Keine Chance auf Rückkehr VfL Osnabrück: Phantom-Debatte um Björn Lindemann

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Erst gefeiert, dann gefeuert: Beim VfL Osnabrück spielte Björn Lindemann von 2009 bis 2011. Foto: Helmut KemmeErst gefeiert, dann gefeuert: Beim VfL Osnabrück spielte Björn Lindemann von 2009 bis 2011. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Bei Facebook läuft eine Petition, Fans fordern seine Verpflichtung, und den VfL-Heimatabend des Kabarettisten Kalla Wefel nutzte er für eine indirekte Bewerbung. Dabei ist es so gut wie ausgeschlossen, dass Björn Lindemann zum VfL Osnabrück zurückkehrt. Nur sagen mag das offiziell niemand.

Eine realistische Basis hat die Diskussion nicht. Kein Verantwortlicher des VfL hat sich bisher geäußert, kein Probetraining wurde vereinbart, es gibt keine Anzeichen, dass sich der Drittligist um Lindemann bemüht. Eine Phantom-Debatte?

Dass Lindemann im Verein keine Fürsprecher hat, darf niemanden wundern. In der Aufstiegsmannschaft 2009/10 war er zweifellos der herausragende Spielmacher und Torschütze; vielleicht war es die beste Saison in der Laufbahn eines hochveranlagten, aber labilen Ballkünstlers, dem Trainer Jürgen Klopp das Zeug für die Bundesliga bescheinigte.

Warum es damit nichts wurde, war in Osnabrück auch in der Erfolgszeit zu sehen. Lindemann, der sich seines Rufs als Lebemann und Partykönig nicht schämte, leistete sich immer wieder Eskapaden, die eigentlich im Profifußball nicht hinnehmbar sind. Es waren seine Teamkollegen, die ihn immer wieder schützten. „Lassen Sie es gut, sein, wir regeln das unter uns, denn er schießt uns in die 2. Bundesliga“, sagte Kapitän Angelo Barletta im Dialog mit der Clubführung.

Damit war es vorbei am 18. April 2011. Mitten im Abstiegskampf der 2. Bundesliga, am Tag nach der 0:4-Niederlage bei Hertha BSC, kamen Lindemann und Schöneberg zu spät und vor allem erkennbar unter Restalkohol zum Training. Vier Tage vorher hatte Interimstrainer Joe Enochs dem Spielmacher das Vertrauen ausgesprochen: „Was ich über dich gehört habe, interessiert mich nicht – ich zähle auf dich. Aber wenn du dir ein Ding erlaubst, bist du weg.“

Enochs blieb also keine Wahl; als es um alles ging für den Verein, hatte sich die wertvollste Offensivkraft selbst rausgekickt. Und die Mitspieler wollten ihm nicht mehr helfen. Barletta sagte: „Wir haben ihn geschützt, aber jetzt haben sie den Bogen überspannt.“ Später klagte Lindemann gegen den VfL und erstritt vor dem Arbeitsgericht einen Teil des einbehaltenen Gehalts.

Er wechselte nach Jena, schlug auch dort über die Stränge und flog raus; in Thailand fand er den Anschlussjob. Wie hoch das Niveau dort ist, was seine Leistungen für Army United wert sind – niemand kann das seriös einschätzen. Sicher ist nur: Sein Vertrag läuft Ende Januar 2014 aus, Lindemann will zum Jahresende 2013 auflösen und sucht einen Verein in Deutschland.

Lindemann ist kein Bad Boy, sondern einer vom Schlag „sympathischer Hallodri“. Er ist herzensgut, nach Fehlern einsichtig, aber – so lehrt es die Rückschau – nicht konsequent lernfähig. Man darf ihn als Typ mögen, und man darf ihm auch glauben, wenn er beteuert, gereift zu sein, sich geändert und eine Chance verdient zu haben. Aber muss ausgerechnet der VfL dieses Risiko eingehen?

Auch unabhängig von seiner Vorgeschichte stellen sich Fragen und Zweifel: Er passt nur bedingt in das System von Trainer Maik Walpurgis und wohl auch kaum in die gerade wachsende Hierarchie einer neuen Mannschaft. Kein Spieler aus dem aktuellen Team würde sich öffentlich äußern, doch was hinter vorgehaltener Hand gesagt oder zwischen den Zeilen signalisiert wird, lässt nur einen Schluss zu: Willkommen wäre Lindemann in diesem Team nicht.

Bisher ist wenig bekannt vom sportlichen Konzept des VfL über das Saisonende hinaus. Dabei könnte es – beispielsweise – darum gehen, die Bedeutung der eigenen Nachwuchsarbeit für den weiteren Aufbau festzulegen und umzusetzen. Oder um die Frage, welche der Führungsspieler mit auslaufenden Verträgen als Eckpfeiler langfristig zu halten sind.

Lindemann? Eine Phantom-Debatte.


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