Wehlend: „Wir brauchen Vertrauen“ VfL Osnabrück: Vier Säulen zur Lizenzsicherung

VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Foto: KemmeVfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Foto: Kemme

Osnabrück. „Die Voraussetzungen, die Lizenz zu erhalten, waren letzte Saison deutlich schlechter.“ Das sagt Jürgen Wehlend, Geschäftsführer der VfL Osnabrück GmbH & Co. KGaA – der Kommanditgesellschaft auf Aktien, unter deren Dach das Geschäft des Fußball-Drittligisten läuft. Gleichwohl brauche es zur finalen Erlangung des Spielrechts „ohne Frage einen Kraftakt – wie immer eigentlich, solange ich den VfL kenne“.

Am Donnerstag hatte Wehlend den sogenannten Tatsachenvortrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eingereicht: Jeder Club kann hier die Bedingungen kommentieren, die der Verband dem Verein zur finanziellen Absicherung der kommenden Saison gestellt hat. „Der DFB hat uns grundsätzlich die Lizenz erteilt: Unter Bedingungen und Auflagen, die nun sicher noch etwas angepasst werden“, sagte der Geschäftsführer.

Zahlen zum laufenden Verfahren nannte und kommentierte Wehlend nicht – auch nicht, dass der DFB nach unseren Informationen bis zum 28. Mai Belege oder Sicherheiten für eine Gesamtsumme fordert, die höher sein soll als die im Vorjahr (4,6 Millionen Euro). „Sicher ist der Prozess eine Herausforderung“, gibt Wehlend angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage zu. „Entscheidend ist: Wir brauchen Vertrauen. Und das Bekenntnis aller Fans und Förderer zum VfL, was wohl so wichtig ist wie noch nie.“

Vier gute Gründe gibt es für Wehlend, warum sich ein solches Bekenntnis lohnen könnte: „Wir haben schon jetzt eine positive wirtschaftliche Entwicklung vorzuweisen“, sagt er und nennt die Steigerung der Sponsoring-Erlöse auf fast vier Millionen Euro in dieser Saison oder die Reduktion des Saisondefizits von 2,1 Millionen auf 230000 Euro. Weiter herrsche inzwischen Ruhe im Verein und es gebe eine klare Aufgabenteilung. Außerdem helfe die positive sportliche Entwicklung der Mannschaft und die Tatsache, dass „wir viel früher am Start sind als letzte Saison, was unsere eingeleiteten Maßnahmen angeht“.

Diese Maßnahmen zur Sicherung der Lizenz beruhen laut Wehlend auf vier Säulen. Erstens: Verlängerung derzeit gültiger Vereinbarungen mit öffentlichen Darlehnsgebern (Sparkasse und Stadt Osnabrück, etwa die Stundung der Stadionpacht über den 31.12.2014 hinaus). Zweitens: Gespräche mit privaten Darlehnsgebern (Gesamtsumme nach unseren Informationen über 500000 Euro ) –, darunter auch jene, die sich im Verbund mit Ex-Präsident Christian Kröger zum Jahreswechsel in einem Brief gegen Wehlend und den damaligen Vize- und jetzigen Interimspräsidenten Christoph Ehrenberg gestellt hatten. „Es ist egal, was passiert ist . Wir müssen im Sinne des VfL gemeinsam nach vorne schauen. Wir führen intensive Gespräche“, so Wehlend.

Bezüglich der Entwicklung in den verbleibenden beiden Säulen zeigte sich der Geschäftsführer optimistisch: Im Bereich Erlöse über Werbung und Sponsoring seien schon zwei Drittel der im Lizenzierungsverfahren genannten Verträge schriftlich fixiert. Dazu sei man bezüglich der Vertragsverlängerung mit Stadion-Namensgeber osnatel in „sehr positiven Gesprächen – man kennt sich ja gut“, so Wehlend, einst selbst osnatel-Geschäftsführer. Und im Bereich Handel plane man, über die Restrukturierung des Bereiches Stadioncatering neue Erlösquellen zu generieren. „Hier sind die Gespräche in der heißen Phase“, sagte Wehlend.

Eine radikale Sparkur mit krasser Reduktion aller Ausgaben der KGaA sei dagegen nicht zielführend, da die erzielbaren Erlöse von den Aufwendungen abhängig seien. „Das Beispiel Unterhaching zeigt, dass etwa mit einem Mini-Spieleretat sportliche Erfolge nicht garantierbar sind – die Folgen bei uns wären wegbrechende Zuschauer- und Sponsoring-Einnahmen“, sagte Wehlend. Trotzdem kämen im Rahmen der derzeit laufenden Erstellung eines Sanierungsgutachtens alle Ausgaben auf den Prüfstand, die nicht direkt mit dem sportlichen Erfolg zusammenhängen. „Da wird alles diskutiert bis hin zur Nachwuchsarbeit, wobei ich ja der Meinung bin, dass die unsere Lebensversicherung sein sollte“, beschreibt Wehlend die Ergebnisoffenheit dieses Prozesses.


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