Eine unendliche Geschichte Wollitz gegen den VfL: Der Gerichtstermin im Protokoll

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Osnabrück. Muss der VfL Osnabrück seinem ehemaligen Trainer Claus-Dieter Wollitz eine Abfindung zahlen? Am Mittwoch sollte diese Frage in einer Hauptverhandlung vor dem Arbeitsgericht Osnabrück beantwortet werden. Doch die Kuh ist noch nicht vom Eis. Der Vorsitzende Richter blieb weitgehend arbeitslos; die beiden Parteien wollen eine außergerichtliche Einigung herbeiführen. Wir blicken hinter die Kulissen einer recht merkwürdigen Veranstaltung.

8.35 Uhr Arbeitsgericht Osnabrück, Hakenstraße 15: Saal 2 ist hell erleuchtet und gut gefüllt. Wer denkt, hier würde sich eine wütende Anti-Wollitz-Fraktion versammeln, ist auf dem Holzweg. Es sind zwanzig Studentinnen und Studenten, fünftes Semester Wirtschaftsrecht, Schwerpunktthema Personalmanagement. Passt irgendwie in den Zusammenhang.

8.50 Uhr: Wir treffen Dr. Joachim Wenzeck, er ist gewissermaßen Hausherr als Direktor des Arbeitsgerichtes. Der Jurist schildert den Medienvertretern den zu erwartenden Ablauf. Die Verhandlung als solche würde wohl eine Stunde in Anspruch nehmen, ein Urteil als solches werde aufgrund der konträren Standpunkte beider Parteien wohl nicht unmittelbar nach der Verhandlung erfolgen, sei aber gegen 14.30 Uhr inklusive Begründung telefonisch abrufbar.

8.55 Uhr: Die Nachwuchs-Akademiker im Saal plaudern angeregt, es geht eher um Studieninhalte und die Frage, wer abends mit wem kocht, als um den VfL, der nach unserer Spontanumfrage weniger interessiert. Aber den Herrn Wollitz würde man schon gern einmal erleben.

9.00 Uhr: Schlag neun, pünktlich ist er. Das sei gesagt. Der ehemalige VfL-Coach Wollitz betritt mit seinem Anwalt Ralf Bohn das Gerichtsgebäude, sagt kurz „Hallo“ und verschwindet in einem Besprechungszimmer.

9.04 Uhr: Arbeitsrichter Martin Holzmann hält Einzug, das Publikum im Saal, 20 Studentinnen und Studenten, vier Medienvertreter und zwei Gerichtsbedienstete, haben Platz genommen. „Eigentlich steht man ja auf“, knurrt Holzmann und blickt noch etwas sparsamer, als niemand dem Aufruf „Parteien bitte eintreten“ folgt. Man berät sich noch.

9.07 Uhr: Merkwürdige Atmosphäre. Keiner weiß so recht, was passieren soll. „Nicht, dass sie sich da draußen schon in den Armen liegen“, orakelt Holzmann und verschiebt nach einer kurzen Info, die er erhalten hat, die Veranstaltung um „zehn bis 15 Minuten“.

9.23 Uhr: VfL-Anwalt Rolf Müller will den Richter noch einmal „außerhalb des Protokolls“ sprechen. Die Jung-Akademiker spekulieren schmunzelnd, ob dabei möglicherweise die Telefonnummer eines neuen Italieners weitergegeben wird.

9.27 Uhr: Das hohe Gericht zieht ein zweites Mal ein. Alle Gäste in Saal 2 erheben sich brav von ihren Plätzen, Beifall liegt in der Luft, entlädt sich aber nicht.

9.29 Uhr: Die beiden Anwälte schweben herein und betonen wortreich, dass sie nichts zu sagen haben.

9.30 Uhr, Zwischenruf: Die Standpunkte bis dahin waren klar, Wollitz besteht auf eine Abfindung in Zusammenhang mit seinem ursprünglich bis zum 30. Juni 2015 laufenden Vertrag. Ein im vergangenen Dezember gemachtes Güteangebot seitens des Arbeitsgerichtes in Höhe von 65000 Euro hätte er akzeptiert. Der VfL hatte noch am Dienstag betont, dass er nichts zahlen wolle.

9.45 Uhr: Was nun, also? Die Medienvertreter haben sich vor dem Besprechungszimmer aufgebaut. Wollitz umdribbelt wie in besten Zeiten, als er das Trikot mit der Nummer 10 trug, die Nachrichtenjäger und murmelt, eher untypisch für ihn, „Ich sage nichts“.

9.46 Uhr: Eine Vorgehensweise, die von den anderen Beteiligten geteilt wird. „Wir sind im Gespräch“, sagt VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend fast schon staatstragend. Und Anwalt Müller: „In zwei Wochen müsste wir mit der Sache durch sein.“ Was wird passieren? Vielleicht ein Freundschaftsspiel Viktoria Köln - VfL auf neutralem Lotter Boden?

9.47 Uhr: Wollitz ist schon wieder auf dem Weg nach Köln. Die tapfer wartenden Studentinnen und Studenten bekamen ihn nicht zu Gesicht.


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