Dercho angeschlagen Osnabrücker Derbysieg mit Standards und offenem Visier

Von Stefan Alberti und Susanne Fetter

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Der Trainer und der Torjäger: Daniel Thioune (rechts) gratuliert Marcos Álvarez. Foto: KemmeDer Trainer und der Torjäger: Daniel Thioune (rechts) gratuliert Marcos Álvarez. Foto: Kemme 

Osnabrück. Wenn nach Spielschluss das alte Lied des Schlagertexters und Boxpromoters Walter Rothenburg durchs Stadion wabert, dann ist in Osnabrück die lila-weiße Fußballwelt in Ordnung. „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, war die Hymne zum 3:0-Derbysieg des VfL gegen Preußen Münster.

Fünf Spiele – drei Siege (darunter zwei Derby-Erfolge), zwei Unentschieden. Unterm Strich macht das elf Punkte und ein Torverhältnis von 9:3. Dazu könnte der VfL nach Abschluss des fünften Spieltags Tabellenführer sein, wenn am Montag der ehemalige Osnabrücker Coach Joe Enochs mit dem FSV Zwickau in Jena nicht hoch gewinnt. Der FSV liegt derzeit mit acht Punkten und 5:2-Toren in Lauerstellung.

„Geileres Gefühl“

Solche Rechenspielchen interessierten VfL-Trainer Daniel Thioune am Samstag nach dem Abpfiff eigentlich gar nicht: „Klar, ich bin Fußballer – und freue mich über das Tabellenbild. Das erzeugt schließlich ein geileres Gefühl als Platz 17. Aber wir wissen das nach dem fünften Spieltag auch entsprechend einzuordnen.“

Vielmehr sah der Coach nach dem „glücklichen, aber nach hinten raus vielleicht verdienten Sieg“ genügend Ansätze für die weitere Arbeit. „Wir haben zu viel zugelassen, unsere Qualität nach vorne war nicht ausreichend. Wir hatten Möglichkeiten, aber Münster hatte bessere. Das Spiel haben wir über Standards gewonnen.“

MRT-Untersuchung

In der Tat hatte der VfL gerade in den ersten 30 Minuten Probleme, auf den Gegner zuzugreifen. Thioune startete in der Defensive mit einer Dreierkette und spiegelte ansonsten auch das Spielsystem seines Kollegen Marco Antwerpen. Doch die Preußen kamen zunächst besser mit diesem Spiegelbild zurecht und sorgten immer wieder für Unruhe in der VfL-Defensive. Gute Torchancen durch Fabian Menig (7.), Simon Scherder (8.) oder René Klingenburg (26./33.) blieben ungenutzt – oder wurden durch den bestens aufgelegten VfL-Keeper Nils Körber entschärft. Eine verunglückte Abwehraktion von Maurice Trapp landete am Pfosten (27.). In die anfängliche Unruhe passte auch der frühzeitige Ausfall von Alexander Dercho nach zehn Minuten. Der Außenverteidiger musste nach einem Schlag auf den rechten Fuß verletzt ausgewechselt werden. Wieder der rechte Fuß, wie bei seiner schweren Verletzung vor einem Jahr. „Aber ich glaube, es ist nicht schlimm.“ Eine MRT-Untersuchung an diesem Montag soll weitere Klarheit zur Verletzung bringen. Für Dercho kam Steffen Tigges, der in der Folge seine lange Einsatzzeit für einen ansprechenden Vortrag auf der linken Außenbahn nutzte.

Viererkette nach der Pause

Bis zur 40. Minute erspielte sich der VfL nur eine gute Torchance (18., Drehschuss durch Anas Ouahim), um dann in den fünf Minuten vor der Pause das Osnabrücker Publikum zu entschädigen. Nach einer Ecke von David Blacha hämmerte Marcos Álvarez den Ball volley aufs Tor, Torwart Oliver Schnitzler klatschte ab – und Trapp schoss den Abpraller wuchtig zum 1:0 ins Netz (40.). Vier Minuten später zirkelte Álvarez einen Freistoß aus 18 Metern zum 2:0 ins lange Eck.

Das Derby: Namen, Zahlen, Noten. Grafik: NOZ

In der zweiten Halbzeit stellten die Preußen um. Der angeschlagene Keeper Schnitzler wurde durch Maximilian Schulze Niehues ersetzt, Angreifer Rufat Dadashov kam für Abwehrmann Dominik Lanius. Thioune ließ in der Abwehr auf Viererkette umstellen, um so dem anfänglichen Druck der Preußen zu begegnen. Es entwickelte sich ein Duell mit offenem Visier auf beiden Seiten. Menig und Niklas Heidemann fanden in Körber ihren Meister – und dann sorgte der VfL für die Entscheidung. Ouahim zog aus 16 Metern ab, Scherder bekam den Ball an die Hand – Elfmeter. Der zuvor schon verwarnte Münster-Kapitän sah die Gelb-Rote Karte, Álvarez verwandelte den Strafstoß zum 3:0 (67.). In den letzten 20 Minuten plätscherte das Derby keineswegs vor sich hin. Beide Teams suchten weiter den Weg nach vorne und betrieben weiter Werbung für den Fußball in der 3. Liga.


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