Daniel Heuer Fernandes im Interview VfL-Torwart: „Ich habe mir gesagt: Jetzt erst recht!“

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Ein Torwart will es wissen: Daniel Heuer Fernandes. Foto: Helmut KemmeEin Torwart will es wissen: Daniel Heuer Fernandes. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Auch beim 2:1 gegen Holstein Kiel war Daniel Heuer Fernandes in starker Form, spielte offensiv mit und leistete sich keinen Fehler. Jetzt hofft der 21-Jährige darauf, dass es bald ein Comeback in der U21 Portugals gibt.

Ein Fan schlug vor, dass wir Sie wegen Ihres offensiven Stil Neuer Fernandes nennen sollen.

Nette Idee… Manuel Neuer ist nicht nur der beste Torwart, sondern er personifiziert wie kein anderer die moderne, offensive Spielweise des Torwarts. Wenn Fans so etwas sagen, würde ich das mal als Lob bewerten…

Um solch eine Spielweise zu etablieren, braucht man einen Trainer, der die Idee mitträgt. Hatten Sie die immer?

Eigentlich durchgehend seit der Jugend beim VfL Bochum. Und beim VfL verlangt Maik Walpurgis, dass ich so mitspiele, wie ich es tue. Es ist meine Aufgabe, dass ich mir die Bälle, die hinter die Abwehrkette gespielt werden, auch außerhalb des Strafraums hole. Das wissen die Kollegen, darauf sind sie eingestellt.

Nach dem 2:1 gegen Kiel hat Ihr Trainer gesagt, dass Ihnen in der Vorbereitung ein paar Prozent an der Fokussierung gefehlt hätten, Sie aber nach der Entscheidung für Frank Lehmann enorm zugelegt hätten; er sprach von einer Leistungs-Explosion. Stimmt das?

Oh, das ist schwer zu sagen… Ich selbst habe es so empfunden, dass ich auch in der Vorbereitung Vollgas gegeben habe. Was sicher stimmt: Nach der Entscheidung habe ich ein „Jetzt-erst-recht“-Gefühl mobilsiert und mich regelrecht in meine Aufgabe verbissen. Ich habe mir vorgenommen, alles dafür zu tun, dass ich auf den Punkt da bin, wenn ich meine Chance bekomme. Das habe ich im Training jeden Tag gezeigt.

Haben Sie im mentalen Training an sich gearbeitet? Sie wirken derzeit noch ein Spur fokussierter.

Ja, das kann sein. Vor einem Spiel stelle ich mir verschiedene Situationen vor, lasse sozusagen vor meinem inneren Auge einen Film ablaufen. Und ich habe im Training noch intensiver am Timing gearbeitet, wenn ich rauskomme, um einen Ball zu erlaufen und im Strafraum zu holen. Ich glaube, da bin ich noch entschlossener geworden.

Und deshalb ist eine Kopfball-Abwehr wie gegen Kiel für Sie eine ganz normale Torwartaktion.

Genauso ist es. Das ist kein Risiko, erst recht keine Schau. Wenn ich mit den Füßen wie ein Feldspieler agieren kann, warum nicht auch mit dem Kopf?

In der vergangenen Saison waren Sie immer bei der portugiesischen U21 dabei, zuletzt wurden Sie nicht nominiert. Kennen Sie die Gründe?

Im vorläufigen Kader war ich dabei, aber als dann vier Spieler gestrichen worden sind, nicht mehr. Gesprochen habe ich darüber mit niemandem vom Verband. Die Qualifikation für die Play-Off-Spiele der Europameisterschaft war ja sicher, vielleicht sind deshalb zwei ganz junge Nachwuchs-Torhüter eingeladen worden. Und es wird schon eine Rolle gespielt haben, dass ich beim VfL am Anfang der Saison nicht gespielt habe.

Gehen Sie davon aus, dass Sie zu den Play-Off-Spielen am 8. und 14. Oktober von Trainer Rui Jorge wieder eingeladen werden?

Ich hoffe es. Immerhin bin ich ja in Osnabrück wieder die Nummer 1, und nach der letzten Saison hatte ich das Gefühl, dass ich weiter dazu gehören werde.

Wenn Sie zuletzt nominiert worden wären, hätten Sie das VfL-Spiel in Duisburg verpasst. Und wenn Sie in den Play-Offs zum Einsatz kommen, hat der VfL einen U23-Spieler weniger. Hat diese Konstellation Einfluss auf den Ehrgeiz, mit dem Sie Ihre Länderspielkarriere vorantreiben?

Nein, ganz und gar nicht, weil das alles von vornherein klar war. Das Ziel, in der U21 zu spielen, gehört zu meinem sportlichen Ehrgeiz wie es bei einem deutschen Spieler der Fall wäre. Aber ich bin froh, dass die weiteren internationalen Spieltermine in spielfreie Phasen der 3. Liga fallen. Warum das im September in fast jeder Saison anders ist, weiß ich nicht.

Was kann der VfL in dieser Saison erreichen?

Ich glaube, dass kann man aktuell nicht seriös einschätzen. Ende des Monats wissen wir mehr, dann kann man sehen, wohin unsere Reise geht.

Wenn die Mannschaft die nächsten Spiel bei den Stuttgarter Kickers und gegen den SV Wehen Wiesbaden hinter sich hat, geht es in den Wochen danach ausschließlich gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte.

Das sollte man nicht überbewerten. Und wer weiß schon wie sich die Tabelle verändert. Nein, wer glaubt, dass es in der 3. Liga ein Oben und ein Unten gibt, der täuscht sich. Ich kenne keine Liga, in der Leistungsdichte so groß ist. Deshalb lohnt es sich nicht, sich mit solchen Gedankenspielen zu beschäftigen. Wir müssen in jedem Spiel Vollgas geben, das ist entscheidend.

Das Verhältnis zwischen Torhütern ist grundsätzlich problematisch, vor allem dann, wenn sie leistungsmäßig nahe beieinander sind und beide den Anspruch haben, spielen zu wollen. Wie wirkt sich das im Alltag bei Ihnen und Frank Lehmann aus?

Wir gehen normal und sportlich miteinander um. Natürlich ist es jeden Tag ein harter Kampf, aber es hilft uns, dass Torwarttrainer Rolf Meyer viel mit uns spricht und uns fair behandelt. Er ist das Verbindungsstück zwischen uns.

Sehen Sie hier die wichtigsten Spielszenen des VfL Osnabrück im Video››


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