Interview mit Klubfunktionär Wöstmann Der VfL sucht einen neuen Präsidenten

Im Gespräch: Ralf Wöstmann (rechts), Vorsitzender des Wahlausschusses beim VfL Osnabrück, mit Christoph Ehrenberg. Foto: Helmut KemmeIm Gespräch: Ralf Wöstmann (rechts), Vorsitzender des Wahlausschusses beim VfL Osnabrück, mit Christoph Ehrenberg. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Nach der Führungskrise beim VfL Osnabrück und dem Rücktritt von Präsident Christian Kröger im Januar sondiert der Wahlausschuss des Vereins Kandidaten für das Präsidium. Über die Kandidatensuche, das geeignete Bewerberprofil und die Vorbereitung für die Wahl im November spricht Ralf Wöstmann im Interview. Der 41-jährige Rechtsanwalt ist Leiter der Tischtennisabteilung und Vorsitzender des Wahlausschusses.

Herr Wöstmann, im November soll ein neuer VfL-Präsident gewählt werden. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 15. August. Gibt es schon Kandidaten?

Es gibt mehrere Kandidaten aus der Stadt und dem Landkreis Osnabrück. Sie kommen aus allen gesellschaftlichen Bereichen und aus unterschiedlichen Interessengruppen. Auch die Neigungen, weshalb man sich auf solch einen Posten bewirbt, sind unterschiedlich.

Was ist denn der erste Grund, aus dem man sich für dieses Amt bewirbt?

Das ist schwierig. Auf jeden Fall sollte man es nicht aus Eigennutz machen. Von den Leuten, mit denen ich gesprochen habe, habe ich den Eindruck, dass sie sich mit Herzblut bewerben, weil sie den VfL voranbringen wollen und sagen: Das, was im Januar passiert ist, darf auf keinen Fall noch einmal passieren, sondern wir müssen eine schlagkräftige Truppe aufstellen. Es wird ja nicht nur der Präsident gewählt, sondern ein Präsidium, bei dem der Präsident an vorderster Front steht. Darauf wurde in den bisherigen Gesprächen Wert gelegt, dass man eine Truppe zusammenstellt, die sich untereinander versteht, und dass man für den VfL etwas bewegen kann.

Bei der Mitgliederversammlung im Mai war noch kein Nachfolger für Interims-Präsident Christoph Ehrenberg in Sicht. Waren die Eindrücke aus der Führungskrise da noch zu frisch, um einen Nachfolger zu finden?

Im Januar gab es noch den Ansatz, im Mai ein neues Präsidium zu wählen. Wir haben uns dann in den Gremien anders entschieden. Das hatte aber größtenteils damit zu tun, dass der Termin der Jahreshauptversammlung noch kurz vor dem Lizenzierungsentscheid lag. Wir, insbesondere die Geschäftsführung der ausgegliederten Fußball-KGaA, sahen das Problem, dass es Unruhen geben könnte, die die Lizenzierung gefährden. Jedes Gerücht, was irgendwo gestreut worden wäre, hätte die Lizenz gefährden können. Dann, haben wir gesagt, verlegen wir die Wahl auf den November, auf die ordentliche Mitgliederversammlung. Das ging wiederum nur, weil Präsident Christoph Ehrenberg gesagt hat, dass er bis November weitermacht, und auch Nikolaus Hahnenkamp bis dahin Vizepräsident bleiben will. Herbert Knüppe hatte seinen Abschied zum Mai angekündigt. Das war aber unschädlich, weil das Präsidium satzungsgemäß auch aus zwei Personen bestehen kann.

Welche Präsidiumsgröße streben Sie im November an?

Das Präsidium besteht laut Satzung aus bis zu vier Personen, einem Präsidenten und bis zu drei Vizepräsidenten. Soweit ich mich zurück erinnern kann – das betrifft die Zeit seit der Ära von Dirk Rasch – waren es immer ein Präsident und zwei Vizepräsidenten. Ein Posten wurde nicht besetzt. Ob wir das dieses Mal machen, ist noch nicht klar. Das hängt auch davon ab, wie viele Leute zur Auswahl stehen und wie die Aufgaben im Präsidium verteilt werden. Darüber sind wir uns auch noch nicht abschließend im Klaren.

