„Jahrhundertspiel“ im DFB-Pokal Drochtersen-Präsident Gooßen über den FC Bayern, Dauerstress und „Mörtel“

Meine Nachrichten

Um das Thema VFL Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ein Mann der Tat: Drochtersens Clubchef Rigo Gooßen im heimischen Kehdinger Stadion, das für das „Jahrhundertspiel“ gegen den FC Bayern. Foto: Daniel BerlinEin Mann der Tat: Drochtersens Clubchef Rigo Gooßen im heimischen Kehdinger Stadion, das für das „Jahrhundertspiel“ gegen den FC Bayern. Foto: Daniel Berlin

Osnabrück. Im Halbfinale des Niedersachsenpokals kegelten sie den Drittligisten VfL Osnabrück nach Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb und zogen so in den DFB-Pokal ein. Jetzt freut sich die Spielvereinigung Drochtersen/Assel auf den großen FC Bayern. Rigo Gooßen, Präsident des Regionalligisten, Steuerberater und Tausendsassa, spricht über das „Jahrhundertspiel“ und den Ausnahmezustand im Dorf.

Herr Gooßen, wahrscheinlich sind Sie gerade im Dauerstress.

Das können Sie sich nicht vorstellen.

Dann erzählen Sie mal.

Dieses Medieninteresse haben wir so in dieser Form nicht erwartet. Das ist ja unvorstellbar.

Sie regeln alles alleine?

Natürlich nicht. Wir haben ein Organisationsteam. Aber wir haben keinen Pressesprecher oder wie die Bayern einen Mediendirektor.

Und der Mediendirektor hat dann noch einen mehrköpfigen Mitarbeiterstab.

Genau. Meine Telefonnummer ist nun mal bekannt, sie steht ja auch auf unserer Homepage (lacht).

Wer meldet sich denn alles?

Ich glaube, dass es jetzt keinen Fernsehsender mehr gibt, der noch nicht bei uns im Stadion war oder den Bäcker befragt hat. Jetzt weiß ich erst, wie viele Sender es gibt.

Für Ihren normalen Beruf haben Sie im Moment gar keine Zeit, oder?

Ich habe Urlaub. Es war ja klar, dass wir in den Tagen vor dem Spiel stark in Anspruch genommen werden.

Der Bürgermeister von Drochtersen müsste Ihnen ja eigentlich dankbar sein.

Das ist wohl so. Eine Imagekampagne für die Gemeinde in dieser Form hätte wohl ihren Preis gehabt. Wir beschweren uns aber nicht, wir bekommen von der Gemeinde jegliche Unterstützung.

Wie weit sind Ihre Vorbereitungen?

Sehr weit. Vor zwei Jahren hatten wir ja schon mal das Pokalvergnügen mit Borussia Mönchengladbach. Den Organisationsordner haben wir nicht zu weit weggelegt. Den arbeiten wir jetzt ab, hier und da mit einigen Veränderungen. Die Maschinerie rollt. Die Zusatztribünen wurden wieder aufgebaut.

Mit der Folge, dass jede verfügbare Kraft im Verein ranmuss?

So ist es. Beim Aufbau der Zusatztribünen haben 40 Leute von uns drei Tage lang mitgearbeitet. Während des Spiels haben wir insgesamt 150 ehrenamtliche Helfer.

Freuen Sie sich denn schon auf das Präsidenten-Dinner mit Ihrem Kollegen Uli Hoeneß?

Wir wissen noch gar nicht, wer vom FC Bayern kommt. Da lassen wir uns überraschen.

Ist denn irgendwas mit den Vertretern geplant?

Derzeit nicht. Vielleicht essen wir eine Bratwurst zusammen. Die Qualität unserer Wurst ist ja auch schon mehrfach von DFB-Präsident Reinhard Grindel gelobt worden. Na ja, und Uli Hoeneß kennt sich mit Bratwürsten auch aus.

Welche Sorte haben Sie denn im Angebot?

Eine Thüringer auf Kehdinger Art.

Haben die Bayern im Vorfeld irgendwelche besonderen Wünsche geäußert?

