„Wir haben noch nichts erreicht“ VfL-Innenverteidiger Trapp über das Trainerteam und einen Wachstumsschub

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Stand auch schon mal im Tor: VfL-Innenverteidiger Maurice Trapp. Foto: imago/osnapixStand auch schon mal im Tor: VfL-Innenverteidiger Maurice Trapp. Foto: imago/osnapix

Osnabrück. Ein Berliner in Osnabrück: An die Menschen im Norden muss sich Maurice Trapp (26) allerdings noch etwas gewöhnen. Warum? Dazu äußert sich der Innenverteidiger des VfL ebenso wie über das akribische Trainerteam, die Konkurrenten und einen schmerzhaften Wachstumsschub.

Herr Trapp, nach den ersten Spielen werden Sie von vielen Beobachtern zu den Gewinnern im VfL-Team gezählt.

Tatsächlich?

Haben Sie noch nicht die positiven Kritiken gelesen?

Nein. Die Meinungen der Medien interessieren mich eher wenig. Mir ist wichtig, welches Feedback ich von den Trainern erhalte. Wie meinen Sie das denn konkret mit dem Gewinner im VfL-Team?

Sie sind als Neuzugang eine feste Größe, haben alle Pflichtspiele komplett absolviert.

Da stehe ich ja nicht alleine, wenn ich mir die Bilanzen von Ulrich Taffertshofer, David Blacha oder Anas Ouahim anschaue. Aber okay, für mich persönlich ist die Saison ganz gut angefangen. Und ich bin nach Osnabrück gekommen, um zu spielen und eine feste Größe zu werden. Im Fußball ist es ganz einfach so: Respekt erarbeitet man sich immer mit Leistung.

Sie fühlen sich auch schon in Osnabrück angekommen, oder?

Ich brauche nur sehr wenig, um glücklich zu sein: Eine schöne Wohnung – und meine Freundin ist jetzt auch hin und wieder da. Ehrlich gesagt, an die Menschen hier muss ich mich noch etwas gewöhnen.

Wie meinen Sie das?

Na ja, sie wirken etwas kühl, obwohl es viele gar nicht sind oder sein wollen. Aber diese Kontakte werden auch langsam angenehmer.

Zurück zum Fußball.

Dort dürfte man deutlich sehen, dass es innerhalb der Mannschaft passt. Das Trainerteam macht einen richtig guten Job. Ich habe selten so ein akribisches Arbeiten erlebt. Es gibt sehr viel Input für den Kopf. Eigentlich wollte ich mit einem Fernstudium starten – das ist im Moment aber nicht möglich. Hier bin ich voll und ganz körperlich und auch geistig gefordert.

Was für ein Fernstudium schwebt Ihnen vor?

In Richtung Sportmanagement oder Sportwissenschaften. Aber ich hoffe doch, dass ich noch mindestens fünf oder sechs Jahre spielen kann.

Zur Harmonie innerhalb der Mannschaft passt ja auch der gute Saisonstart.

Ich finde, dass man schon in den Vorbereitungsspielen gemerkt hat, dass es nicht leicht ist, uns zu besiegen. Wir geben immer Vollgas und haben alle eine unglaubliche Kämpfermentalität. Natürlich hatten wir auch in den ersten Spielen Glück, allerdings verdientes Glück.

Zum guten Liga-Start passen nicht die deftigen Testspiel-Pleiten gegen Dortmund (0:6) und Holstein Kiel (3:6).

Das war schon etwas deprimierend. Die Erkenntnis: Wir haben noch viel Arbeit vor uns – und wir sollten aus diesen Spielen die Lerneffekte mitnehmen. Auch wenn wir in der 3. Liga bisher ungeschlagen sind: Wir haben noch gar nichts erreicht.

Für Ihre Position kommen noch Adam Sušac und Felix Schiller infrage. Wie gehen Sie mit dem Konkurrenzkampf um?

„Koka“ Engel könnte man auch noch dazuzählen, je nach taktischer Ausrichtung. Aber Konkurrenz klingt für mich negativ. Ich sehe die genannten Spieler als Kollegen oder Gefährten für den Erfolg. Ich schaue nur auf mich. Sollte ich irgendwann mal auf der Bank sitzen, dann muss ich mich hinterfragen und dem Trainer wieder zeigen, dass ich die bessere Wahl bin. Der Coach muss mir auch gar nicht erklären, warum er mich auf die Bank setzt. Wenn das der Fall ist, habe ich etwas falsch gemacht. Im Übrigen verfügen wir auf meiner Position über eine schöne Auswahl: Felix ist ein Zweikampf-Monster, Adam ist eine Mischung aus alter körperlicher Schule und gutem Auge, ich bin vielleicht der etwas modernere Innenverteidiger-Typ (lächelt).

Waren Sie von Beginn Ihrer Karriere an für die Abwehr vorgesehen?

Überhaupt nicht. Als ich klein war, stand ich im Tor – und habe zu viele Gegentore gefangen. Weil ich erst spät gewachsen bin, war ich dann als kleiner und schneller Außenspieler geeignet. In der Folge bin ich innerhalb eines Jahres zehn bis zwölf Zentimeter gewachsen. Das war nicht nur schmerzhaft für den Rücken, sondern ich musste durch diesen Wachstumsschub mithilfe eines Athletiktrainers körperlich vieles neu aufbauen. Ich fühlte mich wie ein junges Pferd, das zu lange Beine hatte. Ab der B-Jugend war klar, dass ich am besten auf der Innenverteidiger-Position aufgehoben bin.

Sie haben mal gesagt, dass Engin Yanova als Ihr U19-Coach bei Union Berlin der wichtigste Trainer war. Warum?

Früher war ich sehr zurückhaltend. Vielleicht auch zu zurückhaltend, gerade als Innenverteidiger. Engin Yanova hat mir in der Zeit sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Ich gehörte in der A-Jugend-Bundesliga zum jüngeren Jahrgang und habe kaum gespielt. Er hat mich dann einfach reingeworfen, was in der Folge für einen Leistungssprung bei mir gesorgt hat. Engin hatte auch sehr gute pädagogische Fähigkeiten. Ich schätze ihn nach wie vor sehr.

Blicken wir wieder in die Gegenwart. Am Samstag kommt Karlsruhe an die Bremer Brücke. Mit dem KSC haben Sie ja wenigstens noch eine Rechnung offen…

(denkt länger nach) Richtig. Mein Profi-Debüt in der 2. Bundesliga war in Karlsruhe, am Ende der Saison 2010/11 habe ich dort mit Union Berlin 2:3 verloren. Anschließend habe ich mir dieses Spiel mit meiner Familie bestimmt noch zehn Mal auf Video angeschaut. Die Niederlage war damals egal. Der Moment, als Profi im Wildparkstadion aufzulaufen, bleibt unvergesslich.


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