Ein Dorf, ein Mann SV Elversberg soll Nr. 1 im Saarland werden

Meine Nachrichten

Um das Thema VfL Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


hf/hp Elversberg. Ein neuer Name im Geschichtsbuch des VfL Osnabrück: Am Samstag (14 Uhr) ist die Sportvereinigung Elversberg erstmals Gegner der Lila-Weißen. Der Emporkömmling aus dem Saarland verdankt seinen Aufstieg einem ehemaligen Bundesligaprofi, der mit einem Pharma-Unternehmen reich wurde. Sein Dorfklub soll den ruhmreichen 1. FC Saarbrücken als Nummer eins im Land ablösen.

Wer Elversberg als Ziel in sein Navigationssystem eingibt, wird mit einer Fehlermeldung konfrontiert. Den Ort gibt es nämlich gar nicht. Elversberg ist mit 8000 Einwohnern der etwas größere Teil der im Landkreis Neunkirchen liegenden Gemeinde Spiesen-Elversberg. Spiesen hat das Rathaus, Elversberg den Fußball. Der Ortsteil
ist der kleinste Standort
der 3. Liga, und die Blicke gehen nach oben.

Bis 1980 war die Sportvereinigung Elversberg ein ganz normaler Dorfverein, der nicht mal überall im Saarland ein Begriff war. Dann trug eine kurze Blüte den Dorfverein in den Achtzigerjahren bis in die Oberliga. Dort übernahm man sich, stand vor dem Abstieg in die Bezirksliga und vor einem Schuldenberg von 800000 DM. Dann kam Frank Holzer.

Als Junge hatte er in Elversberg gekickt; ein Talent, das sich bald der 1. FC Saarbrücken angelte. 1975/76 schaffte der FCS den Aufstieg in die Bundesliga – mit dem flinken Außenstürmer Frank Holzer und dem Spielmacher Felix Magath. Die beiden Asse waren nicht zu halten: Der HSV holte sich Magath, Eintracht Braunschweig – damals ein Topklub der Bundesliga mit Branko Zebec als Trainer – kaufte Holzer.

Nach vier Jahren mit 39 Spielen war seine Karriere zu Ende, verletzungsbedingt. Zurück in der Heimat, kümmerte sich Holzer vor allem um die familieneigene Apotheke, schloss sein Pharmaziestudium ab und baute das Pharma-Unternehmen Ursapharm auf. Die in 64 Ländern vertretene Firma beschäftigt an ihrem Hauptsitz im Saarbrücker Stadtteil Bübingen knapp 500 Mitarbeiter, der Umsatz ist auf über 100 Millionen Euro gewachsen.

Entspannung vom Berufsstress fand Holzer als Trainer bei saarländischen Amateurklubs, unter anderem beim SV Elversberg. Als der Klub 1989 vor dem Absturz stand, riefen sie um Hilfe, aber nicht als Trainer: 1990 wurde er Präsident. Und Mäzen. Und Sponsor. Und manchmal auch wieder Trainer, wenn er sich von einem Coach trennte, wie dem Ex-Osnabrücker Neale Marmon.

Wie viel Geld er inzwischen in den Verein investiert hat, verrät er nicht; man muss sicher in Millionen zählen. Er besetzte die Schlüsselpositionen im Verein mit führenden Usarpharm-Mitarbeitern, die Geschäftsstelle des SVE firmiert unter der Adresse des Pharma-Unternehmens. In der Firma wie im Verein hat Holzer seinem Sohn Dominik in die Führung eingebunden – im Unternehmen als Ko-Geschäftsführer, im Verein als Präsident; der Vater zieht aus dem Aufsichtsrat an den Strippen. Und wenn die Karlsberg-Brauerei geschäftlich mit Usarpharm zusammenkommt, ist sie eben auch Sponsor des SVE.

Der Aufstieg in die Dritte Liga, in dramatischen Aufstiegsspielen gegen die U23 des TSV München 1860 realisiert, hat die Elversberger noch einmal richtig motiviert. Beim Ausbau des Waldstadions Kaiserlinde mochte man nicht auf die Kommune und das Land warten, sondern finanzierte das Projekt aus eigener Kraft. In Rekordzeit wurde aus der Anlage mit dem Charme eines Dorf-Sportplatzes ein Schmuckkästchen mit Flutlicht, 10000 Plätzen, davon 3900 zum Sitzen und 350 für VIPs.

Zum ersten Ligaspiel im Waldstadion an der Kaiserlinde kamen am 5. Oktober 2013 gegen den MSV Duisburg 2800 Zuschauer – deutlich mehr als in jedem der ersten fünf Heimspiele, die wegen der Bauarbeiten im Saarbrücker Ludwigspark stattfinden mussten.

Trotz der Erfolgsserie kamen zum nächsten Heimspiel gegen die U23 des VfB Stuttgart wieder nur 1220 Zuschauer – das Interesse am SV Elversberg bleibt gering. Doch das kennt der Klub aus den letzten Jahren, davon lässt sich Frank Holzer nicht beeindrucken. Am Nachwuchsleistungszentrum wird gebastelt, die Fankultur gefördert. Beim Spiel gegen RB Leipzig sah man ein Transparent mit der Aufschrift „Gegen den modernen Fußball“. Keine Frage: Im Vergleich zu den Aktivitäten von Red Bull in Leipzig ist die Sportvereinigung Elversberg ein Traditionsklub.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN