Wer wird neuer Trainer? Weltuntergangsstimmung beim 1. FC Kaiserslautern

Von Horst Konzok

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Kaiserslautern Der Briefkopf der „Roten Teufel“ weist vier deutsche Meisterschaften aus, dazu die Pokalsiege 1990 und 1996: Der 1. FC Kaiserslautern, Bundesliga-Gründungsmitglied 1963, ist 20 Jahre nach dem bis dato einmaligen Coup, dass ein Neuling deutscher Meister wurde, in der schlimmsten Krise seiner 118 Jahre alten Geschichte.

Erstmals ist der FCK drittklassig und mit Platz zwölf und 21 Punkten dem Abstieg näher als dem angestrebten Aufstieg. Am Betzenberg herrscht Weltuntergangsstimmung. Die dilettierenden Erben Fritz Walters sind dabei, den Karren an die Wand zu fahren. Wirtschaftlich kämpft der Verein, der sich mit dem Ausbau des Fritz-Walter-Stadions zur WM-Arena ruiniert hat, seit Jahren ums Überleben. Die horrende Stadionmiete hat die sportliche Substanz nach und nach aufgezehrt. Am 3. Juni dieses Jahres wurde die Ausgliederung der Profiabteilung abgesegnet und ist vollzogen. Gespräche mit möglichen Investoren laufen. Schwierig, wenn das Bodenpersonal versagt!

2019 wird eine 6 Millionen Euro hohe Hypothek fällig

Unter Vorstandschef Stefan Kuntz spielte der FCK nach dem Abstieg 2012 stets um den Wiederaufstieg. Als der heute als U-21-Nationaltrainer erfolgreiche einstige Lauterer Kapitän Anfang 2016 vom Berg gejagt wurde, begann die Talfahrt. Die Hypothek von Kuntz ist die Fananleihe: 2019 werden sechs Millionen Euro fällig.

Im Profigeschäft unerfahrene Manager übernahmen nach dem Abgang von Kuntz: Mit Thomas Gries, längst nur noch traurige Erinnerung, und Finanzfachmann Michael Klatt, heute kaufmännischer Geschäftsführer, an der Spitze ging es nur noch nach unten. „Wir haben heute mit Martin Bader einen erstklassigen Sportvorstand“, urteilen unisono Aufsichtsratschef Patrick Banf und Hauptsponsor Harald Layenberger.

Nach Aufholjagd nur noch Mogelpackungen

Der FCK startete vor über 41000 Zuschauern mit einem 1:0 gegen 1860 München die Mission Wiederaufstieg. Eine erste Krise schien im September gemeistert, der Anschluss an die Spitzengruppe war auch nach dem 0:2 beim Liga-Primus in Osnabrück möglich. In den letzten vier Spielen aber versagten die „Roten Teufel“, die nur noch als Mogelpackung ihrer selbst daherkamen: ein Punkt, 1:11 Tore – die Bilanz eines Absteigers. Und so spielte die Mannschaft auch beim 0:5-Debakel am vergangenen Freitag in Unterhaching.

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Am nächsten Tag wurde der Fan-Evergreen erhört: „Frontzeck raus.“ – „Eine Trainerentlassung ist immer auch eine Niederlage für die Mannschaft – aber auch eine Chance“, sagte Frontzeck nach seinem Rauswurf. Er hatte nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga gemahnt, den Neuaufbau mit 18 Neuen mit Geduld anzugehen. Der FCK habe wohl eine große Historie, aber die neue Mannschaft brauche Zeit, um sich zu entwickeln. „Es ist ein großer Verein mit einer großen Historie. Die Leute aber müssen erkennen, dass der FCK in der 3. Liga ist“, sagte Frontzeck. Worte, die kaum ein Fan hören wollte.

Geschäftsführer Bader bei der Trainersuche unter Druck

Die Suche nach einem Nachfolger des 54-Jährigen dauert an – federführend sind Martin Bader, der Geschäftsführer Sport, Sportdirektor Boris Notzon und Aufsichtsratschef Banf. „Michael Frontzeck ist ein guter Trainer. Die Frage ist, was muss der neue Trainer haben, was Michael nicht hat“, sagt Bader und sucht nach einem Gegenentwurf. Unausgesprochen: Jünger soll er sein, wohl auch moderner, ein taktischer Fuchs. Bis Samstag soll der neue Trainer da sein, helfen, das letzte Heimspiel des Jahres gegen die Würzburger Kickers zu gewinnen. Namen nennt Bader nicht. Gehandelt werden Lukas Kwasniok (38, ehemals U-19-Coach des Karlsruher SC) und Dino Toppmöller (38), der F91 Dudelange in Luxemburg in die Europa League führte, Hannes Drews (36, zuletzt Erzgebirge Aue) und Ilia Gruev (49, zuletzt MSV Duisburg), der schon als Assistent von Krassimir Balakov und Kosta Runjaic am Betzenberg wirkte.

Bader: Kader kein unmotivierter Haufen

Die Mannschaft – daheim gegen Cottbus (0:2) und Wehen Wiesbaden (0:0) kopflos ohne Lösung, in Rostock (1:4) durch das individuelle Versagen des vorher so starken Jan Löhmannsröben auf der Verliererstraße, beim 0:5 in Unterhaching desolat – kann es nachweislich besser. „Das ist kein undisziplinierter, unmotivierter Haufen. Das ist eine lernwillige Mannschaft“, bekundet Bader Vertrauen. Ein öffentlich gewordener Ausflug von Julius Biada und Jan Löhmannsröben am 11. November ins bunte Kölner Karnevalstreiben habe Frontzeck ohne großes Aufsehen sanktioniert.


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