„Ich fühle mich hier total wohl“ Großaspach-Coach Hildmann über die Faszination seines Jobs beim Dorfklub

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Seit dem 1. Juli 2017 Cheftrainer der SG Sonnenhof Großaspach, die sich selbst als Dorfklub bezeichnet: Sascha Hildmann. Foto: FotostandSeit dem 1. Juli 2017 Cheftrainer der SG Sonnenhof Großaspach, die sich selbst als Dorfklub bezeichnet: Sascha Hildmann. Foto: Fotostand

Aspach. Er ist ein Dorfkind – und arbeitet heute als Chefcoach in einem Dorfklub. Sascha Hildmann spricht über seinen „geilen Job“ bei der SG Sonnenhof Großaspach und die Faszination des Trainerjobs.

Herr Hildmann, was wäre aus Ihnen geworden, wenn es nicht mit der Trainer-Laufbahn geklappt hätte?

Dann würde ich Autos verkaufen. Ich war sieben Jahre lang Geschäftsführer im Autohaus meines Vaters. Dieses Autohaus würde ich weiterführen.

Also war damals dieser Weg geplant?

Richtig. Ich war 13 Jahre lang Fußballprofi. Während dieser Zeit habe ich aber auch zwei Ausbildungen abgeschlossen: Ich bin gelernter Karosseriebauer und Automobilkaufmann. Betriebswirt bin ich ebenfalls, weil ich anschließend die Betriebswirtschaftsschule für Automobilwirtschaft besucht habe. Damit war ich dann nach der Profikarriere voll in der Firma integriert. In der Zeit habe ich aber auch alle Trainerscheine gemacht, weil ich unbedingt Fußballtrainer werden wollte. Irgendwann war beides nicht mehr kombinierbar.

Und dann?

Habe ich voll auf die Trainerschiene gesetzt. Jetzt leitet mein Bruder gemeinsam mit meiner Frau das Autohaus – und ich habe den Rücken frei.

Was ist so faszinierend daran, als Fußballtrainer zu arbeiten?

Es macht mir unheimlich viel Spaß, eine Mannschaft zu führen, mit Menschen umzugehen, neue Menschen kennenzulernen, Spieler zu entwickeln. Ich habe als Spielertrainer beim SV Rodenbach, einem Bezirksligisten, begonnen. Da habe ich gelernt, wie wichtig ein Trainer in einem kleinen Verein ist. Da muss sich der Coach praktisch um alles kümmern.

In Ihrer aktiven Zeit haben Sie vermutlich Ihre Trainer mit ganz anderen Augen beobachtet, oder?

Ja, total. Ich habe mir viele Dinge abgeschaut. Teilweise fand ich vereinzelte Dinge aber auch nicht so gut.

Gibt es ein prägendes negatives Beispiel?

Mit Trainern, die ein reines Schwarz-Weiß-Denken hatten, konnte ich nicht viel anfangen: Wenn du gewonnen hast, war alles gut. Wenn du verloren hast, war alles scheiße. So wollte ich nie werden. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich jedes Spiel einzeln und sauber analysiere. Und dass ich die Menschen, mit denen ich arbeite, auch wie Menschen behandle.

Bei welchem Trainer würden Sie gerne hospitieren?

Ich war schon bei ihm: Jürgen Klopp. Ein Trainer, der mich wahnsinnig fasziniert. Auf dem Trainingsplatz delegiert „Kloppo“ unwahrscheinlich viel, er beobachtet – und bekommt alles mit.

Und Jürgen Klopp arbeitet mit ganz anderen Spielern zusammen als Sie in ihrem Dorfklub Großaspach.

Natürlich. Aber gerade das ist doch das Spannende. Gerade bei unseren begrenzten finanziellen Mitteln ist es wichtig, nicht die passende Philosophie für den Trainer, sondern für die Mannschaft zu finden.

Aber unter diesen Bedingungen ist ein Aufstieg in die 2. Bundesliga doch so gut wie ausgeschlossen.

Das kann man doch nie ausschließen. Natürlich wäre es eine absolute Überraschung, aber nicht unmöglich. In erster Linie geht es uns darum, den Verein und die Spieler weiterzuentwickeln. Für einen Trainer ist das eine wahnsinnig interessante Aufgabe. Immerhin bin ich Drittliga-Trainer. Es gibt viele Kollegen, die gerne meinen Job hätten. Hier hat man die Chance, sich in der 3. Liga zu beweisen. Ich komme vom Dorf, ich fühle mich hier total wohl. Ein geiler Job.

Mit welchen Argumenten locken Sie neue Spieler?

Das ist ganz einfach. Bei uns bekommen sie die Plattform, sich in der 3. Liga zu zeigen. Wenn Sie bei uns mal auf die Tribüne schauen: Da sitzen 50 Scouts aus allen möglichen Ligen. Im vergangenen Jahr haben wir zwölf Spieler verloren, von denen fast alle zu Top-Vereinen gewechselt sind. Ich denke, da haben wir viel richtig gemacht.

Sie sind nicht frustriert, wenn Ihre Leistungsträger weggelotst werden?

Nein. Das macht mich eher stolz. Wenn ein großer Verein wie der 1. FC Kaiserslautern anklopft und Özgür Özdemir verpflichtet oder der Karlsruher SC Saliou Sané holt – dann ist das wiederum Bestätigung für unsere Arbeit.

Sie sind auch nicht frustriert, bis auf wenige Ausnahmen immer vor 2000 oder 2500 Zuschauern spielen zu müssen?

Für wen soll das frustrierend sein? Wir haben 8000 Einwohner. Seit 1994 sind wir Schritt für Schritt aufgestiegen. Bis in die 3. Liga. Wie soll denn da so schnell eine Fan-Kultur wachsen? Und dann schauen Sie sich die Konkurrenzsituation in unserem Einzugsgebiet an: VfB Stuttgart, TSG Hoffenheim, 1. FC Heidenheim, SV Sandhausen.

Lassen Sie uns noch über den musikalischen Geschmack im Verein sprechen. Sie arbeiten im Klub des Ehemannes von Schlagerkönigin Andrea Berg. Da ist die Musik von ihr in der Kabine Pflicht, oder?

(Lacht) Nein, das ist keine Pflicht. Andrea Berg gibt es sicher auch manchmal. Aber unser Keeper Kevin Broll ist als DJ für die Musik in der Kabine zuständig. Da laufen manchmal Sachen, die ich gar nicht kenne.


Sascha Hildmann wird am 7. April 1972 in Kaiserslautern geboren. Als Fußballer mit Wurzeln beim SV Enkenbach wechselt er im Juniorenalter zum 1. FC Kaiserslautern, wo er allerdings nicht den Sprung in die Bundesliga schafft. In seiner aktiven Karriere bewegt er sich in verschiedenen Clubs auf Regionalliga- und Oberliga-Ebene. Bei Alemannia Aachen kommt er von 2000 bis 2002 in der 2. Bundesliga auf 36 Einsätze. Der gelernte Karosseriebauer und Automobilkaufmann bastelt nach seiner Profikarriere ab 2006 an der Trainerlaufbahn unter anderem mit Stationen in Idar-Oberstein (Regionalliga) oder Mainz (B-Jugend-Regionalliga). Seit dem 1. Juli 2017 ist Hildmann Cheftrainer der SG Sonnenhof Großaspach in der 3. Liga.

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