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Fankneipe für die Ostkurve? Mehr als Gerüchte: VfL plant VIP-Tower in „Omas Garten“

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Blickfang und Zankapfel: der vom VfL geplante VIP-Turm, der manchem Fan nicht passt.Blickfang und Zankapfel: der vom VfL geplante VIP-Turm, der manchem Fan nicht passt.

hp Osnabrück. Das Patchwork-Stadion an der Bremer Brücke (Osnatel-Arena) bekommt wahrscheinlich ein futuristisch anmutendes Beiwerk: Die Planung für einen über zwanzig Meter hohen, gläsernen, würfelförmigen Bau zwischen Nord- und Westtribüne steht. Wenn die Vermarktung der Logen erfolgreich ist, könnte der VIP-Tower bereits zum Start der Saison 2011/12 eröffnet werden.

Die Gerüchte über die Aktion „Lückenschluss“ laufen seit Wochen; erst recht seit dem Beginn der Baumaßnahme zur Verlängerung der 2008 eingeweihten Nordtribüne. Basis dieses Projekts war das Ende des Streits um das berühmt-berüchtigte Garten-Grundstück, das der VfL kürzlich für 200.000 Euro erwerben konnte. Ein VIP-Tower in „Omas Garten“, wie viele Fans das Grundstück flapsig nennen?

Eine offizielle Stellungnahme vom Verein gibt es nicht, Geschäftsführer Ralf Heskamp verweigerte vor einer Woche in Zusammenhang mit Gesprächen über die Erweiterung der Nordtribüne jeden Kommentar zu den Gerüchten über das Tower-Projekt.

Doch inzwischen sickern immer mehr Details über die Pläne durch, was nicht verwundert: Die Lila-Weiß-Marketing GmbH mit dem ehemaligen VfL-Vizepräsidenten Dieter Prütz als Geschäftsführer ist seit Wochen mit der Vermarktung des Logen-Konzepts beschäftigt.

Auslöser der Pläne ist die anhaltende Nachfrage nach Logenplätzen und Business-Seats. Derzeit gibt es 14 Logen auf der Südtribüne und 17 sogenannte Firmen-Boxen unter dem Dach der Nordtribüne. Die lukrativen Plätze sind begehrt, es gibt eine Warteliste. Diese Erfahrung deckt sich mit den Entwicklungen im deutschen Profifußball bis hinunter in die Spitze der Regionalliga. Eine Studie der Helmut-Kalthoff-Stiftung, in der der ehemalige VfL-Manager Kalthoff die aktuellen Details aller relevanten Stadien zusammengetragen hat, kommt zu dem Ergebnis: Die Zahl der Logenplätze und BusinessSeats ist – neben einer gesunden Sitz-/Stehplatz-Relation (optimal: 60:40) – der wichtigere Faktor für die wirtschaftliche Existenzfähigkeit eines Profiklubs als die reine Stadion-Kapazität.

Zwölf Logen mit je 12 Plätzen auf vier Ebenen bilden das Innenleben des imposanten Turms, der das Dach der Nordtribüne um sechs Meter übersteigen würde. Dazu kommen eine gemeinsam zu nutzende Lounge sowie Parkplätze, die auf dem kürzlich erworbenen Grundstück entstehen. Der Entwurf stammt von dem Osnabrücker Architekten Wilfried Ohnesorge.

Das Projekt soll nach Informationen unserer Zeitung außerhalb des normalen Etats finanziert werden. Grundlage dazu sind Langzeit-Verträge für die Vermietung der Logen, die unabhängig von der Ligen-Zugehörigkeit sein sollen und damit die Finanzierung auch im Fall eines Abstiegs absichern würden. Wie viele der Logen noch zu haben sind, ist nicht bekannt; die magische Zahl, die dem Projekt endgültig das „Go!“ geben würde, ist angeblich zehn – besiegelte Verträge für zehn Logen würden das Finanzierungskonzept des Projekts, das nach unseren Schätzungen bei gut zwei Millionen Euro liegen dürfte, aufgehen lassen. Einige Logen sollen bereits vermietet sein, weitere Vertragsabschlüsse stehen angeblich kurz bevor.

Bisher nimmt die Lila-Weiß-Marketing GmbH pro Saison etwa 600.000 Euro aus dem Logengeschäft ein, mit dem Tower könnte sich dieser Betrag nahezu verdoppeln. Mittelfristig könnten die zusätzlichen Einnahmen die Basis für den Ausbau der Stehplatztribünen in den Stadionbereichen West und Ost sein. Hier gibt es Überlegungen, denen zufolge sich die Gesamtkapazität auf 20.000 erhöhen ließe.

Sollte der Tower – die Baugenehmigung ist offenbar beantragt – tatsächlich realisiert werden, soll das Projekt um eine Baumaßnahme in der Ostkurve erweitert werden. Dabei geht es offensichtlich um eine großräumige Fankneipe hinter der Tribüne sowie die Erneuerung der Toilettenanlagen.

Die Planung der Nordtribüne inklusive des Anschlusses mit dem Affenfelsen an die Ostkurve sowie der derzeit laufenden Erweiterung auf die volle Breite stammt von Dr. Stefan Nixdorf vom Ibbenbürener Generalplaner agn. Der gebürtige Osnabrücker ist internationaler Stadion-Experte; er war beteiligt an den Planungen der Arenen in Köln, Aachen, St. Pauli und Mainz.


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