Serie: Bundesliga und ich Metschies trifft beim Debüt

Von Harald Pistorius

Tpyisch Ulf Metschies: Verbissen im Duell, hier gegen HSV-Star Thomas Doll. Foto: WittersTpyisch Ulf Metschies: Verbissen im Duell, hier gegen HSV-Star Thomas Doll. Foto: Witters

Die Fußball-Bundesliga – das Traumziel für jeden jungen Kicker. In 50 Jahren schafften nur wenige Spieler aus der Region Osnabrück diesen Sprung. In einer Artikel-Serie erinnern sich diese Fußballer an ihre Zeit in der Eliteklasse. In dieser Folge: Ulf Metschies, der dem VfL 1988 eine Rekordablöse einbrachte, drei Jahre für den 1. FC Nürnberg spielte und in der Oberpfalz heimisch wurde.

Der fränkische Akzent ist mäßig, aber unüberhörbar. Ulf Metschies sitzt im Klubheim des Spielverein 16 , schaut auf die Plätze der Blumenhalle und sagt: „Hier hat alles angefangen. Ich war gerade fünf, als mein Vater mich hierher zum Fußball gebracht hat.“ In dem Traditionsverein hat man „den Ulf“ nicht vergessen, es ist auch die Erinnerung an eine Zeit, als die Nachwuchsarbeit bei dem Traditionsverein einen glänzenden Ruf hatte.

Ulf Metschies war das dritte 16-Talent, das zum VfL wechselte: Verteidiger Rainer Knopp und Stürmer Mario Laubinger schafften es ins Zweitligateam, Metschies startete durch: Zwischen seinem Abschied von der Blumenhalle und dem Debüt in der 2. Bundesliga lagen weniger als zwei Jahre.

Noch als A-Jugendlicher gab der zähe Defensivspieler am 27. März 1982 seinen Einstand im Profiteam. „Trainer war Carl-Heinz Rühl, ein strenger, harter Typ“, erinnert sich Metschies, „ihm hat wohl mein Fleiß und meine Einsatzfreude imponiert“. Ein A-Junior bei den Profis – das war damals weder in Osnabrück noch anderswo der Normalfall. „Leicht war es nicht, denn damals gab es noch strenge Hierarchien. Ich weiß noch, wie mich mal ein gestandener Spieler von der Massagebank gescheucht hat nach dem Motto: Jetzt bin ich dran“, erzählt Metschies lachend.

Abstieg in die Amateuroberliga 1984, Aufstieg 1985, Entwicklung zur Spitzenmannschaft 1987 – Metschies machte viel mit an der Bremer Brücke, wurde zu einem Defensiv-Allrounder, schnell, hart, laufstark, technisch solide. Im Frühjahr 1988 war der 24-Jährige nicht mehr zu halten. Nach einem Tipp seines ehemaligen Mitspielers „Sandy“ Sandhowe verpflichtete ihn der neue Nürnberger Trainer Hermann Gerland für den Club, der gerade erstmals den Einzug in den UEFA-Cup geschafft hatte. 280000 DM Ablöse kassierte der VfL, einen kleinen Teil davon bekam Spielverein 16.

„Das war meine Chance, das konnte mir niemand verdenken“, sagt Metschies, der einen Traumeinstand hinlegte: Am 23. Juli 1988 stand er in der Startelf des „Club“, die am Millerntor beim FC St. Pauli 1:0 gewann – das Tor des Tages erzielte in der 84. Minute Ulf Metschies.

Anschließend verpasste er wegen eines Muskelfaserrisses die denkwürdigen UEFA-Pokalspiele gegen den AS Rom , doch bald war er Stammspieler und blieb es bis zum Sommer 1991: „Ich habe höchstens mal wegen der einen oder anderen Gelbsperre ein Spiel verpasst. Und trotzdem bekam ich keinen neuen Vertrag – das war schon etwas bitter.“

Mit Trainer Gerland lag er auf einer Wellenlänge: „Er hat in jedem Training und in jedem Spiel hundertprozentigen Einsatz verlangt – sonst war man draußen.“ Der Niederländer Arie Haan („In Nürnberg hieß er nur Champagner-Arie“) hat er wegen dessen fußballerischer Klasse in Erinnerung: „Wenn der nach dem Training dem Andy Köpke noch ein paar aufs Tor geschossen hat, hat er ihn gefragt: Wo willst du ihn hinhaben? Und genau da schlug der Ball auch ein…“

Nach 78 Bundesligaspielen war Schluss, nach zwei Jahren in der 2. Bundesliga bei Eintracht Braunschweig kümmerte sich Metschies um den Beruf. Glücklich und zufrieden lebt er mit seiner Lebenspartnerin im oberpfälzischen Postbauer Heng, arbeitet als Verkaufsleiter Deutschland/Österreich für den Sportartikelhersteller „Champion“ und trainiert einen den SV Pölling in der Bezirksliga Franken.

Spielverein 16, die Blumenhalle und Osnabrück sind lange her. Und weit weg.


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