Osnabrück gegen RB Leipzig „Das Gegenteil von dem, was den VfL ausmacht“

Halten mit ihrer Meinung zu RB Leipzig nicht hinter dem Berg: Präsident Christoph Ehrenberg (links) und Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Foto: imagoHalten mit ihrer Meinung zu RB Leipzig nicht hinter dem Berg: Präsident Christoph Ehrenberg (links) und Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Foto: imago

hp/jka/bekr Osnabrück. Nur elf stimmberechtigte Vereinsmitglieder, die im Jahr 800 Euro Mitgliedsbeitrag bezahlen, dazu ein Name als Kunst- und PR-Produkt: Bei RB Leipzig taugt der Vorname „Rasenballsport“, abgekürzt RB, vor allem dazu, den Finanzier öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen: Einen potenten und in seinen Webesports abhebenden Brausehersteller aus Österreich . Wir haben zu diesem besonderen „Verein“ Meinungen beim nächsten Gegner gesammelt: dem Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück.

„Ein solches Projekt verkörpert genau das Gegenteil von dem, was Vereine wie den VfL Osnabrück ausmacht. Es ist ein Kunstprodukt, das mit geschicktem Marketing und sehr viel Geld lanciert wird“, hat Interimspräsident Christoph Ehrenberg eine klare Meinung zum nächsten VfL-Gegner. Angesichts der geschätzten 100 Millionen, die Red Bull in den Fußball-Standort Leipzig investiert, ergänzt er: „Dabei kommt es zu einer Verzerrung des Wettbewerbs zulasten der Vereine, die unter normalen Bedingungen wirtschaften müssen.“

Ehrenbergs Kritik beschränkt sich aber nicht nur auf den Geldzufluss, den wohl jeder Verein gerne annehmen würde, wenn er davon „betroffen“ wäre – sondern auch auf die besondere Konstruktion der Vereinsgremien des Leipziger Fußball-Drittligisten, die jüngst auch in der Titelgeschichte des Magazins „11Freunde“ thematisiert wurden: „Der Ehrenrat: Ein Trio aus alteingesessenen Red-Bull-Prokuristen (...). Der Vorstand: ebenfalls ein Trio aus langjährigen Gefolgsleuten des Firmengründers Mateschitz. Der Verein: (...) elf stimmberechtigte Mitglieder, alle sind mit Red Bull verbandelt“, schreibt „11Freunde“-Chefredakteur Philipp Köster (hier die Reaktionen zu dem Text) . „Allein die Tatsache, dass bei RB nicht jeder Mitglied werden kann, zeigt, dass hier Grenzen überschritten sind“, ergänzt Ehrenberg angesichts des horrenden Jahresbeitrags und der Tatsache, dass es bei RB seit der Gründung 2009 keinen einzigen Beitrittsantrag gab.

Etwas pragmatischer sieht die Entwicklung in Leipzig Jürgen Wehlend. „Die vordergründige Zielsetzung des Clubs, der Region Leipzig attraktiven und familienfreundlichen Fußball zu bieten, sollte man respektieren und gutheißen“, sagt der VfL-Geschäftsführer, schränkt aber ein: „Solange RB den Wettbewerb um Top-Talente nicht allein mit Geld auf dem Rücken der sächsischen Traditionsvereine, sondern durch eine ausgezeichnete Infrastruktur, top ausgebildete Trainer und ein professionelles Scouting betreibt.“

VfL-Spieler Sebastian Neumann ergänzt,.dass er sich zum Thema RB Leipzig noch keine großen Gedanken gemacht habe. „Ich sehe das auch nicht so dramatisch. Die Gefahr ist natürlich, dass der Verein zusammenbricht, wenn sich der Investor zurückzieht, aber dagegen kann man sich ja absichern. Klar, es kann auch negative Seiten haben, aber ich sehe das sehr gelassen. Das ist eine Entwicklung, die man nicht aufhalten kann“, so der VfL-Verteidiger. In der Mittwochs-Ausgabe der Tageszeitung lesen Sie, was VfL-Trainer Maik Walpurgis und Kapitän Alexander Dercho zu RB Leipzig sagen.

Fakten zu RB Leipzig:

Gründung: 19. Mai 2009 als eigenständiger Verein, Übernahme des Oberliga-Spielrechtes des SSV Markranstädt am 13. Juni 2009.

Heimstätte: Zuerst „Stadion am Bad“ in Markranstädt, ab Sommer 2010 „Red Bull Arena“ in Leipzig (Ex-Zentralstadion).

Mitglieder: laut Aussage von Geschäftsführer Ulrich Wolter gibt es 250 – stimmberechtigt sollen aber nur jene 11 aus dem Dunstkreis von Red Bull sein. Dass der Rest (Spieler und Trainer aus Profi- und Nachwuchsteams) kein Stimmrecht hat, monierte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig im Zuge der Lizenzierung.

Mitgliedsbeitrag: 800 Euro pro Jahr, 100 Euro Aufnahmegebühr, der Vorstand kann Mitgliedsanträge ablehnen – ohne Angabe von Gründen