zuletzt aktualisiert vor

Preis der Sportjournalisten Cottbus erhält Fair Play Preis für Anteilnahme am Unfall des VfL-Spielers Flamur Kastrati

Meine Nachrichten

Um das Thema VfL Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Geste der Solidarität: Nach der schweren Verletzung von Stürmer Flamur Kastrati solidarisierten sich die Osnabrücker und die Cottbuser Fans für die besten Wiedergenesungswünsche. Fotomontage: Helmut KemmeGeste der Solidarität: Nach der schweren Verletzung von Stürmer Flamur Kastrati solidarisierten sich die Osnabrücker und die Cottbuser Fans für die besten Wiedergenesungswünsche. Fotomontage: Helmut Kemme

Travemünde. Die Fans sangen unablässig seinen Namen, die Spieler, die kurz vorher noch Gegner gewesen waren, bangten um ihn und wollten vom Fußball nichts mehr wissen, der Verein kümmerte sich um ihn und seine Angehörigen rührend: Als der Fußballprofi Flamur Kastrati am 13. März 2011 beim Spiel des VfL Osnabrück in Cottbus nach einem Zusammenprall das Bewusstsein verlor, nahm der FC Energie spontan und herzlich Anteil am Schicksal des jungen Norwegers.

Dieses vorbildliche Verhalten eines Vereins und seines Publikums wurde am Montagabend in Travemünde noch einmal gewürdigt: Der FC Energie Cottbus und seine Fans wurden mit dem Fair-Play-Preis des Verbandes Deutscher Sportjournalisten ausgezeichnet. Den 1965 vom Boxidol Max Schmeling gestifteten Preis überreichte Hans-Georg Moldenhauer, Vizepräsident des DFB und letzter Präsident des DDR-Fußballverbandes, an die Energie-Profis Markus Brzenska und Marc Andre Kruska, die zusammen mit Pressesprecher Lars Töffling zur Verleihung nach Travemünde gekommen waren.

Beim Stand von 2:0 für Cottbus waren vor einem Jahr Brzenska und Kastrati zusammengeprallt; der Osnabrücker hatte den Cottbuser nicht gesehen, wurde unvermittelt von dessen Schulter am Kopf getroffen und verlor noch während des Sturzes das Bewusstsein. Allen wurde der Ernst der Lage klar; vor allem, als ein Rettungswagen auf den Rasen fuhr. Zwölf quälend lange Minuten wurde Kastrati notärztlich behandelt, Spieler, Betreuer und Trainer, die den leblos daliegenden Kastrati aus der Nähe sahen, schlugen entsetzt die Hände vors Gesicht.

Im Stadion war es zunächst vollkommen still, doch als in der Osnabrücker Kurve die „Flamur-Kas-trati“-Chöre einsetzten, stimmten die Cottbuser Fans mit ein. Es war eine beeindruckende Welle der Solidarität, die anhielt, als Kastrati auf dem Weg ins Krankenhaus war und viele mit dem Schlimmsten rechneten. Niemand dachte mehr an Fußball, doch Schiedsrichter Marc Seemann fühlte sich durch das Regelwerk gezwungen, das Spiel fortzusetzen. „Abbrechen, abbrechen“, forderte das Publikum, und auf dem Rasen schoben sich die Spieler teilnahmslos und ohne Ziel den Ball zu, bis die Partie endlich um war.

Niemand wollte danach über das Spiel reden, gestandenen Profis standen die Tränen in den Augen. Die Trainer Karsten Baumann und Claus-Dieter Wollitz fanden die richtigen Worte. Die Cottbuser kümmerten sich um Flamur und seine Angehörigen: Vater und Bruder, die zusammen in Oslo mit der ganzen Familie das Spiel live verfolgt hatten, waren in einer Nachtfahrt 1540 Kilometer mit dem Auto nach Cottbus gefahren. Als Flamur am nächsten Morgen aufwachte und sich abzeichnete, dass er den Sturz ohne schwerwiegende Folgen überstehen würde, standen sie an seinem Krankenbett.

Eigentlich wollte sich Kastrati am Montag noch einmal persönlich bei den Cottbusern bedanken. Doch der nach Duisburg gewechselte und derzeit verletzte Stürmer musste kurzfristig absagen: Er flog in die Heimat zu seiner erkrankten Mutter.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN