Zweikämpfe geschickter führen Maik Walpurgis: „Fair-Play-Tabelle interessiert nicht“

Von Benjamin Kraus

Befreiender Jubel: Nicolas Feldhahn hebt ab nach einem verwandelten Elfmeter. Stephan Thee (rechts) feiert mit.Befreiender Jubel: Nicolas Feldhahn hebt ab nach einem verwandelten Elfmeter. Stephan Thee (rechts) feiert mit.

Unterhaching. Die erste Gelbsperre in dieser Saison für Stanislav Iljutcenko, der letzte Platz in der Fair-Play-Tabelle: Die aggressive, zweikampfbetonte Spielweise des VfL Osnabrück zieht auch nach der Unterhaching-Partie seine Kreise. „Wir wollen hohes Pressing spielen, Überzahlsituationen schaffen. Da muss man eben ab und an mit einigen Gelben Karten rechnen“, sagt Trainer Maik Walpurgis und ergänzt: „Die Fair-Play-Tabelle interessiert mich überhaupt nicht.“

Was nachvollziehbar ist, weil in dieser Wertung auch die zwei streitbaren Roten Karten (gegen Ornatelli in Chemnitz, gegen Grassi gegen Münster) stehen. Fakt ist aber, dass der VfL in absehbarer Zeit wohl weitere Ausfälle verkraften muss: die Sechser Nicolas Feldhahn und Christian Groß stehen bei vier Verwarnungen, mit Tobias Willers, Stephan Thee oder Alexander Dercho weist die Statistik weitere Kicker mit drei Einträgen auf. Was Walpurgis in diesen Arbeitsauftrag übersetzt: „Wir müssen unser Geschick in den Zweikämpfen weiter verbessern.“

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Das hat Iljutcenko definitiv getan, seit er beim VfL ist. Zu sehen in Unterhaching, als er sich mit tiefem Körperschwerpunkt und starker Arm- und Beinarbeit gegen den Ex-Lotter Sascha Herröder durchsetzte, bevor er gegen das lange Bein von Thomas Hagn den Strafstoß zog. „Er ist oft Pressing-Auslöser und macht die Bälle vorne immer besser fest“, sagt der Trainer über den 23-Jährigen, der aus der fünften Liga von Westfalia Rhynern zum VfL gekommen war und inzwischen der Zielspieler für lange Bälle über das gegnerische Mittelfeld beim VfL ist. In Unterhaching sah er wegen eines taktischen Fouls an der Mittellinie Gelb, fehlt somit gegen Regensburg. „Natürlich ein Verlust für uns – aber auch die Chance für die anderen, sich zu zeigen“, sagte Walpurgis.

Gefehlt hat Walpurgis im Überzahlspiel nach der 3:1-Führung die Kontrolle im Spiel seiner Elf. „Das Thema Ballzirkulation wird bei uns in den nächsten Wochen im Fokus stehen“, verriet er. Nötig wäre in der Tat in dieser Phase eine Teilabkehr vom Spiel der vielen langen Schläge hin zu mehr Ballbesitz gewesen. „Da fehlt uns noch die Klasse, das locker runterzuspielen“, nennt der Trainer einen Grund, warum sein Team, anstatt in Überzahl Gelassenheit am Ball zu entwickeln, in Passivität bezüglich des läuferischen Aufwandes verfiel und den Gegner so wieder starkmachte.

Dass sein Team nun zu den fünf Teams mit den meisten Gegentoren der Liga gehört, ist Walpurgis nicht entgangen. „In der Abstimmung in unserer Viererkette gibt es ganz klar Verbesserungspotenzial“, sagt der Coach, der gar nicht so unglücklich darüber wirkte, dass er aus dem Sieg zwei wichtige Dinge ziehen kann: Punkte für die Moral sowie viele Arbeitsansätze für die nächsten Tage.