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Urteil verkündet Bombenwurf im VfL-Stadion: Preußen-Fan Juri C. muss für fünf Jahre ins Gefängnis

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evkö/hp Osnabrück. Für fünf Jahre muss Preußen-Fan Juri C ins Gefängnis, weil er im Stadion des VfL Osnabrück eine Bombe geworfen und damit 33 Menschen verletzt hatte. Das hat am Freitagmittag die 10. Große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück entschieden. Der in Münster lebende Italiener wurde für das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 33 Fällen verurteilt.

Damit ging das Gericht noch einmal sechs Monate über das vom Staatsanwalt beantragte Strafmaß hinaus. Die Verteidigung hatte eine dreijährige Haftstrafe im Offenen Vollzug als Maximum angesehen.

Rechtsanwalt Klein kündigte einen Revisionsantrag gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof an. Juri C. muss die Kosten des Verfahrens tragen sowie Schmerzensgeld in Höhe von 47.000 Euro an die Nebenkläger zahlen. Anders als der Staatsanwalt ging die Kammer davon aus, dass Juri C. vorsätzlich gehandelt hat. Daher verurteilte ihn das Gericht zu einer höheren Strafe, als vergangene Woche vom Staatsanwalt beantragt. „Das kommt vor, ist aber sehr selten“, sagte Landgerichtssprecher Holger Janssen nach dem Urteil.

Das Gericht ging davon aus, dass die Tat des Angeklagten von „langer Hand geplant war“. Er habe gewusst, was er tut und wie gefährlich der Sprengsatz ist. dass die Tat des Angeklagten von „langer Hand geplant war“. Er habe gewusst, was er tut und wie gefährlich der Sprengsatz ist. Er habe zwar nicht primär Menschen verletzten wollen, habe das jedoch billigend in Kauf genommen.

Das beweise die Aussage der Zeugin M., die schon eine Woche vor dem Spiel zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster gewusst haben will, dass in Osnabrück „ein großes Ding hochgehen soll“. Zudem seien auf dem Handy des Angeklagten SMS gefunden worden, in denen Juri C. zur Durchführung der Tat gedrängt wird. Er habe darauf geantwortet: „Alle töten, alle töten, alle töten.“

Aus diesem Grund könne auch der Alkohol- und Drogenkonsum von Juri C. am Tattag nicht strafmildernd berücksichtigt werden. Es sei zwar möglich, so der Vorsitzende Richter, dass Juri C. sich „Mut angetrunken habe“, aber er habe dennoch gewusst, was er tut. Auch die italienische Herkunft des Angeklagten werteten die Richter nicht als strafmildernd, denn auch dort ist in Stadien das Werfen von Sprengkörpern streng verboten. Sie bezogen sich außerdem auf die Aussage des Fanforscher Prof. Dr. Gunter Pilz, dass bei 99 Prozent aller Ultra-Fans das Werfen von Böllern und Sprengkörpern verpöhnt sei.

Der Angeklagte habe zwar Reue gezeigt und Entschuldigungsbriefe an die Geschädigten geschrieben, so die Kammer, dennoch habe er sich nie eindeutig von seiner Tat und der Ultra-Szene distanziert. Im Gegenteil: Während des Prozesses habe er immer wieder durch Zeichen und Zurufe die Verbundenheit zur Ultra-Gruppe aus Münster deutlich gemacht. Auch das sei im Urteil berücksichtigt worden.

Landgerichtssprecher Holger Janssen wies im Anschluss an das Urteil daraufhin, dass innerhalb des Strafmaßes auch die Generalprävention ein wichtiger Punkt sei, um zu verhindern, dass die Tat nachgeahmt werde. Dennoch wolle das Osnabrücker Landgericht damit kein Zeichen setzen. Wie während des gesamten Prozesses verfolgten auch am Freitag Mitglieder der ehemaligen Ultra-Gruppe „Curva Monasteria“ die Verhandlung.

Einige von ihnen trugen weiße T-Shirts mit der Aufschrift "Juri, non mollare", was übersetzt "Juri nicht aufgeben" bedeutet. Juri C. hatte am 10. September 2011 unmittelbar vor dem Anpfiff des Fußballspiels zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster einen Sprengkörper gezündet und aus dem Block der Gästefans in die Richtung des anderen Teils der Westtribüne geworfen. Der Sprengkörper war auf dem Dach des ehemaligen Spielertunnels aufgeschlagen, durch einen Schlitz zu Boden gefallen und dort detoniert.

Bei der massiven Explosion wurden 33 Menschen zum Teil schwer verletzt. Vor allem einige der 17 verletzten Polizisten, die nur wenige Meter entfernt von dem Sprengkörper standenVor allem einige der 17 verletzten Polizisten, die nur wenige Meter entfernt von dem Sprengkörper standen, leiden bis heute unter den Folgen: Tinnitus, Schlafstörungen, Explosiontraumata, Angstzustände. Der Angeklagte war eine Woche nach der Tat festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Der 24-Jährige hat die Tat gestanden, beteuert aber, er habe niemanden verletzen wollen und deshalb den Sprengkörper gezielt auf das etwa sechs Meter breite Dach geworfen. Juri C. hat sich bei den Opfern entschuldigt. Das Gericht verfügte, dass Juri C. bis auf weiteres in Untersuchungshaft bleibt, wegen Fluchtgefahr.

 

Zum Videokommentar von Neue OZ-Sportchef Harald Pistorius geht es hier.  

 


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