Köpke: Drei Tore, trotzdem verloren Wilde Fahrt mit Happy End: VfL siegt 4:3

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Volltreffer: Addy-Waku Menga nimmt den Ball direkt – und trifft. Gegenspieler Markus Schwabl (rechts, Nummer 27) kann nicht mehr eingreifen. Fotos: ImagoVolltreffer: Addy-Waku Menga nimmt den Ball direkt – und trifft. Gegenspieler Markus Schwabl (rechts, Nummer 27) kann nicht mehr eingreifen. Fotos: Imago

Unterhaching. Vielleicht hat der eine oder andere VfL-Spieler auf dem Oktoberfest tatsächlich noch eine reale Achterbahnfahrt gewagt: Gelegenheit dazu hätte es aufgrund der zwei freien Tage, die Trainer Maik Walpurgis nach der Partie bei der Spvg. Unterhaching in der 3. Fußball-Liga seinen Spielern gab, jedenfalls gegeben. Vielleicht hatten die Kicker aber schon genug von dieser wilden Berg-und-TalFahrt, die alle Lila-Weißen beim 4:3-Auswärtssieg durchleben mussten.

Walpurgis sagte erst einmal gar nichts mehr, als er sich nach dem Siegtreffer vom Spielfeld abwandte und mit dem Rücken zum Feld erst regungslos, dann kopfschüttelnd die Ersatzspieler betrachtete. „Man kann sich das Leben auch selbst schwer machen“, erkannte Christian Groß, nachdem er mit seinen Mitspielern eine 3:1-Führung in Überzahl „komplett fahrlässig“ (Walpurgis) aus der Hand gegeben hatte. „Ich bin fix und fertig“, ergänzte Nicolas Feldhahn als eine der zentralen Figuren dieses völlig verrückten Spiels – dem zweiten Auswärtssieg im achten Auftritt im Sportpark.

Zwei Elfmeter hatte Feldhahn versenkt: den Ersten eher mit Glück, weil Unterhachings Keeper Michael Zetterer noch mit der Hand am Ball war. Den Zweiten vor allem mit Können, weil er nicht nur scharf, sondern auch gut platziert im selben Eck landete. Der eingewechselte Ersatzkeeper Felix Ruml war machtlos; Zetterer hatte zuvor Rot gesehen, weil er den stark pressenden Balleroberer Addy-Waku Menga im Strafraum klar gelegt hatte.

So stand es nach 75 Minuten 3:1 für elf Osnabrücker gegen zehn Hachinger. Das Gefühl, die Messe sei gelesen, machte sich breit – auch bei Menga, als er die größte VfL-Torchance der Saison verzockte: Mit fünf gegen zwei waren sie auf das Tor zugelaufen, bei einem Pass von Menga hätte Stanislav Iljutcenko nur noch einschieben müssen – doch der Torjäger suchte das Dribbling und den Abschluss. Weil er dabei Fabian Götze, Bruder von Weltmeister Mario, auf der Torlinie traf, machte Menga erst das Achterbahngleis frei für die nächste zentrale Figur: Pascal Köpke, Sohn des Bundestorwarttrainers Andreas.

Der hatte kurz nach seiner Einwechslung schon das erste Tor der Gastgeber erzielt, weil Tobias Willers auf rechts einen Gegenspieler im Rücken ziehen ließ und die VfL-Innenverteidigung ihn gewähren ließ. Nun stellte er mit zwei weiteren Treffern wieder auf Gleichstand: Diese fielen über die linke Abwehrseite der Lila-Weißen, wo nicht mehr der gelbrot-gefährdete und daher ausgewechselte Alexander Dercho verteidigte. „In Unterzahl zum 3:3 einzuschießen war ein supergeiles Gefühl“, sagte Köpke – doch es sollte sich als ein flüchtiges erweisen.

Denn das schönste Tor des Tages sollte noch fallen: vorbereitet von Groß mit einem energisch geführten Luftduell und einer präzisen Flanke, vollendet von Menga mit einer herrlichen Direktabnahme – ohne Schnörkel, dafür mit viel Wucht und mittenrein ins Glück zum 4:3 in der 89. Minute. „Wir sind mit anderthalb blauen Augen davongekommen“, resümierte Walpurgis, als er seine Sprache wiedergefunden hatte.

Denn ein 3:3 wäre eine gefühlte Niederlage gewesen: Nach einer schwierigen Startphase, als Daniel Heuer Fernandes zwei Schüsse von Andreas Voglsammer parierte, hatte der VfL die Partie dominiert. Mit frühem Anlaufen der hinsichtlich Technik und Übersicht limitierten Verteidiger Sascha Herröder und Markus Schwabl störte der VfL Hachings Spieleröffnung früh, dazu führte er seine Zweikampfhärte gegen das junge Team konsequent ins Feld. So verlagerte sich die Partie immer mehr in die Hälfte der Gastgeber – und als Feldhahn im Pressing gegen Simon Kranitz den Ball eroberte und Menga einen perfekten Pass in den Raum legte, war der Weg für den eingelaufenen Marcel Kandziora zum 1:0 nicht mehr weit. Gute Ballmitnahme, fester Linksschuss: Es war die Torpremiere im VfL-Trikot für den 24-Jährigen, die angesichts des völlig verrückten Drehbuchs der Partie fast in den Hintergrund rückte.

„Ein Qualitätsschub ist für uns drin, wenn wir die Probleme und Verletzungen der schwierigen Vorbereitungsphase überwunden haben“, sagte Walpurgis zur Perspektive für sein Team. Nun geht es gegen die letzten fünf der Tabelle. Das bietet Chancen, aber auch Gefahren, was die Berg-und-Tal-Fahrt in Unterhaching eindrucksvoll zeigt.


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