihm auch die Fans der Lila-Weißen in den nächsten Tagen bei seiner Arbeit über die Schultern schauen können. „Gestern und heute standen bereits Menschen am Zaun und haben Fotos geschossen. Allerdings konnte ich die natürlich nicht einfach so hereinlassen.“

Das fertige Werk kann künftig bei Stadionbesichtigungen in Augenschein genommen werden; darüber hinaus soll die Collage laut VfL-Pressesprecher Sebastian Rüther digitalisiert und als Poster angeboten werden.

Einzelne Fans äußerten zuletzt Kritik an dem Projekt. In einer Stellungnahme moniert die Ultra-Gruppierung „Violet Crew“, dass aus Fankreisen mehrmals an die Vereinsführung der Wunsch herangetragen worden sei, das Umfeld des Stadions auf eigene Kosten zu verschönern. Das sei jedoch ungehört geblieben. Rüther verwundert diese Aufregung: „Von konkreten Anfragen ist mir nichts bekannt. Für Vorschläge aus der Fanszene sind wir jederzeit offen.“ So werde beispielsweise das Fanprojekt in Kürze eine Aktion durchführen, bei der Stromkästen und Wände in der Umgebung des Stadions bemalt werden.

Die Kritik richtet sich allerdings nicht nur gegen den Verein, sondern auch gegen Turrek selbst, dem vorgeworfen wird, Kontakte zur Münsteraner Ultraszene zu pflegen. „Da ist absolut nichts dran. Ich kenne keinen einzigen Münsteraner Ultra“, versichert der Sprayer.

Für Irritation sorgte zudem, dass Turrek bereits am vergangenen Samstag – also einen Tag vor dem offiziellen Einsendeschluss für Ideen – mit Skizzen begonnen hatte. „Einige Namen und Szenen wurden so häufig genannt, dass ich diese schon einmal vorgezeichnet habe“, erklärt der 37-Jährige.

Und sollte auch mancher Fan am Ende unzufrieden sein – eines neuen Auftraggebers kann sich Turrek bereits sicher sein. So brach es aus VfL-Trainer Maik Walpurgis nach dem Spiel gegen Mainz 05 II heraus: „Richtig geil. Das kannste bei mir zuhause auch machen.“