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„Torwart, eine Sportart für sich“ Ex-VfL-Profi Wolfgang Kellner freut sich auf ein Wiedersehen in Unterhaching

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Der Längste unter den Neuen zur Saison 1989/90: (von links) Frank Schulz, Markus van Bohlen, Wolfgang Kellner, Ralf Vogt. Claus-Dieter Wollitz und Trainer Rolf Schafstall. Foto: Helmut KemmeDer Längste unter den Neuen zur Saison 1989/90: (von links) Frank Schulz, Markus van Bohlen, Wolfgang Kellner, Ralf Vogt. Claus-Dieter Wollitz und Trainer Rolf Schafstall. Foto: Helmut Kemme

hp Osnabrück. Er spielte nur zwei Jahre in Osnabrück, doch viele Fans haben Wolfgang Kellner nicht vergessen. Und der ehemalige Torwart sagt gleich nach dem Beginn des Gesprächs: „Osnabrück und der VfL – das war trotz des traurigen Endes meine schönste Station als Spieler.“ Am Samstag trifft Kellner erstmals seit seinem Weggang 1991 auf seinen Exklub; er ist Torwart-Trainer bei der Spvg. Unterhaching.

Das ist kein Job wie jeder andere. Man kann das montags erleben, auf der schmucken Anlage des Münchener Vorortklubs. Torwart-Training steht auf dem Plan – für den ganzen Verein. 24 Torhüter von den E-Junioren bis zu den Senioren werden dann geschult; Kellner wird von allen fünf Torhütern des Drittliga-Teams sowie der U-21-Mannschaft unterstützt. „Training an sechs Stationen, Koordination, Sprungkraft, Technik – alles dabei. Es ist wunderbar, die Jungs sind mit einer unglaublichen Begeisterung dabei“, erzählt Kellner am Abend.

Er sprüht vor Ideen und Tatendrang, am 11. November („Elfter-Elfter-Elf – ist doch cool, oder?“) geht die Hachinger Torwartschule mit einer Website ins Internet. Kellner hat noch viel vor, ein Buch über modernes Torwart-Training hat er im Kopf, ein Konzept für eine systematische Ausbildung von Torwart-Trainern in der Schublade, erarbeitet für den DFB: „Torwart – das ist eine Sportart für sich...“

Fast vier Jahre lang hat Kellner als Honorarkraft für den DFB gearbeitet, überwiegend an der Seite von Heiko Herrlich, zuletzt war er für die Torhüter der U21 von Rainer Adrion zuständig. Anfang 2010 entschloss er sich, seinem Freund Herrlich zum VfL Bochum zu folgen, und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Als Herrlich im April 2010 entlassen wurde, rief Kellner direkt beim VfL an: „Ihr könnt meinen Vertrag zerreißen, ich komme nicht.“

So direkt war er schon immer. Ein freundlicher, fröhlicher Mensch, der sich nicht verbiegen lässt. In Osnabrück verpasste er von 1989 bis 1991 nur ein Pflichtspiel, war erfolgreich und populär, doch als gelegentlich unbequemer Sprecher der Mannschaft war er im Sommer 1991 bei der Klubführung nicht mehr erwünscht. Beim MSV Duisburg hängte er noch ein halbes Jahr in der Bundesliga an, doch dann war Schluss mit dem Fußball.

Es war ein radikaler Schnitt, denn Kellner wollte sich völlig auf den Beruf konzentrieren. Er ließ sich zum Physiotherapeuten ausbilden, später auch zum Heilpraktiker; er stürzte sich in den Aufbau einer Praxis im oberbayerischen Haag, später etablierte er sich in Garmisch-Partenkirchen, der Heimat seiner Frau Manu. Fußball? „Das war ganz weit weg, acht Jahre lang.“

Doch jetzt ist er wieder mittendrin, genießt die Emotionen und die Leidenschaft, die in dieser Intensität nur der Sport bietet. 48 ist er jetzt, die beiden Söhne sind aus dem Haus. Wolfgang Kellner hat sich noch mal richtig packen lassen vom Fußball-Bazillus. Seit Saisonbeginn ist er Torwart-Trainer in Haching, im Team mit Herrlich.

Der Verein lag am Boden, war quasi am Ende“, erzählt er, „was jetzt hier läuft, ist ein totaler Neuaufbau mit begeisterungsfähigen, jungen Spielern, die sich mit dem Verein identifizieren. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht.“ Im Tor steht ein Mann namens Stefan Riederer, dem nach dem wirtschaftlich unumgänglichen Abgang von Dariusz Kampa kaum einer die Rolle als Nummer 1 zutraute. Bis Kellner sagte: „Wir brauchen keine Nummer 1, ich krieg den Stefan hin.“

Jetzt freut er sich auf das Wiedersehen, auch wenn es keine regelmäßigen Kontakte mehr gibt. „Pele“ Wollitz hat er bei einem Testspiel getroffen, 1860-Jugendtrainer Fred Klaus läuft ihm manchmal über den Weg. „Das ist normal im Fußball, dass die Kontakte nicht halten“, sagt Kellner, „aber noch einmal: Osnabrück war einfach klasse – grüßen Sie bitte alle, die mich noch kennen.“


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