Nouri und Menga in Topform VfB Oldenburg blüht unter Ex-Osnabrücker auf

Von Harald Pistorius


Oldenburg. Fast wären sie abgestürzt in die 5. Liga – jetzt träumen manche schon vom Aufstieg in die 3. Liga: Nach Jahren der Tristesse spürt der VfB Oldenburg mal wieder Fußball-Euphorie. Der Traditionsverein VfB, ein norddeutscher Fußball-Standort mit langer Geschichte, blüht auf. Zwei ehemalige Asse des VfL Osnabrück haben daran Anteil.

Es war ein perfektes Wochenende für den VfB. Im Verfolgerduell triumphierten die Oldenburger in Goslar 4:2, kurz nach dem Schlusspfiff erfuhr die Mannschaft von der dritten Saisonniederlage des Spitzenreiters: Die als Topfavorit gehandelte U23 des VfL Wolfsburg unterlag zu Hause dem BV Cloppenburg. Mit zwei Siegen am Sonntag (14 Uhr) gegen Eintracht Norderstedt und im Nachholspiel bei der U23 des HSV am Mittwoch (6. November) könnte Oldenburg die Tabellenspitze übernehmen.

Der Mann, der für diesen Höhenflug verantwortlich ist, hat seit April zunächst dafür gesorgt, dass es nicht zum Absturz kam. Im April trennte sich der abstiegsbedrohte VfB von Trainer Andreas Boll und dem Sportlichen Leiter Frank Neubarth – Nouri übernahm. Und bewarb sich, nachdem der Klassenerhalt geschafft war, um die Gesamtverantwortung als Trainer und Manager. Sein Konzept überzeugte die Klubführung ebenso wie die Bereitschaft von Nouri, sich auf die eingeschränkten Möglichkeiten am Marschweg einzustellen.

„Wir haben keine hoch professionellen Strukturen, aber wir versuchen trotzdem, so professionell wie möglich zu arbeiten“, sagt Nouri, „fast alle unsere Spieler arbeiten oder studieren, da muss man als Trainer Abstriche machen. Aber alle ziehen super mit, das macht Spaß.“

Das Training beginnt um 18.30 Uhr, ein Torwarttrainer – Ex-Zweitligamann Harry Witt – unterstützt ihn. Der gute Start hat die Fans wie aus einem Dornröschenschlaf geweckt, beim letzten Heimspiel waren gegen die U23 des FC St. Pauli erstmals mehr als 2000 im Marschwegstadion. Seit sieben Spielen ist der VfB ungeschlagen, nach dem Einzug ins NFV-Pokal-Halbfinale ist es nur noch ein Schritt bis zur Qualifikation für den DFB-Pokal 2014/15.

Nouri, der seine aktive Laufbahn beim VfB beendete, hat die Trainerrolle mit aller Konsequenz angenommen. „Trainer – das ist mein Ding“, sagt der 34-Jährige, der nach dem Abschluss des Studiengangs „Gesundheitsmanagement“ die A-Lizenz erworben und sich inzwischen für den Fußballlehrer-Lehrgang angemeldet hat.

„Wir wollten in Vorleistung gehen und Interesse wecken – das ist gelungen“, sagt Nouri. „Jetzt sind alle anderen gefragt, den Rückenwind zu nutzen. Wir wollen so lange wie möglich auf der Welle reiten – da brauchen wir keine Skeptiker, sondern Leute mit Visionen.“

Ein Glücksgriff gelang dem Familienvater, der in Bremen lebt, mit der Verpflichtung von Addy Menga. Von 2004 bis 2007 haben die beiden beim VfL zusammengespielt, gemeinsam feierten die Vorbereiter der beiden entscheidenden Tore im legendären Spiel gegen RW Ahlen den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

„Ich bin wegen Alex gekommen“, sagt Menga, der sich in Oldenburg sehr wohl fühlt, aber mit seiner Familie in Osnabrück lebt, „es ist sensationell, mit welch klaren Vorstellungen er an die Sache herangeht.“ Der aus dem Kongo stammende Stürmer, dem der SC Preußen Münster keinen neuen Drittligavertrag anbot, blüht in der Regionalliga auf. Zwölf Tore stehen auf seinem Konto, dazu einige Vorlagen.

Drei weitere Ex-Osnabrücker sind am Oldenburger Höhenflug beteiligt: Henrik Großöhmichen, Kevin Samide und – ältester und dienstältester Akteur im Kader – Christian Thölking.