Am Mittwoch beim VfL Osnabrück 1860-Stürmer Grimaldi: Unser Ziel ist der Klassenerhalt

Von Johannes Kapitza

Am Mittwoch ist Stürmer Adriano Grimaldi mit dem TSV 1860 München zu Gast an alter Wirkungsstätte: Um 19 Uhr wird das Spiel der „Löwen“ beim VfL Osnabrück angepfiffen. Foto: imago/Sven SimonAm Mittwoch ist Stürmer Adriano Grimaldi mit dem TSV 1860 München zu Gast an alter Wirkungsstätte: Um 19 Uhr wird das Spiel der „Löwen“ beim VfL Osnabrück angepfiffen. Foto: imago/Sven Simon

Osnabrück. Seit dem Sommer stürmt Adriano Grimaldi für den TSV 1860 München – und muss die hohen Erwartungen bremsen: „Unser Ziel ist der Klassenerhalt“, sagt der 27-Jährige, der am Mittwoch (19 Uhr) mit den Löwen bei seinem ehemaligen Klub VfL Osnabrück antritt. Im Interview spricht er über frühes Aufstehen, den ungewohnten Anblick von Weißbier und Wurst am Vormittag, seine Rolle bei 1860 und das Spiel in Osnabrück.

Herr Grimaldi, den 5:1-Sieg gegen Lotte haben Sie anscheinend nicht lange gefeiert…

(lacht) Wieso? Weil ich schon so früh wach bin?

Ja, wir führen dieses Interview um 8 Uhr am Sonntagmorgen…

Das liegt an den Kindern. Sie sind relativ früh wach, und ich bin es dann eben auch.

Also haben Sie doch lange den Sieg gefeiert und sind jetzt trotzdem früh wach?

Wir haben ja am Mittwoch schon das nächste Spiel und deshalb gar nicht Zeit, lange zu feiern. Wir haben kurz in der Kabine gefeiert, und damit ist es gut gewesen.

Im Volksmund heißt es: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Sie verwenden bei Ihren Interneteinträgen öfter das Schlagwort #erfolgistkeinglück. Erfolg gibt es nur, wenn man sich quält – auch morgens aus dem Bett…

Stimmt, das passt ganz gut zusammen. Man muss auf jeden Fall etwas dafür tun, wenn man was erreichen will.

Sie haben sich in Ihrer Karriere immer weiter nach Süden vorgearbeitet: Sie waren in Sandhausen und Heidenheim, aber noch nie so weit südlich wie jetzt in München. Wie gefällt es Ihnen dort nach den ersten zwei Monaten?

München ist eine tolle Stadt. Man kann hier viel erleben. Wir haben uns aber noch nicht so eingelebt, weil wir unsere Wohnung noch nicht bezogen haben. Aber beim Verein herrschen gute Gegebenheiten: Super Plätze, super Trainingsbedingungen, das ganze Drumherum – es ist einfach ein guter Verein. Da passen viele Dinge zusammen.

Aber wenn Sie Basketball sehen wollen, müssen Sie ausgerechnet zum 1860-Rivalen FC Bayern gehen…

Die Spiele kann ich ja auch zu Hause im Fernsehen schauen. Aber ich glaube, es würde mir auch keiner böse sein, wenn ich bei den Bayern mal in der Halle sitze und zuschaue.

Mit welchen Eigenarten in Ihrer neuen Heimat müssen Sie sich noch anfreunden?

Aus Italien kenne ich es ja, dass man mal ein Glas Wein trinkt, wenn es auf den Mittag zugeht. Hier sitzen die Leute schon um 9 oder 10 Uhr beim Weißbier und essen Wurst. Der Anblick ist noch ungewohnt. Da frage ich mich dann: Waren die jetzt sehr früh wach oder vielleicht gar nicht schlafen? Ansonsten ist alles okay hier.

Der Ex-Osnabrücker Nicolas Feldhahn spielt bei Bayerns U23, Paul Thomik in Heimstetten vor den Toren Münchens. Ist die Wiedersehensparty schon gefeiert worden?

Nach meiner Unterschrift in München haben sich beide relativ schnell gemeldet, dass wir uns mal treffen sollten. Aber München ist so groß, und es ist gerade so viel zu tun. Wir haben es noch nicht geschafft, aber das Wiedersehen kommt noch.

Sie waren zuvor zweieinhalb Jahre in Münster. Ihre Frau hat auf Instagram zum Abschied geschrieben: „Es war so schön hier.“ Bleiben wollten Sie trotzdem nicht?

