Interview mit VfL-Geschäftsführer Wehlend: Wichtig ist, dass man im Dialog ist

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VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend, hier bei einer Informationsveranstaltung Ende Oktober, spricht im Interview über die Suche nach neuen Fanbeauftragten. Foto: Helmut KemmeVfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend, hier bei einer Informationsveranstaltung Ende Oktober, spricht im Interview über die Suche nach neuen Fanbeauftragten. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Nach dem Abschied der beiden Fanbeauftragten beim VfL Osnabrück äußert sich Geschäftsführer Jürgen Wehlend in einem Interview mit noz.de über die Entwicklungen. „Ganz sicher machen wir auch nicht alles richtig, aber wir werden zunehmend besser. Wichtig ist, dass man im Dialog ist, Probleme offen anspricht und gemeinsam nach Lösungen sucht“, sagte Wehlend, der den Einsatz der ausgeschiedenen Alexandros Pantelidis und Christian Sprengelmeyer ausdrücklich lobt, über das weitere Vorgehen informiert und den Einsatz von Pyrotechnik in Rostock verurteilt.

Herr Wehlend, der VfL ist zurzeit nicht nur auf der Suche nach einem neuen Präsidenten, sondern auch nach einem neuen Fanbeauftragten ?

Wir haben eine für uns sehr unbefriedigende Situation. Der Fanbeauftragte des VfL, Alex Pantelidis, hat sein Anstellungsverhältnis zu Ende Oktober gekündigt. Wir bedauern dies sehr, zumal er der erste hauptamtliche Fanbeauftragte des VfL war und neben dieser Aufgabe seit August letzten Jahres auch für die Mitgliederbetreuung im Verein verantwortlich zeichnete. Trotz aller Bedenken und auch gegen alle Widerstände, nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Situation des Vereins, haben wir uns 2013 für die Kombination aus einem hauptamtlichen Fanbeauftragten und einem ehrenamtlichen Fanbeauftragten entschieden. Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen nach dem, aus gesundheitlichen Gründen unvermeidlichen, Rücktritt unseres langjährigen Fanbeauftragten Andreas Zimmermann. Christian Sprengelmeyer hat in dieser Zeit mit Begeisterung, Leidenschaft und einem enormen Zeitaufwand die Aufgaben des Fanbeauftragten ehrenamtlich fortgeführt und stand trotz dieser außerordentlichen Belastung auch ab August 2013 als Stellvertreter von Alex Pantelidis zur Verfügung. Während dieser aus überwiegend persönlichen Gründen gekündigt hat, die wir nachvollziehen können und auch respektieren, waren es bei Christian Sprengelmeyer neben den eben erwähnten Erfahrungen aus der Saison 2012/2013 auch offenkundige Probleme in der Zusammenarbeit mit dem Verein.

Herr Sprengelmeyer hat in einer öffentlichen Stellungnahme angeführt, dass es zu wenig Wertschätzung für die Fanarbeit gegeben hat und Vertrauen seitens der KGaA ausgeblieben sei.

Natürlich hat es an verschiedenen Stellen auch Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit gegeben. Dies ist in einem hoch emotionalen Umfeld wie der Betreuung von Fußballfans nahezu zwangsläufig. Ganz sicher machen wir auch nicht alles richtig, aber wir werden zunehmend besser. Wichtig ist, dass man im Dialog ist, Probleme offen anspricht und gemeinsam nach Lösungen sucht. Dies gilt meines Erachtens auch über die aktive Zusammenarbeit hinaus. Erst letzte Wochen haben wir mit Christian Sprengelmeyer darüber gesprochen. Seine Argumente kann ich durchaus nachvollziehen, akzeptiere allerdings den nun leider öffentlich zum Ausdruck gebrachten Vorwurf der fehlenden Wertschätzung oder des mangelnden Vertrauens gegenüber den Fanbeauftragten des Vereins ausdrücklich nicht

Warum nicht?

