VfL Osnabrück “Kampfschwein“ Michael Hohnstedt im Interview

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Beim Abtransport ins Krankenhaus: Michael Hohnstedt in Reutlingen auf der Trage. Foto:ImagoBeim Abtransport ins Krankenhaus: Michael Hohnstedt in Reutlingen auf der Trage. Foto:Imago

Osnabrück. Am Freitag wurde er in Reutlingen vom Platz getragen und ins Krankenhaus gebracht, am Sonntag dachte er schon wieder ans Montagtraining und am Dienstag will er – wenn irgendwie möglich – im Spiel gegen den SV Wehen Wiesbaden (Anstoß: 19 Uhr) wieder dabei sein. Aus gutem Grund sprachen wir mit Fußballprofi Michael Hohnstedt vom VfL Osnabrück über Einsatzbereitschaft, Lauffreude – und Schmerzen.

Vor zwei Tagen wurden Sie schwer im Gesicht getroffen, mussten ins Krankenhaus. Wie geht es Ihnen jetzt?

Besser als gestern… Am Samstag war es noch mal heftig, als die Schmerzmittel nachließen, aber jetzt geht´s. Beim Kauen tut´s noch weh, aber unterm Strich kann man sagen: Glück im Unglück gehabt.

Wir haben uns die Szene im TV-Bericht angesehen. Das sieht nach einem Foul von Sandrino Braun aus, der mit ausgefahrenem Ellbogen in Sie reinspringt und voll erwischt.

Ich habe mir die Bilder auch öfter angeschaut und muss sagen: So darf man da nicht reingehen, dass hätte abgepfiffen werden müssen. Aber es keine Absicht, das würde ich ihm nie unterstellen. Nicolas Feldhahn hat noch mit ihm drüber gesprochen, ihm tat das Ganze auch leid. So etwas passiert eben – ich bin nur froh, dass sein Kopfball an den Pfosten und nicht ins Tor gegangen ist.

Jochbein und Kiefer sind geprellt, aber gebrochen ist nichts. Auch der Verdacht einer Gehirnerschütterung hat sich nicht bestätigt. Wie geht´s jetzt weiter? Für das Spiel gegen Wehen fallen Sie doch höchstwahrscheinlich aus.

So würde ich das nicht sagen. Ich habe das Wochenende noch zur Erholung, kaputt ist nichts. Im Abschlusstraining am Montag werden wir sehen, was geht.

Holen Sie dann wieder die Maske aus der letzten Saison hervor? Da erlitten Sie gegen Union Berlin einen Nasenbeinbruch…

…und habe damit bis zum Schluss gespielt. Mir war klar, dass das Nasenbein gebrochen war, aber da war soviel Adrenalin in mir, dass ich die Schmerzen gar nicht gemerkt habe. Außerdem war es DFB-Pokal, ich wollte unbedingt weiterspielen. Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass das nicht richtig war, denn ich war doch stark eingeschränkt und konnte der Mannschaft nicht so helfen, wie ich wollte. Dann habe ich in Erfurt pausiert, danach ging es mit der Maske weiter, die hat mich nicht behindert. Aber ich glaube, diesmal brauche ich die gar nicht – ist ja nichts gebrochen.

Was haben Sie gedacht, als Sie am Freitag ins Krankenhaus kamen?

Ich hatte echt Angst, dass was gebrochen ist. Aber als der Arzt mir sagte, dass das nicht der Fall ist, habe ich gleich gefragt: „Gibt es Probleme? Kann ich damit spielen?“ Das ist für mich entscheidend: Kann da etwas kaputtgehen, wenn ich spiele? Wenn das nicht der Fall ist, dann sind es ja nur die Schmerzen. Damit kann man fertigwerden.

„Nur“ die Schmerzen – sind Sie da besonders unempfindlich?

Weiß ich nicht… Doch, ich kann das ignorieren – weil ich geil bin auf jedes Spiel. Ich will der Mannschaft auf meine Weise helfen, natürlich nur, wenn ich das auch wirklich kann. Wenn ich merke, dass ich so angeschlagen bin, dass ich meine Leistung nicht bringen kann, dann sage ich das und lasse es sein.

Sie sind ein tougher Typ. Sie setzen sich immer bis an die Grenze ein, kämpferisch und läuferisch. Und vor Schmerzen haben Sie offenbar wenig Angst, denn Sie ziehen nie zurück.

Ich bin nicht der Riesen-Techniker, aber ich weiß, was ich kann und wie ich es für die Mannschaft einsetzen kann. Ich gebe 90 Minuten alles und gehe immer dahin, wo es weh tut. Ich marschiere 90 Minuten rauf und runter, nehme jeden Zweikampf an – das ist mein Spiel, das ist meine Grundeinstellung. Ich glaube, das kommt an in Osnabrück.

War das schon immer Ihre Art des Fußballs?

Ja, kann man sagen. Natürlich hat sich das entwickelt, je näher ich an meinen Traum, Fußballprofi zu werden, herangekommen bin. Ich komme über Laufbereitschaft und Kampfgeist, und wenn mein Akku nach dem Spiel nicht total leer ist, dann habe ich was falsch gemacht. Das ist für mich die Grundvoraussetzung, dass man nach jedem Spiel mit ruhigem Gewissen sagen kann: „Ich habe alles gegeben für die Mannschaft“.

Trainer Maik Walpurgis hat Sie nach dem Spiel in Reutlingen dafür gelobt und mal wieder Ihren Spitznamen in die Runde geworfen – „Kampfschwein“. Hören Sie das gern?

Auf den ersten Blick klingt der Spitzname vielleicht nicht so toll, aber es steckt ja wohl ein Lob darin. Ich weiß nach dreieinhalb Jahren Zusammenarbeit genau, was der Trainer will – und er weiß, was ich kann. Nein, das mit dem Kampfschwein ist völlig okay. Als der Stadionsprecher mich beim Sieg gegen Erfurt nach meinem Tor so genannt hat, war das ein unvergesslicher Moment. Vor 9000 Zuschauern mit diesem Spitznamen gefeiert zu werden – da habe ich ´ne Gänsehaut gekriegt.

Was war Ihre schlimmste Verletzung?

Völlig klar: Zwei Muskelbündelrisse im Oberschenkel 2006. Ich war als A-Jugendlicher auf dem Sprung in die Profimannschaft bei Arminia Bielefeld, ich hatte eine richtig gute Phase, gehörte auch zum Kader der DFB-U19-Nationalmannschaft. Dann kam diese Verletzung, und gerade, als ich mich wieder herangekämpft hatte, brach sie wieder auf – zu früh angefangen, falsch belastet oder nicht optimal behandelt, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall musste ich insgesamt zehn Monate pausieren und kam dann in Bielefeld nicht mehr weiter.


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