Münster kehrt zur Dreierkette zurück Die Viererkette hat in der 3. Fußball-Liga System

Von Harald Pistorius, Christian Detloff und Uli Mentrup

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Vier Abwehrspieler sind angesagt in der 3. Fußball-Liga: Die Mehrheit der Clubs vertraut auf die Viererkette. Symbolfoto: David EbenerVier Abwehrspieler sind angesagt in der 3. Fußball-Liga: Die Mehrheit der Clubs vertraut auf die Viererkette. Symbolfoto: David Ebener

Osnabrück/Lotte/Meppen. Viererkette und zwei Sechser davor – die defensive Stabilität geht vor in der 3. Fußball-Liga. Das geht aus einer Erhebung unserer Zeitung hervor.

In den 40 Partien der noch jungen Saison bildeten mehrheitlich ein 4-2-3-1-System (31,3 Prozent aller Teams und Spiele) oder eine 4-4-2-Taktik (rund 26,3 Prozent) das Grundgerüst bei den Drittligisten – mit fließenden Übergängen. Weitere Formationen hinzugerechnet, kommt die Viererkette auf ein Übergewicht von rund 79 Prozent. Ein Blick auf die Systemfrage.

Osnabrück: Vorne Gleichzahl, hinten Überzahl

Der VfL Osnabrück agierte in drei von vier Ligaspielen nominell im 4-3-3: Mit einer Dreierreihe vor der Abwehr, aus der der zentrale Mann (Anas Ouahim oder Tim Danneberg) besonders weit vorstößt. Der VfL setzt auf einen Stoßstürmer (Marc Heider oder Marcos Álvarez) und zwei Flügelstürmer. „Ich möchte dem Gegner vorn in Gleichzahl begegnen und hinten Überzahl haben“, sagt Trainer Daniel Thioune, „das ist bei diesem System am ehesten möglich“. In der Defensive setzt der Trainer gelegentlich – wie beim 2:2 gegen München 1860 und phasenweise in Meppen – auf eine Dreierreihe, die im Spiel gegen den Ball zur Fünferkette wird. Thioune verfügt über rund zehn Spieler, die auf zwei, drei Positionen gleichermaßen einsetzbar sind. Das erleichtert personelle und taktische Variationen.

Lotte: Vorteil, flexibel zu sein

Die Sportfreunde Lotte traten vornehmlich ebenfalls im 4-2-3-1 an, wechselten im Spiel aber auch ins 4-4-2. Die Viererkette war bislang unangefochten. „Das kann sich ändern. Eine Dreierkette ist zukünftig bei einem entsprechenden Ergebnisstand auch möglich“, sagt Trainer Matthias Maucksch. Die Viererkette bleibt aber offenbar die erste Wahl: „Zwischen einem 4-2-3-1, 4-4-2 und 4-3-3 lässt sich verhältnismäßig leicht umschalten. Es ist immer von Vorteil, flexibel zu sein“, sagt Maucksch, der mit Aygün Yildirim und dem länger verletzten Danny Breitfelder nur zwei Stoßstürmer hat, die kaum Drittligaerfahrung vorweisen. Versuche, mit Maximilian Oesterhelweg und Joshua Putze Mittelfeldspieler in der Spitze aufzubieten, waren bislang nicht vom Erfolg gekrönt.

Meppen: Die Mannschaft kennt das System

Der SV Meppen wählt ein 4-2-3-1 als Grundformation, das variabel zum 4-4-2 oder 4-3-3 werden kann. Trainer Christian Neidhart vertraut auf eine Spitze, aber über die offensiven Außenbahnen können es bis zu drei werden. „Wir halten am System fest, weil die Spieler die Spielidee und die Spielphilosophie genau kennen“, sagt Neidhart. „Die Mannschaft weiß, wie sie sich mit und ohne Ball verhalten muss. Manchmal orientieren wir uns am Gegner, aber wir ändern nicht das System, sondern das Personal.“

Auf der Suche nach dem besten System

Verfechter der Dreierkette gibt es in Aalen, Großaspach und Halle. Aspach-Trainer Sascha Hildmann ließ nur zum Auftakt (2:3 in Jena) mit vier Verteidigern spielen. Seitdem ist die Dreierkette das Mittel der Wahl. „Der Vorteil der Dreierkette liegt im Zentrum, mit der Viererkette im Spiel über außen. Ich möchte aber immer für meine Mannschaft jeweils das beste System haben. Deswegen brauche ich da eine gewisse Flexibilität“, sagt Hildmann. Auch Spitzenreiter Preußen Münster besinnt sich inzwischen wieder auf alte Stärken, während die Würzburger Kickers taktisch auf ihren Fehlstart reagiert haben und von der Dreierkette abgerückt sind.

Halle: Rigorose Dreierkette

Trainer Torsten Ziegner hat dem Halleschen FC rigoros die Dreierkette verordnet. Er setzt auf ein 3-2-3-2-System mit fünf offensiven Spielern. So erspielten sich Jena und Kaiserslautern bei ihren Niederlagen gegen den HFC kaum nennenswerte Chancen – und das, obwohl Halles Dreier-Abwehr im Durchschnitt nur 1,79 Meter groß und auf zwei Positionen mit Mittelfeldspielern besetzt ist. Trotzdem kamen die Gegner kaum zu Kopfball-Gelegenheiten, weil der HFC mit einem enormen Laufpensum viele Flanken und Pässe unterband und bei Standards die Stürmer im eigenen Strafraum aushalfen. Spannend wird die Konstellation mit der Rückkehr von Sebastian Mai. Die ersten Spielminuten nach Ablauf seiner Rot-Sperre absolvierte er im Mittelfeld, aber es drängt ihn in die Innenverteidigung. Dort hat allerdings Moritz Heyer als Abwehrchef bislang einen hervorragenden Job gemacht.

„Mehr Sicherheit“ – Münster kehrt zur Dreierkette zurück

Spitzenreiter Preußen Münster gewann in Köln (4:1) und verlor gegen Jena (1:2) im 4-3-3. In Kaiserslautern setzte Trainer Marco Antwerpen erstmals wieder auf die Dreierkette, die sich schon in der Rückrunde 2017/18 bewährt hatte. Auch wegen dieser Umstellung siegten die Preußen (2:1), gegen Lotte war erneut die Dreierkette angesagt. „Die Stabilität ist so einfach größer bei uns, das System gibt den Jungs mehr Sicherheit“, sagt der Coach. „Wir dürfen aber die Viererkette auch nicht verlernen.“ Leidtragende sind derzeit die Angreifer. Von acht Offensiven im Kader ist aktuell nur Platz für zwei in der Startelf.

Kompakter auftreten – Würzburg rückt von Dreierkette ab

Michael Schiele schickte die Würzburger Kickers dreimal im 3-5-2-System aufs Feld. Die Dreierkette war aus der Vorsaison etabliert, nach der Systemumstellung gab es in 25 Partien nur 22 Gegentreffer. Drei Niederlagen und unübersehbare Lücken im Defensivverhalten ließen den Coach aber umdenken. Beim 3:1 gegen Cottbus agierten die Würzburger erstmals aus dem 4-4-2-System heraus, mit zwei defensiven Mittelfeldspielern in der Zentrale. „Wir haben in der vergangenen Saison eine super Saison mit der Dreierkette gespielt. Wir hatten in den ersten Spielen dieser Saison aber nicht so viel Zugriff. Die Gegner haben meist mit einem Stürmer gespielt und sich gut zwischen den Linien positioniert hatte. Wir wollten wieder kompakter auftreten, das ist uns gelungen.“


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