VfL in 3. Liga weiter ungeschlagen Dank Kunstschütze Alvarez: VfL Osnabrück holt ein 1:1 in Halle

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Halle. Der VfL Osnabrück hat die Tabellenführung in der 3. Liga verloren, ist aber auch nach dem sechsten Spieltag noch ungeschlagen. Mit einer Portion Glück, großer Einsatzfreude und hoher Laufbereitschaft sowie dank des vierten direkt verwandelten Freistoßes von Marcos Alvarez kam die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune beim Halleschen FC zu einem 1:1. Es war nach fünf Niederlagen beim HFC der erste Punktgewinn seit über fünf Jahren.

Überholt wurde der VfL zunächst von der Spvg. Unterhaching, die durch ein sensationelles 3:0 gegen Eintracht Braunschweig die Spitze übernahm, und vom KFC Uerdingen, der 1:0 in Münster gewann. Nach der Länderspielpause geht es für die Lila-Weißen am 15. September mit dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC weiter, der am Samstag eine überraschende 1:3-Heimniederlage gegen die bis dahin sieglosen Sportfreunde Lotte kassierte.

Der Spitzenreiter ließ zwar in Halle spielerisch einige Wünsche, die in den letzten Wochen geweckt worden waren, offen, doch die Mannschaft imponierte erneut mit einen anerkennenswerten Mentalität. Jeder einzelne nahm den harten Kampf an, den die robusten Halleners anboten an, alle hielten die Laufbereitschaft, die Konzentration und die Leidenschaft bis zum Schluss hoch

Dercho muss verletzt passen

Nur eine Änderung gab es in der Startelf im Vergleich zum 3:0 gegen Münster – und die war nicht zu verhindern, denn Alexander Dercho musste wegen einer Stauchung und Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk passen. Für ihn brachte Trainer Daniel Thioune das VfL-Eigengewächs Steffen Tigges und belohnte damit die gute Leistung des Youngsters im Derby, als er für Dercho eingesprungen war. In seinem ersten Startelf-Einsatz dieser Saison stand Tigges in der Dreierreihe hinter den beiden Spitzen Alvarez und Heider, zusammen mit Blacha und Ouahim.

Also: Auf dem Papier ging der VfL mutig und offensiv ins Topspiel. Erstmals im Kader: Der aus der A-Jugend gekommene Felix Agu. Der am Freitag verpflichtete Alexander Riemann stand genauso wenig im Kader wie der Blitztransfer, den die Hallenser noch getätigt hatten: Stürmer Kilian Pagliuca wurde vom FC Zürich ausgeliehen.

Der Wille und das Personal zur Offensive waren da, und es als nach 15 Sekunden die erste Ecke für den VfL war das ein kleines Signal. Doch der VfL machte es den guten Vor- und Ansätzen in der ersten halben Stunde zu wenig, weil sich im Aufbau die Fehlpässe häuften wie zuvor in dieser Saison noch nicht. Die Defensive funktionierte, Balleroberungen gab es einige, doch der zwingende Pass kam tendenziell nicht an – ob von Blacha oder Engel, von Tigges oder Ouahim.

Zähes Match mit vielen Zweikämpfen

Die Hallenser kamen genausowenig gefährlich vor das Tor, so dass eine gute halbe Stunde lang ein zähes, zweikampfgeprägtes Match ablief.

Doch in der Endphase der ersten Hälfte drehte der HFC auf, und das lag vor allem an dem schnellen, dribbelstarken Linksaußen Manu, den Renneke bis dahin erfolgreich kontrolliert hatte. Doch bei zwei Kontern setzte sich Manu durch, und nur den Rettungsaktionen von Trapp (39.) und Körber(42.) hatte es der VfL zu danken, dass es mit einem für die Gäste schmeichelhaften 0:0 in die Pause ging. Die Hallenser machten bis zur Pause viel Druck, der VfL wackelte. Einzig bei einer Kopfballchance von Tigges (35., nach Flanke Ouahim) und einem Schuss von Ouhaim (38.), der im Strafraumgetümmel abgewehrt wurde, hatten der VfL dezente Torgefahr verbreitet.

