Prozess vor dem Amtsgericht Osnabrück VfL-Kapitän Marc Heider erleichtert: Ich wollte diesen Freispruch

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Gespräch am Rande der Verhandlung: VfL-Kapitän Marc Heider (rechts) mit seinem Rechtsanwalt Christian Bröcker.

            

              
                Foto: Helmut KemmeGespräch am Rande der Verhandlung: VfL-Kapitän Marc Heider (rechts) mit seinem Rechtsanwalt Christian Bröcker. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Freispruch für die Fußballer Marc Heider, Tobias Willers und Addy Waku Menga: Das Amtsgericht wies die Anklage wegen versuchter Erpressung gegen die drei zurück und erkannte auch keinen Straftatbestand im Sinne des neuen Gesetzes zur Manipulation im Profisport. Der Staatsanwalt hatte Geldstrafen gefordert: 20 Tagessätze für Heider (à 200 Euro) und Menga (à 80 Euro) sowie 70 Tagessätze (à 170 Euro) für Willers.

Nach über vier Stunden im Saal 7 des Amtsgerichts war der Druck zu groß für Marc Heider. Als der Kapitän des VfL Osnabrück am Ende der Beweisaufnahme des Prozesses sein Schlusswort sprach, versagte ihm die Stimme. „Ich hoffe, dass es ein gerechtes Ende nimmt“, sagte der 30-Jährige und schluckte, „hier als Angeklagter zu sein ist schrecklich…“

Erleichterung deutlich spürbar

Eine Stunde später verließ Heider mit einem Freispruch den Gerichtssaal, die Erleichterung war ihm anzumerken, aber sie war nicht grenzenlos. „Natürlich bin ich erst einmal froh, aber es ist ja vielleicht noch nicht vorbei“, sagte der Fußballprofi, der wie Tobias Willers und Addy Waku Menga damit rechnen muss, dass die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil einlegt. Heiders Anwalt Christian Bröcker zog einen sportlichen Vergleich: „Wenn es so ist, dann liegen wir zur Halbzeit hochverdient mit 1:0 in Führung.“

Heider hätte sich das ersparen können, wie im Plädoyer des Staatsanwalts bekannt wurde. Die Anklagebehörde hatte ihm – wie auch Menga – eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage angeboten. Heider lehnte ab: „Das konnte ich mit meinem Gerechtigkeitsempfinden nicht vereinbaren. Ich bin unschuldig und wollte einen Freispruch.“

Willers als treibende Kraft

In der Beweisaufnahme wurde wie vor dem DFB-Sportgericht im Juli 2017 deutlich, dass Willers der Initiator der Aktion und die treibende Kraft war. Er hatte nach dem 0:1 in Zwickau am vorletzten Spieltag, als der VfL aus dem Aufstiegsrennen war, im Spiel gegen den Abstiegskandidaten SC Paderborn die Chance gesehen, bei den SCP-Rivalen RW Erfurt und Werder Bremen U23 einen Bonus herauszuschlagen für einen Sieg, der die Perspektive der Clubs im Abstiegskampf verbessert hätte.

Willers, vertreten von dem bekannten Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner, hatte Kontakt zu dem Erfurter Carsten Kammlott aufgenommen, den er aus Leipzig kennt: „Was ist euch ein Sieg von uns wert?“ Dann drängte er seine Mitspieler Menga und Heider, bei Bekannten in Bremen nachzufragen. „Ich war genervt von Willers, der mich dauernd bedrängt hat“, sagte Heider, der damals verletzt war, „ich habe Rafael Kazior angerufen, aber nicht um etwas herauszuschlagen, sondern ihn zu informieren. Ich wollte damit nichts zu tun haben.“

Menga, der den Osnabrücker Anwalt Eberhard Frohnecke an seiner Seite hatte, gab an, er habe mit dem ihm vertrauten Physiotherapeuten Claas Bente telefoniert und gefragt, ob Werder irgendetwas ausgeben würde, wenn es mit dem Sieg klappen würde. Die als Zeugen geladenen Gesprächspartner der Angeklagten bestätigten die Gespräche, betonten aber glaubwürdig, dass die Osnabrücker nie damit gedroht hätten, das Spiel absichtlich zu verlieren, wenn es keine Zusatzprämie geben würde.

Bremer schützen VfL-Spieler

„Das Gefühl hatte ich nie“, sagte der Bremer Profi Kazior, „Marc war total genervt von Willers, er selbst hat nichts gefordert, sondern nur wiedergegeben, was der gesagt hat. Als ich ihm einen Tag später sagte, dass wir nichts tun werden und der DFB eingeschaltet worden sei, war er erleichtert.“

Der Bremer Physiotherapeut Bente schilderte das Telefonat mit Menga so: „Von Geld war nie die Rede, und ich habe nie gedacht, der VfL würde das Spiel manipulieren. Da gab es von Addy nicht mal eine Andeutung.“

Kammlott hatte die Anfrage von Willers nach Rücksprache mit einigen Teamkollegen abgelehnt: „Wir hatten ja alles selbst in er Hand. Die Manipulation durch eine bewusste Niederlage habe ich nie für möglich gehalten.“

Für die hartnäckig nachfragende Richterin waren diese einhelligen Aussagen der unmittelbaren Zeugen die Basis für die Erkenntnis, dass damit eine wesentliche Voraussetzung für den Nachweis einer Erpressung entfallen war: „Es gibt keine Hinweise für die Drohung mit einer absichtlichen Niederlage.“ Einzig der Bremer Torwart Tobias Duffner berichtete, er habe Angst vor einer absichtlichen Niederlage gespürt; der Wert seine Aussage litt darunter, dass er mit keinem der Angeklagten gesprochen hatte, er nur vom Hörensagen informiert war.

Vom DFB-Sportgericht waren die drei Profis im Juli 2017 zu Sperren und Geldstrafen verurteilt worden. Willers war zunächst für fünf Monate gesperrt worden; in der Berufung erreichte der heutige Profi von Viktoria Köln eine Reduzierung auf drei Monate. Heider musste vier Spiele aussetzen; ebenso der zum Regionalligisten BSV Rehden gewechselte Menga. Willers musste 4000 Euro zahlen, Heider 2000 und Menga 1500.


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