Wie groß ist denn die Resonanz? Gibt es einen Kandidaten, fünf oder zehn?

Es sind durchaus mehr Kandidaten als Finger an einer Hand. Das hat uns überrascht. Es sind mehr, als wir erwartet hatten. Vom bestehenden Präsidium hat man geschaut, wen man ansprechen könnte, aber es sind auch noch von sich aus Kandidaten auf den VfL zugekommen, die sich für das Amt interessieren. Wir sind jetzt in der Findungsphase und prüfen, welche Kandidaten geeignet sind. Ich persönlich betrachte mich nicht als „Königsmacher“ nach dem Motto: Diese Nase gefällt mir nicht, den will ich nicht. Aber der Wahlausschuss hat eine Filterfunktion, die früher der Ehrenrat ausgeübt hat, und ist vom DFB vorgeschrieben – damit nicht jemand bei einer Hauptversammlung aufsteht, die tollste Rede hält und den Himmel auf Erden verspricht, wovon später nichts eingehalten wird.

Welches Profil muss ein Präsidentschaftskandidat des VfL mitbringen?

Erst einmal muss er VfL-Mitglied sein. Das ist eine Grundvoraussetzung, um gewählt werden zu können. Dann muss er absolut begeisterter VfL-Fan sein, und alle Leute, mit denen ich bisher gesprochen habe, betonen dann immer, wie lange sie schon zur Bremer Brücke gehen. Darüber hinaus braucht man die klassischen Attribute: Ein Präsident muss kommunikativ und teamfähig sein, sicherlich auch gut in der Region vernetzt sein. Das sind Kriterien, die für uns maßgeblich sind.

Wobei die Bremer Brücke ja nur ein Teil des VfL ist – es gibt noch mehr als die Fußballabteilung.

Das stimmt, und der ausgegliederte Fußballbereich wird ja alleine verantwortet durch die Geschäftsführung, konkret durch Herrn Wehlend. Darauf legen wir Wert und so ist es auch seit Januar gelebt worden, dass die Bereiche Profifußball und die anderen Abteilungen voneinander unabhängig geführt wurden. Das Präsidium darf nicht nur fußballlastig sein, auch die anderen Abteilungen müssen sich im Präsidium repräsentiert fühlen. Das ist sicherlich ein wichtiger Gesichtspunkt, denn im Präsidium wurde bis inklusive der Amtszeit von Christian Kröger nur über Fußball gesprochen. Es gab nichts Anderes. Da haben sich andere Abteilungen falsch verstanden gefühlt. Sie müssen auch gewürdigt werden. Aber es ist nicht so, dass jetzt die Nicht-Fußballer aufstehen und VfL-Präsident werden wollen. Man muss ja schon sehen, dass der VfL hauptsächlich ein Fußballverein ist.

Der Verein hat sich in seinem Kandidatenaufruf bemüht, gleich deutlich zu machen, was Sie gerade angedeutet haben: Anders als in früheren Vereinsstrukturen hat der Präsident seit der Ausgliederung in der Fußball-KGaA keine Entscheidungsbefugnisse mehr…

Natürlich ist durch die Ausgliederung die Funktion des Präsidiums als Vereinsvorstand im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches weggefallen. Aber die Präsidiumsmitglieder haben ja auch noch Aufgaben in der KGaA wahrzunehmen. Der VfL ist in der Geschäftsführungs-GmbH vertreten, die den Geschäftsführer kontrolliert und ihm Weisungen erteilen kann. Es ist ja geregelt, dass der VfL wegen der 50+1-Regelung die Mehrheit an der Fußball-Abteilung halten muss. Insofern sind Verein und Präsidium auch im Geschehen der KGaA involviert, und eine gewisse Fußballaffinität ist in dem Amt sicherlich von Vorteil.

