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Frohnecke: Ich stehe zu meiner Vergangenheit

Zwei Themen beherrschen die Debatten vor der Jahreshauptversammlung des VfL Osnabrück am Montag in der Stadthalle: ein Antrag des Ultra-Fanklubs „Violet Crew“ und die Bewerbung des Rechtsanwalts Eberhard Frohnecke um eine Kandidatur als dritter Vizepräsident. Dabei wird der Osnabrücker Jurist mit seiner politischen Vergangenheit konfrontiert.

Es geht vor allem um die aktive Mitgliedschaft Frohneckes im „Bund Freier Bürger“ (BfB). Diese rechtspopulistische Partei, die sich selbst „liberal-konservativ“ nannte, wurde 1994 gegründet von dem ehemaligen Landesvorsitzenden der bayerischen FDP, Manfred Brunner. Anschubhilfe bei der Europawahl kam u.a. von dem österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider. Die Partei scheiterte kläglich; auch die Fusion 1998 mit der rechtsextremen „Offensive für Deutschland“ des ehemaligen FDP-Politikers Heiner Kappel konnte den Niedergang nicht stoppen: Ende 2000 löste sich der BfB bei sinkenden Mitgliederzahlen und steigenden Schulden auf.

Da war Frohnecke bereits ausgetreten aus dem BfB, dem er nach eigener Aussage von 1994 bis 1997 angehörte; zuvor hatte der in der Burschenschaft Arkadia-Mittweida aktive Student aus Osnabrück bei der Kleinpartei im Bundesvorstand gewirkt und war für den BfB bei der Osnabrücker Kommunalwahl 1996 angetreten.

„Ich stehe zu meiner Vergangenheit, denn ich bin und war nie radikal“, sagte Frohnecke auf Anfrage unserer Zeitung, „an meiner freiheitlich-demokratischen Gesinnung kann es keine Zweifel geben. Die Übernahme eines Ehrenamtes sollte generell und damit auch im Sport unabhängig von einer politischen Ausrichtung sein.“

Frohnecke gehört heute der CDU-Mittelstandsvereinigung an und ist seit mehreren Jahren Mitglied der FDP, für die er 2006 bei der Kommunalwahl auf Listenplatz 2 im Wahlkreis 8 kandidierte. Im öffentlichen Leben ist Reserve-Offizier Frohnecke zudem als einer von 12 Verbindungsoffizieren für Katastrophenschutzfälle zuständig. Außerdem ist er in einem Hamburger Charity-Verein („Communication Club“) aktiv.

In einem Brief an den VfL-Ehrenrat, der bis zur Jahreshauptversammlung am Montag befinden muss, ob Frohnecke als Kandidat für das Amt des dritten Vizepräsidenten zugelassen wird, hat der Anwalt jede Verbindung zur rechten Szene weit von sich gewiesen, sein unverändertes Interesse an der Kandidatur für das Ehrenamt betont und ein persönliches Gespräch angeboten.

Bei der Versammlung stellen sich Präsident Dirk Rasch und Vizepräsident Günter Niemeyer zur Wiederwahl für weitere drei Jahre. Für den nach zwei Jahren ausscheidenden Axel Gleie ist auf Vorschlag des Präsidiums der Wirtschaftsprüfer Gert Lehker Kandidat. Frohnecke will nicht als Gegenkandidat zu Lehker antreten, sondern das bisher nicht besetzte Amt eines dritten Vizepräsidenten übernehmen, was laut Satzung möglich ist. Dem Ehrenrat formell vorgeschlagen wurde Frohnecke von Hans-Dieter Klahsen, einem Geschäftsmann aus Bissendorf, sowie von Ralf Wöstmann, dem Leiter der Tischtennis-Abteilung des VfL.

Den Antrag auf Satzungsänderung stellt Jörn Jacobs, Mitglied des Fanklubs „Violet Crew“. Die Ultras wollen, dass potenzielle Bewerber für ein Amt im Präsidium nicht mehr abhängig sind von der Zulassung durch den Ehrenrat. So hatte es 2007 die Mitgliederversammlung auf Empfehlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einstimmig beschlossen; damit soll die handstreichartige Übernahme eines Vereins im Rahmen einer Mitgliederversammlung ausgeschlossen werden.

Das halten die Ultras für einen Verlust an Demokratie. „Wir möchten ausdrücklich betonen, dass wir hierbei nicht die bisherigen Kandidaten kritisieren wollen. Wir wollen auch nicht den Ehrenrat für die Auswahl der bisherigen Kandidaten kritisieren. Unser Antrag steht auch in keinem Zusammenhang mit aktuellen Kandidaturen. Es geht lediglich um das Recht, unter bestimmten Voraussetzungen auch unabhängig vom Ehrenrat kandidieren zu dürfen“, heißt es auf der Internet-Seite des Fanklubs.

Deshalb schlägt Jacobs vor, dass ein Kandidat für die Präsidiumswahl berücksichtigt werden muss, wenn bis 14 Tage vor der Jahreshauptversammlung die Unterstützung von mindestens 100 Mitgliedern schriftlich vorgewiesen werden kann.