Etwa 400000 Euro fehlen Plan B des VfL Osnabrück: Crowdfunding

Christoph Ehrenberg und Jürgen Wehlend. Foto: imagoChristoph Ehrenberg und Jürgen Wehlend. Foto: imago

Osnabrück. Es ist bisher nur ein Plan B, aber es ist ein Denkmodell zur Sicherung der Lizenz des VfL Osnabrück: Die Schwarmfinanzierung, also das sogenannte Crowdfunding bei Fans und Gönnern des VfL, um das nötige Geld für die vom DFB geforderte Liquiditätsreserve aufzutreiben.

Wie hoch diese ist, wurde bei der Lizenzpressekonferenz am Freitagnachmittag erstmals bekannt: Der DFB verlangt vom VfL 960000 Euro, die er bis zum 27. Mai entweder bar oder über Bankbürgschaften in Frankfurt hinterlegen muss, um die kommende Drittliga-Fußball saison finanziell abzusichern. Sie liegt damit übrigens etwas unter dem Betrag der aktuellen Saison: Im vergangenen Frühjahr musste der VfL 1,1 Millionen Euro hinterlegen, wovon etwa 700000 Euro in Anspruch genommen worden seien.

Am Rande der Pressekonferenz sickerte zudem durch, dass offenbar nicht alle der privaten Geldgeber (Gesamtsumme: 558000 Euro) ihre Darlehn, die sei dem VfL gegeben haben, verlängern werden. Unabhängig vom noch den Verhandlungen unterliegenden und deshalb derzeit nicht endgültig zu beziffernden Sponsoring-Volumen für die neue Saison und unabhängig von der Ratsentscheidung der Stadt am Diensta g, wo es für den VfL um die Stundung der Stadionpacht sowie die Verlängerung der Zins- und Tilgungsaussetzung des städtischen Darlehns und das der Sparkasse geht, könnte es deshalb sein, dass der VfL noch etwas Geld für die Liquiditätsreserve auftreiben muss, die Voraussetzung für die Erteilung der Lizenz ist. „Derzeit sieht es so aus, als müssten wir noch eine rechnerische Liquiditätsreserve von 400000 Euro realisieren“, sagte VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend.

Sollten diese nicht in den nächsten Tagen über die herkömmlichen Wege generiert werden, stellte Wehlend „als Plan B für kommende Woche“ die „erste Crowdfunding-Aktion im Deutschen Profifußball“ in Aussicht. Hierbei können Fans, Gönner und Privatpersonen dem Club ein sogenanntes Lizenz-Darlehen über 18 Monate zur Verfügung stellen - „für eine faire Verzinsung“, wie Wehlend sagte. Das Geld werde auf einem Treuhänderkonto gesammelt - und natürlich zurückgezahlt: entweder im November 2015 oder sofort für den Fall, dass es keine Lizenz geben sollte. „Das wäre eine Chance für die gesamte Region, sich zum VfL zu bekennen und ihn zu unterstützen. Alles würde helfen: Vom 50-Euro-Schein des normalen Fans bis zu größeren Beträgen von potenten Gönnern“, sagte Wehlend.

Ob diese Aktion über eine Internet-Plattform tatsächlich ins Leben gerufen wird, will der VfL Anfang nächster Woche entscheiden, wenn die Entscheidung im Rat gefallen ist und noch mehr Planungssicherheit bezüglich der Sponsorenvereinbarungen bestehe. Dass die Aktion ins Leben gerufen wird, bezeichnete Präsident Chrisoph Ehrenberg am Freitag aber als „wahrscheinlich“. Ehrenberg und Wehlend betonten unisono, dass die Erteilung der Lizenz derzei t mindestens ebenso wahrscheinlich sei wie in der vergangenen Saison, „als wir die entscheidende Sicherheit erst drei Stunden vor Ablauf der Frist einreichen konnten“, wie Ehrenberg erinnerte.

Wehlend betonte zudem, dass mehrere Faktoren den derzeitigen Kurs des VfL bestätigten und nannte neben dem guten Zuschauerschnitt von 8814 Fans in der vergangenen Saison auch die Steigerung des VfL-Vermarktungsumsatzes auf vier Millionen Euro, die Reduktion der Kosten um 200000 Euro - vornehmlich über die Rückholung der Vermarktungsrechte - sowie das im Rat vorgestellte Sanierungsgutachten. Weil erste langfristige Maßnahmen zur Zukunftssicherung aus dem Gutachten (Restrukturierung Stadioncatering und Vermarktung) bereits umgesetzt worden seien, erhöhe sich zwar das aktuelle Saisonminus von 250000 auf 400000 Euro. „Entscheidend aber ist, dass das Gutachten dem VfL eine positive Fortführungsprognose bescheinigt hat“, sagte Wehlend. Das Gutachten hätte den Wert des VfL auf sechs bis 12 Millionen Euro beziffert.

Inzwischen wurde auch bekannt, dass der Abgang von Sebastian Neumann nach Aalen fix ist.


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