„Kein Platz für Fehler“ Vor dem VfL-Spiel in München: Warum „Grünwaldi“ bei 1860 in Ungnade fiel

Arbeiten fürs Debüt: 1860-Neuzugang Prince-Osei Owusu (2. von links) im Teamtraining. Foto: imago/LackovicArbeiten fürs Debüt: 1860-Neuzugang Prince-Osei Owusu (2. von links) im Teamtraining. Foto: imago/Lackovic

München. Vom Durchmarsch in die 2. Bundesliga träumen in dieser Saison wohl nur noch die ganz eingefleischten Anhänger des TSV 1860 München. Die Hinrunde in der 3. Fußball-Liga holte viele Träumer schon mal zurück auf den Teppich.

Dabei redet 1860-Sportchef Günther Gorenzel vor der Heimspiel-Premiere 2019 am Samstag (2. Februar, 14 Uhr) gegen den VfL Osnabrück in den Farben der „Löwen“: „Wir treffen zu viele falsche Entscheidungen, das zieht sich wie ein blauer Faden durch die Saison. In dieser Liga ist kein Platz für Fehler. Wir müssen lernen, das Ding knallhart durchzuziehen.“ Der „blaue Faden“ führt zum Sturmproblem des Regionalliga-Aufsteigers, der momentan mit 27 Punkten auf Platz neun rangiert: Auf dem Papier können sich die bislang 31 erzielten Treffer der Münchner durchaus sehen lassen. Nur der Karlsruher SC (34), die Spielvereinigung Unterhaching (42) und der SV Wehen Wiesbaden (40) haben mehr „Einschläge“ zu verzeichnen. Aber: Bei der „Löwen“-Bilanz wird gerne übersehen, dass die Stürmer Adriano Grimaldi (fünf), Nico Karger (vier) und Sascha Mölders (drei) eher selten trafen und etwa die Hälfte der Tore aus Standards resultierte.

Bierofka in der Kritik

Grimaldi, den sie an der Grünwalder Straße gerne „Grünwaldi“ riefen, ist schon wieder Geschichte. Der Ex-Osnabrücker ließ sich in der Winterpause zum KFC Uerdingen locken. Der finanzkräftige KFC-Präsident Mikhail Ponomarev hatte mit den Geldscheinen gewedelt. Das führte dann auch schnell dazu, dass der zuvor beliebte „Grünwaldi“ in München nun mit dem Zusatz „Grünwaldi, der Söldner“ leben muss. Der 27-Jährige hatte aber auch schon vor seinem Wechsel mit Akzeptanz-Problemen zu kämpfen. Denn wer sich bei den „Löwen“ negativ über das Trainer-Urgestein Daniel Bierofka äußert, hat schlechte Karten. Der Coach absolviert gerade seine Fußballlehrer-Ausbildung. Montags bis mittwochs drückt Bierofka die Schulbank und wird in der Zeit von Sportchef Gorenzel vertreten. Ausgerechnet Grimaldi war der einzige Spieler, der vor Monaten die Doppelbelastung von Bierofka infrage gestellt hatte – und zwar mit dieser Aussage: „Das hatte ich noch nie so, dass ich den Trainer ab Donnerstag erst sehe, und dann wird zusammengearbeitet, und ab Samstag oder Sonntag ist er wieder weg.“

Hoffnungsträger Owusu

Aber was soll ’s? Grimaldi ist nicht mehr da. Die Lücke soll Prince-Osei Owusu schließen, den die „Löwen“ auf Leihbasis vom Zweitligisten Arminia Bielefeld holten. „Von der Konstitution her ist er ein klassischer Stoßstürmer. Deswegen müssen wir schauen, dass sein Integrationsprozess in unsere Spielidee schnell funktioniert“, sagt Gorenzel über den 22-Jährigen. Möglicherweise feiert Owusu sein Debüt gegen Osnabrück.

Ansonsten? Will sich 1860 München von Investor Hasan Ismaik „emanzipieren“. Das Präsidium um Robert Reisinger wird unter anderem mit folgender Aussage zitiert: „Es ist nicht mehr zumutbar, einen wirtschaftlichen Balanceakt mit persönlichem Risiko zu vollführen.“ Mal schauen, wie sich die Emanzipation im „Löwen“-Tollhaus entwickelt…

Quelle: Münchner Merkur


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