Es gab viele Gründe, warum es nicht geklappt hat. Der Verein konnte mir letztlich kein gutes Angebot machen. Es hat dann nicht gereicht, dass ich mich so wohl gefühlt hätte, um doch dort zu bleiben. Dann kamen auch andere Vereine, und irgendwann war klar, dass ich nicht in Münster verlängere.

Einen Stürmer wie Sie hätte man gerne auch in Osnabrück gesehen. Was hätte passieren müssen, damit Sie wieder im VfL-Trikot landen?

Ich weiß nicht, ob es so gut angekommen wäre, wenn ich früher in Osnabrück gespielt habe, dann nach Münster gehe und dann wieder zurück zum VfL. Das war aber nicht der einzige Grund. Es gab gar nicht so richtig einen Kontakt zum VfL, und ich hatte ein paar andere gute Angebote.

Ihre Bilanz in Münster konnte sich sehen lassen: 71 Ligaspiele, 30 Tore, 17 Assists. Sechs Tore haben Sie alleine an den letzten fünf Spieltagen geschossen. Das ist eigentlich ein Empfehlungsschreiben für die 2. Bundesliga…

Das denke ich auch.

Aber die Zweitligisten haben nicht Schlange gestanden?

Nicht wirklich. Es gab Anfragen, aber es ist nichts dabei herumgekommen. Vielleicht suchten die einen Jüngeren…

Als 1860 angefragt hat, war die Mannschaft in der Regionalliga. Was hat Sie überzeugt, nach München zu gehen?

Obwohl 1860 noch Regionalligist war, habe ich gedacht: Das Angebot klingt cool, das höre ich mir an. Mein Gefühl war: Hier entsteht was, 1860 ist eine geile Station. Und dann sind sie aufgestiegen. Damit hatte sich auch die Regionalliga erledigt, und meine Entscheidung war klar.

Sie sind jetzt 27, aber im Team schon einer der Älteren…

Stefan Lex, Sascha Mölders, Quirin Moll nicht zu vergessen – da haben wir ein paar erfahrene Leute. Du kannst dich auf diese Spieler verlassen, weil sie die Abläufe und das ganze Drumherum kennen. Die jüngeren Spieler lernen von Tag zu Tag dazu, und wir Älteren versuchen, das passend vorzuleben. Es ist schon eine coole Sache, wenn man nicht der einzige Erfahrene in einer Mannschaft ist. Insgesamt muss ich aber sagen: Die Mannschaft ist in der Regionalliga schon gut zusammengewachsen. Das sind alles Vollprofis.

Sie haben in den letzten beiden Saisons jeweils zweistellig getroffen. Wie lautet Ihr Ziel für diese Saison?

Ich glaube, ich bin nicht nur wegen meiner Tore geholt worden. Das ist nicht das Einzige, das ich kann. Insofern ist es egal, ob ich zehn, 15 oder 20 Tore schieße. Trainer Daniel Bierofka will auch anderes von mir sehen: Arbeit gegen den Ball, viel für die Mannschaft laufen. Wenn ich das mache, dann kommen die Tore von alleine.

Gegen Lotte haben Sie ein Tor geschossen und danach die Hand vors Gesicht gehalten – weil es Ihnen peinlich war, durch einen Fehler des Gegners ein Tor geschenkt zu bekommen?

Im Gegenteil, ich fand das Tor relativ geil. Fehler passieren eben im Fußball.

Nachlesen: 5:1 – 1860 nimmt Geschenke der Sportfreunde Lotte dankend an

Was hat es dann mit dem Jubel auf sich?

Tobias Rühle hat mich in Münster immer kritisiert, weil ich keinen Torjubel hatte. Dann habe ich mir extra einen überlegt, damit er mir im Fernsehen zuschauen kann, wie ich jubele. Ich habe mir was überlegt, was ich so vorher noch nicht im Fußball gesehen hatte. Eine tiefere Bedeutung steckt nicht dahinter.

Sie haben gegen Lotte ein Tor erzielt und waren bei zwei weiteren Treffern in der Entstehung beteiligt. Da können Sie sich in den nächsten Spielen schon mal auf eine Sonderbewachung freuen…

Ich weiß ja nicht, was Osnabrück gegen uns vorhat. Aber das sind ja insgesamt Qualitäten, die ich schon in den letzten Saisons gezeigt habe. Das war also auch für den VfL sicherlich keine neue Erkenntnis.

Aber jetzt stehen Sie erst recht im Fokus. Am Mittwochabend sind Sie in Osnabrück. Was erwarten Sie?

Ich kenne die neue Mannschaft des VfL nicht so gut, aber ich erwarte ein gutes Drittligaspiel auf Augenhöhe. Abends vor großer Kulisse bei Flutlicht zu spielen wird schon eine heiße Stimmung.