In der Pause musste Thioune auf der Torwartposition wechseln: Schmerzen in der Hüfte zwangen Körber zur Aufgabe, für ihn kam Philipp Kühn, es war sein erster Liga-Einsatz für den VfL. Schon nach sieben Minuten bestand er die erste Prüfung, als er einen Kopfball von Mai nach einer Ecke von Bahn parierte.

Mitten in die Haller Druckphase platzte die Osnabrücker Führung: Alvarez wurde von Washausen kurz vor dem Strafraum gefoult, trotz der HFC-Proteste eine korrekte Entscheidung, die Schiedsrichter Manuel Gräfe noch mit Gelb garnierte. Alvarez machte seinem Ruf als Kunstschütze aller Ehren und verwandelte zum vierten Mal in einem Pflichtspiel dieser Saison direkt – aus 18 Metern in halblinker Position zirkelte er den Ball über die Mauer hoch ins Eck.

Schmeichelhafte Führung

Die schmeichelhafte Führung hielt nicht lange. Der VfL hatte gerade eine der gefährlichen Ecken von Bahn, der stets den baumlangen Spezialisten Mai suchte, überstanden, da flankte Bahn den abgewehrten Ball erneut nach innen, die Kopfballabwehr von Engel kam zu kurz und zum freistehenden Manu, der mit einem Flachschuss aus 14 Metern an fünf VfLern vorbei flach ins lange Eck traf (66.).

Der inzwischen auf die rechte Seite gewechselte Manu wirbelte den VfL weiter fast allein durcheinander, seine Rechtsflanke in der 72. Minute verpasste Mai knapp. Doch auch der Linksaußen hielt den VfL auf Trab: Landgraf dribbelte sich durch und legte auf für den ebenfalls eingewechselten Jopek, dessen Schlenzer das lange Ecke verfehlte (73.).

Jetzt wurde es eine Abwehrschlacht, denn der HFC setzte voll auf die Siegkarte und riskierte viel für das entscheidende Tor. Der VfL wurde tief in die eigene Hälfte gedrängt und schaffte es kaum, sich durch Konter zu entlasten – die Räume dazu waren da, doch es fehlten an diesem Tag die Mittel, sie zu nutzen.

So blieb es ein Zitterspiel bis zum Schluss, in dem die Hallenser mehrfach dem Siegtreffer nahe waren. Am Ende reichte es – endlich mal wieder – zu einem kleinen Erfolgserlebnis für den VfL in Halle. Dass es ausgesprochen glücklich zustande kam, wird nicht mehr lange diskutiert werden.


Hallescher FC - VfL Osnabrück 1:1 (0:0)

VfL Osnabrück: Körber – Renneke, Susac, Trapp, Engel – Taffershofer, Ouahim, Blacha, Tigges – Alvarez, Heider. Trainer: Thioune.

Wechsel: 46. Kühn für Körber. 62. Pfeiffer für Alvarez, 89. Schiller für Ouahim

Auf der Bank: Danneberg, Amenyido, Agu, Krasniqi.

Gelb: 88. Engel.

Halle: Eisele- Lindenhahn, Mai, Heyer – Landgraf, Washausen – Ajani, Bahn, Manu – Sohm, Fetsch. Trainer: Ziegner

Wechsel: 65. Landgraf für Ajani, 65. Jopek für Fetsch, 89. Ludwig für Bahn.

Auf der Bank: Müller (Tor), Schilk, Fiedler, Arkenberg, Guttau.

Gelb: 56. Washausen (Foul)

Tore: 0:1 Alvarez (57., direkter Freistoß aus 18 Metern), 1:1 Manu (66., Flachschuss aus 14 Metern ins lange Eck nach Kopfballabwehr Engel und Rechtsflanke von Bahn)

Zuschauer: 7543, davon etwa 250 Lila-Weiße.

Schiedsrichter: Manuel Gräfe. Der deutsche Top-Referee fiel mit einer großzügigen Zweikampfauslegung auf und reagierte so gut wie nie auf theatralische Stürze. Dabei benachteiligte der Berliner niemanden und hatte die intensive Partie jederzeit unter Kontrolle.

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