Kröger forderte “Vize“ zum Rücktritt auf VfL-Führungskrise: Ehrenberg bleibt im Amt

Unbeeindruckt von der Rücktrittsforderung: VfL-Vizepräsident Christoph Ehrenberg wird im Amt bleiben. Foto: Helmut KemmeUnbeeindruckt von der Rücktrittsforderung: VfL-Vizepräsident Christoph Ehrenberg wird im Amt bleiben. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Die Führungskrise beim VfL Osnabrück eskaliert. Der von Präsident Christian Kröger ultimativ zum Rücktritt aufgeforderte Vizepräsident Christoph Ehrenberg hat dem Klubchef sowie den Gremien des Vereins mitgeteilt, dass er sein Amt weiter ausüben wird. Für diesen Fall hatten Kröger und der zweite Vizepräsident Clemens Seelmeyer ihren Rücktritt angekündigt.

„Ich empfinde das Ultimatum als nicht akzeptabel, weder in der Sache noch in der Frist. Ich werde mein Amt als Vizepräsident weiter ausüben. Das habe ich Herrn Kröger, dem Präsidium und den Gremien kurz vor Ablauf der gesetzten Frist per Mail mitgeteilt“, sagte Ehrenberg am Freitagmittag. Der Aussage von Kröger , es gebe erhebliche Differenzen über Ziele und Strategien des VfL, widersprach er: „Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich stehe zu der gemeinsamen Politik eines strikten Konsolidierungskurses, in dessen Rahmen möglichst hohe sportliche Ziele verfolgt werden müssen.“

Der im Dezember 2012 ins Amt gewählte Jurist, der mehrere Mitgliederversammlungen des VfL leitete, übt aber Kritik am Stil von Krögers Amtsführung: „Die Briefe an mich und an Herrn Wehlend sind nur die Spitze eines Eisberges. Immer stärker ist die Tendenz, dass ein kleiner innerer Zirkel um Herrn Kröger die Geschicke des Vereins bestimmen will, vermehrt an den Gremien vorbei. Dazu gibt es ein Hineinregieren in das Tagesgeschäft, das in der Geschäftsstelle abgearbeitet wird. Da habe ich ein anderes Amts- und Demokratieverständnis.“ Ehrenberg verweist darauf, dass es von der letzten Mitgliederversammlung die eindeutige Aufforderung gegeben hat, die internen Konflikte beizulegen und gemeinsam an der Sache VfL zu arbeiten.

Von Kröger gab es am Freitagmittag noch keine Stellungnahme. In den Foren wie dem Treffpunkt wird das Thema kontrovers und leidenschaftlich diskutiert. Für den Fall, dass es tatsächlich zum Rückzug von Kröger und Seelmeyer kommt, sieht die Satzung vor, dass verbleibende Präsidium – dann also Ehrenberg – zunächst die Amtsgeschäfte übernimmt, ehe bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Neuwahlen erfolgen würden.

Kröger hatte seine Forderung an Ehrenberg und seine damit verbundene Rücktrittsankündigung am Dienstag bei der Sitzung des Ehrenrats vorgetragen. Am Donnerstag hatte die Stadt die VfL-Führung zu einem Gespräch gebeten; kurz vor dem Termin mit Kämmerer Thomas Fillep und den Vertretern der Ratsfraktionen sagte Kröger seine Teilnahme ab.

Zu dem von Ehrenberg angesprochenen und bei anderer Gelegenheit auch von Kröger erwähnten „inneren Zirkel“ gehören einige der Sponsoren, die den Brief an Wehlend geschrieben haben. Eine besonders starke Rolle spielt dabei der öffentlichkeitsscheue Günter Pott, langjähriger Gesellschafter der Lila-Weiß Marketing GmbH und Darlehnsgeber des VfL, der vor drei Jahren in den Wirtschaftsrat berufen wurde. Der Kliniksanierer ist Mitglied des neuen Aufsichtsrates und gilt als der einflussreichste Berater des Präsidenten. Pott war bei den meisten wichtigen Gesprächen an der Seite von Kröger, hat darüberhinaus seit fast zwei Jahren Einblick in nahezu alle Unterlagen nehmen können und zeitweise mit Mitarbeitern seines Unternehmens „Ostermann Pott & Cie“ an der Finanzplanung mitgewirkt. Kurz vor der letzten Mitgliederversammlung hatte er sich jedoch zurückgezogen und diesen Schritt intern mit Konflikten mit Wehlend begründet. Kröger hatte danach betont, Pott bleibe einer seiner wichtigsten Berater.


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