Es wird alles generalstabsmäßig geplant, auch was die Ausstattung der Kabinen betrifft. Wünsche, die wir von Gladbach in ähnlicher Form kennen. Bei den Bayern ist es vielleicht eine Spur extravaganter.

Solche Kabinen wie in der Allianz-Arena können Sie aber nicht bieten.

Stimmt. Da müssen sie nehmen, was wir anbieten. Es wird kein Eisbad geben, da müssen sie dann eher eine Eistonne nutzen. Wir verzichten schon auf unsere Kabine, damit die Bayern sie mitnutzen können.

Wo bleiben Ihre Spieler?

Es gibt ja noch Umkleidekabinen im Hallenbereich.

Wie viele Tickets hätten Sie verkaufen können?

Schwer zu sagen. Alleine vom FC Bayern hatten wir Anfragen für 18000 Tickets, davon haben wir 1650 erfüllt. Keine Frage, wir hätten auch 25000 bis 30000 Zuschauer bekommen, aber das gibt unser Stadion nun mal nicht her. Wir rechnen mit 7800 bis 7900 Besuchern.

Ein Umzug in eine große Arena kam nicht infrage?

Das wäre nur infrage gekommen, wenn wir gemusst hätten, weil es zum Beispiel ein Abendspiel wäre, wofür unser Flutlicht nicht ausreicht. Ansonsten war ein Umzug kein Thema. Mag sein, dass ein Umzug finanziell lukrativer gewesen wäre, aber wir wollen das Spiel in unserer guten Stube durchführen. Für uns ist das ein Jahrhundertspiel. Und deswegen bleiben wir auch zu Hause – für unsere Mannschaft, für unseren Verein, für unser Dorf und für unsere Region.

Lassen Sie uns auf die beiden Mannschaften schauen. Laut transfermarkt.de hat das Team von Drochtersen/Assel aktuell einen Marktwert von 1,63 Millionen Euro, die Bayern werden auf 844,65 Millionen Euro taxiert.

Oh ja? Bei 1,6 Millionen Euro würden wir sofort einsteigen und verkaufen. Aber Spaß beiseite: Daran sehen Sie doch, dass das Spiel am Samstag das beste Beispiel ist für den Vergleich zwischen dem Underdog und der großen Fußballmacht Deutschlands.

Ihr Sohn Jasper hat am Samstag im Trikot des SV auch sein Jahrhundertspiel. Bei Ihnen zu Hause gibt es derzeit wohl nur ein Thema, oder?

Ist ja klar. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht über das Spiel sprechen.

Ist es dann nicht irgendwann nervig, immer über das eine Thema zu sprechen?

Nö. Wissen Sie, wenn man so etwas erreicht, dann mag man das auch immer wieder hören.

Ihr Sohn träumt doch bestimmt vom goldenen Tor.

Ja. Das wäre natürlich der Hammer. Mal sehen, wer bei den Bayern in der Innenverteidigung steht. Boateng und/oder Hummels. Das sind dann ganz schöne Kaliber (lacht). Ich denke, dass die Bayern mit einem großen Teil der Stammformation antreten werden. Und nach meinen Informationen reisen sie schon am Freitag nach Stade, was für eine ernsthafte Vorbereitung spricht. Vor zwei Jahren haben wir uns in der ersten DFB-Pokalrunde gegen Mönchengladbach beim 0:1 auch tapfer geschlagen.

Ihr Wunschergebnis?

Schön wäre es, wenn es uns tatsächlich gelingt, ein Tor zu schießen – und wir nicht untergehen, sprich nicht zweistellig verlieren.

Ein Spieler-Unikum in Ihren Reihen ist Meikel „Mörtel“ Klee.

Genau, unser „Mörtel“. Der kloppt seine Stunden auf dem Bau und fährt dann zum Training. Und so wird es auch am Freitag wieder sein.

Gibt es denn vor solch einem Spiel keinen Urlaub?

Meikel hatte schon seinen Urlaub. Also muss er arbeiten.

Und da können Sie als Club-Präsident nicht bei seinem Arbeitgeber intervenieren?

Meikel möchte gar keine Sonderbehandlung. Er sagt immer, dass er bei der Arbeit den Kopf frei bekommt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN