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Lehker soll übernehmen Dirk Rasch: 15 Jahre auf der VfL-Achterbahn

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Osnabrück. Am Ende wirkte er fast erleichtert, das Amt schien an seinem Körper förmlich herabzugleiten. Nicht dass er es ungern und ohne Passion gemacht habe, aber Dirk Rasch musste für sich einfach die Notbremse ziehen. Nach knapp 15 Jahren ist der Verlagskaufmann am Freitagnachmittag mit sofortiger Wirkung als Präsident des VfL Osnabrück zurückgetreten. Seine Aufgaben dürfte bis zur Jahreshauptversammlung kommissarisch Vizepräsident Gert Lehker übernehmen.

Rasch machte in der Presserunde einen aufgeräumten Eindruck – und reinen Tisch. „Es ist die zeitliche Inanspruchnahme, ich brauche mehr Zeit für den Beruf. Und ich habe bei mir eine nachlassende Motivation festgestellt. Weil es auch leichte gesundheitliche Probleme gibt, hat mir die Familie die Rote Karte gezeigt. So konnte es für mich nur den vorzeitigen Rücktritt geben“, sagte der 61-Jährige. Zudem erwähnte er private Probleme, die er aber nicht näher erläutern wollte.

Ein Rückzug zum richtigen Zeitpunkt – das ist oft eine schwierige Angelegenheit. Rasch wusste das. Eigentlich habe er nach dem Abstieg im vergangenen Jahr die Brocken hinwerfen wollen. Ralf Heskamp war einer, der ihn umstimmte. „Nach dem unverhofften Besuch der Steuerfahndung sagte er, nun könne er erst recht nicht den Verein im Stich lassen. Das hat mir imponiert“, äußerte der VfL-Geschäftsführer.

Gleichwohl reifte in dieser Phase bei Rasch der Entschluss, nach Ende seiner Amtszeit 2012 nicht noch einmal den Hut in den Ring zu werfen. Ein Nachlassen der Motivation sei, wie Rasch indirekt zugab, auch durch zahlreiche anonyme Einträge in einigen Internet-Foren entstanden – „Kritik, die oft unter die Gürtellinie ging, unterste Sohle“.

Rasch hat Spuren hinterlassen, Pflöcke eingerammt, etwas bewegt. Dieter Prütz, im ersten „Kabinett Rasch“ Vize-Präsident und langjähriger Wegbegleiter, sagte dann auch: „Dirk besitzt das verdammte Recht, jetzt an sich zu denken.“ Sportdirektor Lothar Gans erinnerte an die turbulente Startphase im Jahr 1997, „als der VfL klinisch tot war“. Rasch habe große Verdienste darum, dass Lila-Weiß „in der Mitte der Gesellschaft angekommen und ein wichtiger Imageträger für die Region ist“.

Über die Nachfolge sollen in der kommenden Woche die beiden Vizepräsidenten Günter Niemeyer und Lehker sowie Ehren- und Wirtschaftsrat entscheiden. Es gilt als ausgemacht, dass Lehker interimsmäßig zum Clubchef bis zur Mitgliederversammlung im Herbst bestellt wird. Vielleicht übernimmt der Finanz- und Steuerexperte im Rahmen der möglichen Vereinsumstrukturierung das Ruder ja sogar bis 2013.

15 Jahre auf der VfL-Achterbahn haben von Rasch ihren Tribut gefordert. Doch er ist weit davon entfernt, die lange Zeit in Verantwortung mehr schwarz als weiß zu sehen. „Die ständigen Aufs und Abs sind zweifellos an die Konstitution gegangen. Aber es waren auch spannende und aufregende Jahre mit vielen unvergessenen Momenten“, bilanzierte der frühere Mittelfeldspieler, den sie nach eigenen Angaben in Bramsche einst „Raschtelli“ nannten.

Vier Aufstiege, vier Abstiege, häufig Drahtseilakte, um an die Lizenz für die kommende Saison zu gelangen. In der Ära Rasch wurde nichts ausgelassen, um Spannung bis zur letzten Sekunde zu erzeugen. Aber sie ist auch geprägt von der klar verbesserten Infrastruktur des VfL. So wird zum Beispiel das Projekt Nordtribüne immer mit dem Namen Dirk Rasch verbunden bleiben – und vielleicht wird er dort ja auch eines Tages Platz nehmen. Als ganz einfacher Fan.


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