Beide haben in den vergangenen 15 Monaten überaus eigenverantwortlich agieren können und wurden von uns immer dann auch unterstützt, wenn dies erforderlich war. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die starke Choreografie unserer Fans anlässlich des Derbys gegen die Preußen im Oktober 2013, die ohne eine vertrauensvolle Zusammenarbeit überhaupt nicht denkbar gewesen wäre. Aber richtig ist eben auch, dass es Probleme in der Zusammenarbeit wie zum Beispiel bei der Saisoneröffnung 2014 gab. Diese beziehen sich aber nicht auf die Arbeit der Fanbeauftragten, sondern sind meines Erachtens Ausdruck der noch immer fragilen Strukturen beim VfL, insbesondere wenn es um die Zusammenarbeit mit der neuen Fanabteilung geht. Die Ausgliederung 2012 hat ihre Spuren hinterlassen. Das sind Wunden, die nur sehr langsam heilen. Hier setze ich persönlich auch auf die Arbeit des designierten Präsidiums, das auf der Mitgliederversammlung am 30. November zur Wahl steht. So wie sich der amtierende Präsident Christoph Ehrenberg in der Vergangenheit persönlich dafür eingesetzt hat, dass es im Verein zur Gründung einer Abteilung zur Förderung der Fans des VfL kommt. Und bei der KGaA zur Einstellung des hauptamtlichen Fanbeauftragten, der an der Schnittstelle zwischen Verein, Fußballfans und dem Geschäftsbetrieb professionell agiert.

Wie geht es jetzt weiter?

Mit Brede Lockhoff haben wir zunächst einen Interims-Ansprechpartner für die Betreuung unserer Fußballfans, aber auch der Gastvereine benannt. Er ist unser stellvertretender Sicherheitsbeauftragter und leitet den Ordnungsdienst. Für unsere Fans also kein Unbekannter und auch in der Liga genießt er aufgrund seiner Professionalität ein gutes Ansehen. Diese Übergangslösung wird auch vom DFB begrüßt, der von den Vereinen der 3. Liga einen zumindest ehrenamtlichen Fanbeauftragten fordert. Brede Lockhoff kümmert sich um Interessen unserer Fans bei Heim- und Auswärtsspielen. Möglich ist dies aber auch durch die Unterstützung des Fanprojektes Osnabrück. Die Kollegen um Michael Aschmann unterstützen uns, wo sie können, und stehen den VfL-Fans ebenso als direkte Ansprechpartner zur Verfügung. Auch sie begleiten alle Heim- und Auswärtsspiele des VfL.

Wird die Stelle des Fanbeauftragten erneut als Vollzeitjob ausgeschrieben?

Eine Ausschreibung wird es vorerst wohl nicht geben. Stattdessen sind wir in Gesprächen mit dem Fanprojekt, gemeinsam mit den Fangruppen und natürlich der Fanabteilung des Vereins. Nach dem klärenden Gespräch mit Christian Sprengelmeyer geht es nun auch darum, aus den von ihm angesprochenen Problemen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dazu werden wir uns kurzfristig mit den eben genannten Ansprechpartnern an einen Tisch setzen und über die für den VfL in seiner aktuellen Situation passende Lösung diskutieren. Ob wir wieder mit einem hauptamtlichen Fanbeauftragten arbeiten oder seine Aufgaben vielleicht auf mehrere Fanbetreuer in enger Zusammenarbeit mit Fanprojekt, Fanabteilung und den Fangruppen verteilen, ist zunächst offen. Entscheidend ist, was funktioniert.

Ein guter Draht zu den Fans ist wichtig. In Rostock wurde nach etwas längerer Pause mal wieder Pyrotechnik abgebrannt – das schadet dann dem Verein…

Und zwar in doppelter Hinsicht. Neben den Geldstrafen für den Verein, die der Einsatz von Pyrotechnik nach sich zieht und die die tägliche Arbeit an einer wirtschaftlich erfolgreichen Zukunft deshalb unnötig erschweren, handelt es sich eben auch um Straftaten. Und zwar so lange, wie die auch für Fußballfans geltenden Gesetze und Verbandsbestimmungen den Einsatz von Pyrotechnik im Stadion nicht legitimieren. Ganz egal, ob bei Heim- oder Auswärtsspielen. Deshalb distanzieren wir uns grundsätzlich vom Einsatz pyrotechnischer Stilmittel, auch unserer eigenen Fans. Dass sie auch bei Auswärtsspielen nun schon seit Längerem darauf verzichtet haben, ist auch Ausdruck der guten Arbeit unserer ehemaligen Fanbeauftragten. Ich würde aber auch nicht so weit gehen, dass ihre Abwesenheit in Rostock zum jüngsten Einsatz von Pyrotechnik geführt hat. Ich setze darauf, dass wir den im Dialog mit unseren Fans bereits gemeinsam erarbeiteten gestalterischen Freiraum weiter entwickeln. Er bietet ihnen die Möglichkeit, sich auf breiter Ebene kreativ für ihren Verein einzusetzen. Leider bleibt diese Möglichkeit bei Auswärtsspielen in der Regel zumindest stark eingeschränkt, was den dortigen Einsatz von Pyrotechnik zumindest erklärt. Letztlich bringen Strafen und Restriktionen relativ wenig. Was wir brauchen, ist ein lösungsorientierter Dialog aller Beteiligten.


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