Sie haben wahrscheinlich gute Erinnerungen an die Bremer Brücke: In der vergangenen Saison haben Sie Münster zum 1:0-Sieg in Osnabrück geschossen.

Ausgerechnet Münster, ausgerechnet ich. Das war ein bisschen ärgerlich für Osnabrück, aber so ist das, wenn man für einen anderen Verein spielt…

Nach dem Spiel tauschen Sie das Trikot mit Alexander Dercho? Er ist der Letzte auf dem Feld, den Sie noch aus Osnabrück kennen…

Das weiß ich noch nicht. Das mache ich von der Stimmung nach dem Spiel abhängig. Ich habe mit Alex noch nicht gesprochen, aber wir hatten immer mal Kontakt. Ich freue mich, ihn wiederzusehen – und natürlich Physio Günter Schröder, Torwarttrainer Rolf Meyer und Zeugwart Mario Richter.

Zurück zu den Löwen: Das 5:1 gegen Lotte war die richtige Antwort auf das 0:1 in Kaiserslautern?

Man darf es nicht überbewerten, sondern muss es richtig einordnen: Wir werden nicht jedes Spiel zu Hause 4:0 oder 5:0 gewinnen und auch nicht jedes Auswärtsspiel locker für uns entscheiden. In der 3. Liga verlangen dir die Gegner viel ab. Man darf sich nie ausruhen, sondern muss immer besser werden, um seine Position in der Liga zu bestätigen.

1860, Cottbus, Uerdingen, Kaiserslautern, Braunschweig – es sind Teams mit klangvollen Namen hinzugekommen. Sie kennen die 3. Liga: Ist es die stärkste Zusammensetzung, die es jemals gab?

Ja. Von den Namen her auf jeden Fall. Nach dem zweiten Spieltag kann man noch nicht viel sagen, aber es waren auch schon einige Überraschungen dabei. Viele sehen nur die großen Namen, aber die Teams mit diesen Namen müssen sich vielleicht auch noch an die Liga gewöhnen und die 3. Liga annehmen. Die Mannschaften, die schon länger dabei sind, wissen, wie es läuft. Ich glaube, es wird eine sehr ausgeglichene Saison werden – das spricht dann auch für die Stärke der Liga.

Ihr Trainer hat kürzlich extra noch mal betont, dass Sie ein Aufsteiger sind. Beim Namen „1860“ und den finanziellen Möglichkeiten erwarten viele einen Durchmarsch…

Ich erwarte auch manchmal viel, aber es klappt nicht immer alles wie erwartet. Wir müssen ruhig bleiben. Einige im Kader haben noch nicht höher als Regionalliga gespielt. Ein Club wie Kaiserslautern mag andere Ansprüche haben: Der FCK will aufsteigen. Aber wir fahren auf einer anderen Route. Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Dafür braucht man 45 bis 50 Punkte. Die wollen wir so schnell wie möglich erreichen. Alles darüber hinaus ist Bonus.

Sie haben einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Gehört ein Aufstieg zu Ihren Plänen bei 1860?

Man will natürlich immer so hoch spielen wie möglich, aber mit den nächsten Jahren beschäftige ich mich noch gar nicht. Der Vertrag ist auch wegen meiner Familie so angelegt, dass wir nicht im nächsten Jahr schon wieder umziehen müssen mit den Kindern. Wie es dann sportlich weitergeht, werden wir sehen.

Es ist nicht zu überhören: Sie sind ein Familienmensch…

Die Familie ist mein Ausgleich. Mit den Kids ist es zu Hause manchmal anstrengender als in den 90 Minuten auf dem Platz, aber zu Hause kann ich einfach abschalten. Wenn ich die Kinder sehe: Die haben gar keinen Stress und sind einfach glücklich. Da bin ich manchmal auch noch mal ein Kind und mache mit.


Adriano Grimaldi wird am 5. April 1991 in Göttingen geboren. Im Trikot von Mainz 05 gibt er am 12. September 2009 sein Bundesligadebüt und kommt auf sechs Kurzeinsätze im Oberhaus. Der große Durchbruch gelingt ihm in Mainz ebenso wenig wie bei den Zweitligisten Düsseldorf und Heidenheim (33 Spiele, drei Tore). In der 3. Liga ist er indes nur schwer zu stoppen. Für Sandhausen, den VfL Osnabrück (2012 bis 2014), Preußen Münster und aktuell 1860 München stehen 139 Drittligaspiele mit 44 Toren und 25 Vorlagen in seiner Statistik. Grimaldi ist verheiratet und hat zwei Kinder (drei und fast zwei Jahre alt).

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