Entwarnung für Danneberg VfL-Stürmer Álvarez stellt den Teamgedanken voran

Von Johannes Kapitza, Stefan Alberti, Lea Becker und Alexander Pestkowski

Fertig machen zum Ausgleich: Marcos Álvarez schaut zu, wie Schiedsrichter Patrick Ittrich die Freistoßposition vor dem 2:2 markiert. Foto: Helmut KemmeFertig machen zum Ausgleich: Marcos Álvarez schaut zu, wie Schiedsrichter Patrick Ittrich die Freistoßposition vor dem 2:2 markiert. Foto: Helmut Kemme 

Osnabrück. Das 2:2 des VfL Osnabrück gegen 1860 München war kein Spiel für schwache Nerven, aber viele, die es sahen, dürften wiederkommen. Die Lila-Weißen beeindrucken derzeit mit ihrem Kampfgeist. Und der Teamgedanke steht spürbar im Mittelpunkt.

13616 Zuschauer waren die größte Kulisse seit dem 3:0 gegen Lotte am 26. November 2016 vor 16000 Fans, und der VfL verstand es, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Die Fans hätten am Mittwoch wohl auch eine Niederlage verziehen, weil die Lila-Weißen nie aufgaben und Einsatz zeigten.

Marcos Álvarez war dafür ein gutes Beispiel. In Meppen hatte er 90 Minuten auf der Bank gesessen, aber das persönliche Schicksal stellte er hinter dem Teamgedanken zurück. Vor dem Spiel hatte er im Mannschaftskreis das Wort ergriffen. „Er hat gesagt, dass es nicht um ihn geht, sondern nur um die Mannschaft. Er war enttäuscht, dass er in Meppen nicht gespielt hat, aber nur, weil er der Mannschaft nicht helfen konnte“, verriet Trainer Daniel Thioune.

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VfL erwartet zwei Spiele Sperre für Schiller

Die Reaktion von Álvarez, der auch gegen 1860 zunächst auf der Bank saß, nahm der VfL-Coach zufrieden zur Kenntnis. „Er kann sich Gedanken machen, ob er beleidigt ist, weil er nicht spielt. Das wollte er nicht sein. Das spricht für den kleinen Wandel in ihm“, lobte Thioune. „Als er die Plattform zum Performen bekommen hat, hat er das sensationell gemacht. Er hat viel dazu beigetragen, dass wir den Punkt holen, und sich fürs kommende Wochenende empfohlen“, erklärte der Trainer.

Am Samstag in Großaspach wird Felix Schiller nach seiner Roten Karte fehlen. Der VfL rechnet mit einer Sperre von zwei Spielen. Tim Danneberg hat von einem Schlag auf das Sprunggelenk keine weiteren Folgen davongetragen.

Grimaldi findet Pfiffe „geil“

Adriano Grimaldi nahm das Trikot von Álvarez mit nach Hause. Zuvor hatte er an alter Wirkungsstätte Pfiffe geerntet. „Ist doch geil. Es zeigt mir, dass sie Angst vor mir haben“, zog der 27-Jährige daraus zusätzliche Motivation. Verstehen konnte er die Pfiffe nicht: Er habe Osnabrück 2014 im Guten verlassen. Als Heidenheim später nicht mehr mit ihm plante, „musste ich mir einen neuen Verein suchen. Osnabrück wollte mich nicht, Münster wollte mich. Da musste ich schauen, was auf dem Tisch lag“, erklärte er seinen Wechsel zum Osnabrücker Rivalen.

Grimaldi: Gemerkt, wie Drittligafußball funktioniert

Sportlich zahlten die „Löwen“ Lehrgeld. „Jetzt haben wir gemerkt, wie Drittligafußball funktioniert. In Osnabrück spielen viele Spieler, die schon lange dabei sind in der 3. Liga. Da sind Kleinigkeiten wichtig“, sagte Grimaldi. Am freundlichsten wurde der Stürmer von Nils Körber verabschiedet, mit dem er in der vergangenen Saison in Münster zusammengespielt hatte.

Der Spielbericht zum Nachlesen: Last-Minute-2:2 gegen 1860 München

Körber: Das Tor geht auf meine Kappe

Der VfL-Torwart, der drei Tage zuvor in Meppen mit einem gehaltenen Elfmeter zum Helden geworden war, sah beim 0:1 gegen 1860 schlecht aus. „Das löse ich nicht optimal. Wir fallen viel zu schnell, dadurch sehe ich nichts. Der Ball springt vor mir auf. Natürlich muss ich das Tor mit auf meine Kappe nehmen. Aber ich denke, dass ich uns am Ende auch mit ein paar guten Paraden im Spiel gehalten habe“, sagte der 21-Jährige: „Ich bin ein junger Torwart, ich mache Fehler. Jetzt ist es mal passiert.“ Nach dem späten Ausgleich war Körber erleichtert. „Es fühlt sich wie ein Sieg an“, sagte er.

Thioune: Nur ein Punkt für die bessere Mannschaft

Glückwünsche zum späten Punktgewinn nahm Thioune nur zurückhaltend an. „Als Trainer sehe ich das Spiel rationaler“, sagte er. Zwei Gegentore nach Freistößen, eine Rote Karte – das waren „drei Aktionen, in denen wir die Klarheit vermissen lassen haben“, monierte Thioune, denn dadurch brachte sein Team den Gegner überhaupt erst ins Spiel. „Die bessere Mannschaft hat nur einen Punkt gewonnen“, musste Thioune feststellen. Er mochte „vor der Mentalität meiner Mannschaft den Hut ziehen“, aber beim Trainer blieb auch das haften, „was mir nicht gefallen hat“. 10:5 Ecken zugunsten des VfL standen in der Bilanz, aber Tore fielen dadurch nicht. Die Osnabrücker hatten das Spiel – abgesehen von den bekannt gefährlichen Münchner Standards – im Griff, verpassten es aber erneut, aus ihrer Überlegenheit ein frühes Tor zu machen. Bei aller Freude über das späte 2:2 gibt es beim VfL noch viel zu tun.


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