Walpurgis Rufer in der Wüste Trainer vom VfL Osnabrück fordert einen Lerneffekt

Von Alfons Batke

Er sah das Unheil kommen: Nach dem Anschlusstreffer der Rostocker mahnte VfL-Trainer Maik Walpurgis vergebens zur Konzentration. Foto: Helmut KemmeEr sah das Unheil kommen: Nach dem Anschlusstreffer der Rostocker mahnte VfL-Trainer Maik Walpurgis vergebens zur Konzentration. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Hätte, wenn und aber: Auch zwei Tage nach dem 2:2 beim FC Hansa Rostock hatte der Konjunktiv beim VfL Osnabrück Hochkonjunktur, und der Drittligist trauerte dem weiteren Heranrobben an die Tabellenspitze nach. So verharrt Lila-Weiß nach dem 16. Spieltag mit 25 Punkten auf Rang zehn, mit durchaus möglichen 27 Zählern wäre der VfL nur zwei Punkte vom neuen alten Spitzenreiter SV Wehen Wiesbaden entfernt gewesen.

Kann es der Anspruch des VfL sein, sich den Topteams der Liga zugehörig zu fühlen? Gemessen am Verhalten in den Schlussphasen der Spiele bei Borussia Dortmund (ebenfalls 2:2) und in Rostock sicherlich nicht. Die Mannschaft hat das mit einem Ruck umgestoßen, was sie zuvor aufgebaut hatte. Trainer Maik Walpurgis muss sich vorgekommen sein wie ein Rufer in der Wüste; nach dem s päten Anschlusstreffer der Rostocker durch den bulligen Mustafa Kucukovic stand er beschwörend an der Seitenlinie, um ein Déjà-vu zu verhindern. Es hat nicht gefruchtet, mit der letzten Aktion des Spiels kamen die Rostocker durch eben diesen Kucukovic, der auch schon einmal auf der Wunschliste des VfL gestanden hatte, bekanntlich zum Ausgleich.

Walpurgis hatte unmittelbar nach der Partie Kritik am Verhalten von Führungsspielern geäußert. Namen wollte er auch am Sonntag nicht nennen, man habe das intern besprochen. „Diejenigen, die ich meine, wissen, um was es geht“, äußerte der Coach. Er hatte energischeres Eingreifen nach dem Freistoß gefordert, der letztlich zum Last-Second-Ausgleich durch Kucukovics Abstauber führte.

Doch was kann man gegen die „große Flatter“ in den Schlussminuten machen? Die Gefahr ist groß, das sich so etwas verselbstständigt und zu einem Dauerproblem wird. Vor Dortmund und Rostock hatte der VfL in der Nachspielzeit gegen Spitzenreiter Wehen-Wiesbaden beim Stand von 1:1 in der Nachspielzeit die Treffer zum 1:2 und 1:3 kassiert. Fünf verschenkte Punkte also in den letzten fünf Wochen, hätte der VfL sie auf dem Konto wäre er Tabellenführer.

Ob das angemessen wäre, bleibt dahingestellt; vermutlich gibt es einige Teams, die mehr Substanz haben als der VfL. Und dennoch ist das Team von Walpurgis bisher nicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „Wir stehen besser da als vermutet und haben auch mehr Punkte als zum vergleichbaren Zeitpunkt in der letzten Saison“, meinte Walpurgis . Vor einem Jahr belegte der VfL nach 16 Spieltagen zwar Platz neun, hatte aber erst 22 Punkte gesammelt.

Trotz der riesigen Enttäuschung aus der Rostock-Partie (Torschütze Addy Menga: „Ich habe die Welt nicht mehr verstanden“) will Walpurgis besonnen weiterarbeiten. Eine Art Straftraining gab es nicht, obwohl es die beiden kommenden Einheiten am Montag und Dienstag in sich haben sollten. „Es gehört zu meinem Job, die Mannschaft zu stärken“, sagte der 41-Jährige.

Er sieht sein Team insgesamt breiter aufgestellt, mit den eingewechselten Kräften Kim Falkenberg als Wegbereiter des 1:0 und Maximilian Wagener als Ausgangspunkt des 2:0 gibt es tatsächlich weitere Alternativen. Für Wagener könnte es am kommenden Samstag gegen Mainz 05 sogar zu einem Platz in der Startelf reichen, denn Elfmeterschütze Nicolas Feldhahn muss wegen seiner fünften Gelben Karte aussetzen.

Wenig erfreut war der VfL über die Pyro-Aktionen eines Teils seiner Anhängerschaft. Auch wenn sie zum ersten Mal in dieser Saison in dieser Hinsicht auffällig wurden, wird der Club mit einer empfindlichen Strafe rechnen müssen. Allein in der letzten Saison waren dafür 14500 Euro zu berappen.