Spürbarer Kräfteverschleiß Ausfälle in der Abwehr machen dem VfL Osnabrück Sorgen

Von Johannes Kapitza und Benjamin Kraus

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Mit der Auswechslung von Linksverteidiger Konstantin Engel ergab sich beim VfL Osnabrück am Mittwoch die nächste Baustelle in der Defensive. Foto: Fabian FlohreMit der Auswechslung von Linksverteidiger Konstantin Engel ergab sich beim VfL Osnabrück am Mittwoch die nächste Baustelle in der Defensive. Foto: Fabian Flohre

jka/bekr Osnabrück. Die Freude über die Tabellenführung hält sich beim VfL Osnabrück in Grenzen. „Das ist nicht unbedingt ein Thema bei uns“, sagt Trainer Daniel Thioune. Er hat ganz andere Sorgen: Die Englische Woche kostet Kraft, die Personaldecke in der Defensive wird immer dünner.

Für Felix Agu kam der zweite Einsatz in dieser Saison unverhofft. „Es war unglücklich, dass Koka Engel sich verletzt hat. Aber wenn so etwas passiert, muss man auf der Bank bereit sein“, sagte der Verteidiger, der am Donnerstag seinen 19. Geburtstag feierte. In Zwickau war er in der 90. Minute eingewechselt worden, am Mittwochabend gegen Köln musste er schon ab der 22. Minute ran.

Engel zur MRT-Untersuchung

In Jena könnte Agu in der Startelf gefragt sein. Engel, der wegen muskulärer Probleme im hinteren Oberschenkel ausgewechselt werden musste, sollte am Donnerstag untersucht werden. Ob bei der MRT-Kontrolle ein Muskelfaserriss festgestellt wurde, war am Mittag noch nicht bekannt. Auch wenn es sich nur um eine Zerrung handeln sollte, ist „nicht davon auszugehen“, dass der Verteidiger bis zum Sonntag fit wird, weiß Thioune. „Ganz so viel Personal habe ich nicht mehr. Langsam bekommen wir wirklich Probleme, hinten eine Kette zu stellen“, sagte der Trainer. Alexander Dercho und Simon Haubrock sind weiter außer Gefecht. Felix Schiller nahm am Mittwoch das Training auf, absolvierte am Donnerstag eine Laufeinheit, aber „das Spiel in Jena kommt noch zu früh für ihn“, sagt Thioune.

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Renneke pausiert nach Infekt erneut im Training

Für Agu kam die Einwechslung nicht ganz unvermittelt. „Wir bereiten den Jungen seit einigen Wochen darauf vor, dass er seine Einsatzzeiten bekommt – jeder weiß um unsere Personalprobleme in der Defensive“, sagte Thioune. Eigentlich war Agu als Backup für Bashkim Renneke vorgesehen. Der Rechtsverteidiger war mit einem grippalen Infekt schon in Zwickau angeschlagen, biss nach zwei Tagen Pause für das Spiel gegen Köln erneut auf die Zähne, aber wurde am Tag darauf wieder geschont. „Wenn er auch noch ausfällt, haben wir ein Riesenproblem“, sagt Thioune. Der 19-jährige Tim Möller ist die letzte verbliebene Defensivkraft, die Thioune noch in den Kader berufen könnte.

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Heider und Ouahim angeschlagen

Auch Marc Heider, der nach einem Foul am Sprunggelenk angeschlagen ist, und Anas Ouahim (gereizte Achillessehne) setzten bei der Regenerationseinheit am Donnerstag aus. Der dritte Teil der Englischen Woche in Jena wird zur Nagelprobe. Der Kräfteverschleiß war schon gegen Köln sichtbar. „In der ersten Halbzeit war das größte Problem unsere Müdigkeit – in den Beinen und auch im Kopf. So waren wir im Zweikampf und im Pressing oft einen Schritt zu spät, auch bei den zweiten Bällen“, wusste Thioune.

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Nach der Pause gegen Köln verbessert

„In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht. Wir waren deutlich aktiver in den zweiten Bällen“, sagte Agu, der bei gelungenen Aktionen Szenenapplaus bekam. Das Zeugnis seines Trainers fiel wohlwollend, aber nicht euphorisch aus: „Er hat ein engagiertes Spiel gezeigt ohne große Fehler. In einigen Momenten hat er aber auch nicht die richtigen Entscheidungen getroffen.“ Für den Youngster war es dennoch „eine gute Erfahrung, mal wieder Ligaluft zu schnuppern. Wenn man als Sieger vom Platz geht und als Abwehrspieler zu Null spielt, kann man nicht so viel falsch gemacht haben.“

„Wie wir verteidigen, ist Weltklasse“

„Wie wir momentan verteidigen, ist einfach Weltklasse. Jeder hat sich reingehauen“, unterstrich Manuel Farrona Pulido die aktuelle Stärke der Lila-Weißen, die zuletzt nach dem 5. Spieltag dieser Saison und dem 3:0 gegen Preußen Münster an der Tabellenspitze standen (punktgleich mit der Spvg. Unterhaching). Davor hatte der VfL zuletzt am 23. Februar 2013 auf Platz eins der 3. Liga gestanden. Damals hatte der VfL am 27. Spieltag den SV Babelsberg mit 1:0 bezwungen – und stellte die zweitbeste Abwehr der Liga.*

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Thioune: Wir werden nicht abheben

In dieser Saison sind die fünf Gegentore des VfL aktuell die Bestmarke. Ausruhen kann sich die Mannschaft darauf nicht. „Wir werden nicht abheben. Wir wissen, wie das Ergebnis zustande gekommen ist“, sagte Thioune: „Wir werden weiter arbeiten und versuchen, bald auch wieder mehr Qualität im Spiel mit dem Ball zu zeigen.“ Das würde auch die arg gebeutelte Abwehr entlasten.


*In einer ersten Version hatten wir die letzte Tabellenführung in der 3. Liga im Jahr 2013 verortet. Der VfL war jedoch auch in dieser Saison schon einmal nach einem kompletten Spieltag Spitzenreiter. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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