Aber im Fußball bräuchte man – provokant gesagt – eigentlich nur einen „Frühstücksdirektor“, weil die wichtigen Entscheidungen an anderen Stellen gefällt werden.

Einen Frühstücksdirektor würde ich das nicht nennen, weil es eben noch Aufgaben gibt im e.V., die wahrzunehmen sind, und im Beirat der Fußball-KGaA. Da sollte man als Kandidat wirtschaftliche Kenntnisse mitbringen und muss gewisse Zusammenhänge sehen. Insofern erfordert das Amt mehr als einen Frühstücksdirektor.

Am 15. August läuft die Bewerbungsfrist ab. Wie sieht der weitere Zeitplan für die Kandidatenkür aus?

Wir haben für die Sitzung im August noch keinen Termin, treffen uns aber davor noch einmal, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Den 15. August haben wir als Frist gesetzt, um zu gucken, wer sich auf unseren Aufruf hin noch meldet. Manchmal ist es ja so – diese Erfahrung haben wir bei den Kandidaten für den KGaA-Beirat im Mai erlebt –, dass wirklich am letzten Tag vor der Frist noch abends um 22 Uhr ein oder zwei Bewerbungen eingehen. Das ist kurz vor knapp, aber so flexibel sind wir, dass wir darauf reagieren und die Leute noch anhören können. Das ist auch ein Vorteil davon, dass wir die Wahl auf November vertagt haben: Wir haben jetzt einfach eine gewisse Ruhe und können die Wahl vernünftig vorbereiten. Dem neuen Präsidium gibt das auch Möglichkeiten: Die Saison ist geplant, man hat die Lizenz. Im Mai hatten wir die Lizenz noch nicht. Wer wäre da schon bereit gewesen, auf so ein Pferd aufzusteigen?

Jetzt gibt es, wie Sie sagten, gleich eine Reihe Kandidaten. Werden Sie noch viel aussieben oder ist es sinnvoll, den Mitgliedern im November eine möglichst große Auswahl zu bieten?

Da gibt es noch keinen abschließenden Willensbildungsprozess im Wahlausschuss. Klar ist, dass bis zu vier Kandidaten ins Präsidium gewählt werden können, aber man kann jetzt noch nicht sagen, ob wir genau vier oder mehr Kandidaten vorstellen werden. Es ist ja auch die Frage, wie viele Kandidaten es bis August sind. Scheidet noch jemand aus? Kommen noch welche hinzu? Gibt es jemanden, der nur Vizepräsident sein und im Präsidium nur eine bestimmte Aufgabe wahrnehmen will? Und wie viele Leute sind bereit, in der vordersten Front als Präsident des VfL zu stehen? Das müssen wir noch abwarten. Bislang kennen sich die Kandidaten ja nicht einmal untereinander. Da legen wir Wert auf Diskretion. Wir überlegen, wie wir die Kandidaten zusammenbringen, aber vielleicht gibt es dann auch noch Leute, bei denen die Chemie nicht stimmt und die deshalb ausscheiden. Das vorherige Präsidium mit Christian Kröger, Clemens Seelmeyer und Christoph Ehrenberg war eher kurzfristig zusammengewürfelt und wie sich herausgestellt hat, passte das untereinander nicht. So etwas wollen wir auf jeden Fall vermeiden. Ob uns das gelingt? Das ist wie in einer Ehe: Am Anfang ist es vielleicht die große Liebe, und am Ende stellt man fest, dass es nicht klappt. Das wäre dann nun mal so, aber was wir tun können, ist, eine vernünftige Mischung zu finden.


Wahlausschuss

Der Wahlausschuss des VfL Osnabrück besteht aktuell aus je einem Vertreter der Abteilungen Tischtennis (Ralf Wöstmann) und Schwimmen (Jörg Seliger), der Fanabteilung (Benjamin Wischmeyer), KGaA-Geschäftsführer Jürgen Wehlend, zwei Vertretern aus dem Ehrenrat (Herbert Knüppe und Friedel Rahe) sowie einem Präsidiumsmitglied (Christoph Ehrenberg).

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