Deal vor Landgericht Bochum Ex-VfL-Profi Thomas Cichon gesteht Spielmanipulation

Von Benjamin Kraus

Thomas Cichon (hinten im Bild) hat gestanden. Foto: dpaThomas Cichon (hinten im Bild) hat gestanden. Foto: dpa

Bochum. Der ehemalige VfL-Fußballprofi Thomas Cichon hat vor dem Bochumer Landgericht eine Manipulationsabsprache bezüglich eines Spiels im Trikot der Lila-Weißen sowie die Zusage von Bestechungsgeld an ihn gestanden. Sein Verteidiger erklärte, dass Cichon bei der Zweitligapartie am 17. April 2009 beim FC Augsburg (0:3) „nicht mit vollem Einsatz gespielt“ habe. Der VfL Osnabrück war in der betreffenden Saison nach Relegations-Niederlagen gegen Paderborn aus der Zweiten Liga abgestiegen.

Das Geständnis Cichons, das er nicht selbst vortrug, sondern seinen Verteidiger verlesen ließ, war Teil eines Deals zwischen allen Prozessparteien, der bereits am Vortag eingefädelt wurde. Ursprünglich war dem 37-jährigen Cichon vorgeworfen worden , als Spieler des früheren Zweitligisten VfL Osnabrück zwei Partien verschoben zu haben. Dafür soll ihm von der Wettmafia laut Anklage rund 30 000 Euro gezahlt worden sein. Konkret geht es neben dem Spiel in Augsburg auch um die Partie in Nürnberg am 13. Mai 2009 (0:2). Cichon ist wegen der Manipulationsvorwürfe vom DFB bis Juli 2015 gesperrt worden.

Cichon ließ nun vor Gericht sein Geständnis der Spielmanipulation der Partie gegen Augsburg verlesen. „Ich wollte und konnte dort angesichts der Umstände nicht meine volle Leistung bringen“, sagte sein Verteidiger in Cichons Namen. Die ihm versprochenen 20000 Euro aus der Spielmanipulation habe er nie erhalten, sie seien lediglich von seinen noch höheren privaten Wettschulden abgezogen worden.

Seit Sommer 2008 habe er in Osnabrück begonnen, exzessiv bei einem ihm bekannten Inhaber eines Wettbüros zu wetten, ließ Cichon erklären. Das Ganze sei nie bar abgelaufen, sondern zunächst per Strichliste und später nur noch per SMS. So sei er immer tiefer in den Wett- und Schuldensumpf geraten. Erstmals auf Spielmanipulationen gegen Geld angesprochen worden sei er bei einem Treffen mit mehreren Personen in Löhne im Frühjahr 2009, er sei jedoch nicht darauf eingegangen. Als daraufhin eine der Personen, denen er Geld schuldete, beim Training auftauchte und drohte, ihn beim Vereinsvorstand des VfL zu verpfeifen, habe er sich gegenüber dem Vorstand selbst offenbart und daraufhin einen Gehaltsvorschuss zur Tilgung seiner Wettschulden bekommen.

Diese Tilgung habe er geleistet, doch dann habe ihn eine weitere Person, die bei dem Treffen in Löhne anwesend war, kontaktiert und angesichts seiner Schulden weiter unter Druck gesetzt. Er habe gewusst, dass größere Beträge von mehreren Personen auf eine Niederlage des VfL in Augsburg gesetzt werden. Ihm sei vorgeschlagen worden, diese Partie zu manipulieren - und das Spiel ging 3:0 verloren, erklärte sein Verteidiger in Cichons Namen. Die mit der Manipulation verbundene Gutschrift für Cichon in Höhe von 20000 Euro beschäftige wegen der damit verbundenen Steuerhinterziehung nun noch immer die Steuerstelle für Insolvenzsachen.

Für das Geständnis sicherte Cichon das Gericht zu, den Vorwurf der Spielmanipulation in Nürnberg, für die Cichon laut Staatsanwaltschaft 5000 Euro erhalten haben soll, wegen Geringfügigkeit nicht mehr zu verfolgen. Teil des Deals ist zudem die Beschränkung der Freiheitsstrafe auf Bewährung auf einen Zeitraum unter einem Jahr, wobei das Gericht darauf hinwies, dass dieser Teil der Absprache nichtig sei, wenn sich neue Sachverhalte ergeben würden.

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hieß es zu der verschobenen Partie in Augsburg wörtlich: „Thomas Cichon hatte sich bereits zu diesem Zeitpunkt mit dem Abstieg seiner Mannschaft aus der bundesdeutschen zweiten in die dritte Liga abgefunden und wollte diesen Umstand finanziell für sich ausnutzen.“ Vor dem Spiel in Augsburg am 28. Spieltag war der VfL auf einem Nichtabstiegsplatz gestanden.

Der Deal zwischen Cichon und dem Gericht, dessem Muster auch weitere ehemalige Regionalliga-Fußballer - zwei davon spielten damals für den SC Verl, einer für den FC Bayern Alzenau, auch sie sollen Geld von der Wettmafia erhalten und im Gegenzug Spiele verschoben haben - verkürzt die Dauer des Prozesses (ursprünglich 10 angesetzte Verhandlungstage) wohl erheblich. Cichon ist der erste ehemalige Bundesligaprofi, der sich nach dem Wettskandal vor Gericht verantworten muss. Vor seinem Engagement beim VfL stand er auch in der ersten Liga beim 1. FC Köln unter Vertrag.

Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung war Cichon am Rande des Prozesses zu keiner Stellungnahme bereit. Der 37-Jährige sagte nur, er werde sich erklären, wenn ein Urteil in dieser Sache gefallen sei. Das Gericht beschloss am Dienstagmittag, das Verfahren gegen Cichon von dem der drei anderen Spieler abzutrennen. Während gegen diese in der nächsten Woche weiter verhandelt und wohl auch ein Urteil gesprochen wird, geht der Cichon-Prozess mit der verkürzten Beweisaufnahme erst am Mittwoch, den 11. Juni, weiter.