Kein „Rekordspieler-Bonus“ Die „Qual der Wahl“ im Zentrum des VfL Osnabrück

Von Stefan Alberti

Drittliga-Rekordspieler: Tim Danneberg. Foto: osnapixDrittliga-Rekordspieler: Tim Danneberg. Foto: osnapix

Osnabrück. Von einem Luxusproblem im Mittelfeld will Daniel Thioune nichts hören. Der Cheftrainer des Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück formuliert es lieber so: „Was das Zentrum betrifft, habe ich derzeit die Qual die Wahl.“

Und bei dieser Qual der Wahl kann es beim „neuen VfL“ dann auch vorkommen, dass der Rekordspieler der 3. Liga zunächst auf der Bank Platz nehmen muss. Die Rede ist von Tim Danneberg, der am vergangenen Samstag im ersten Liga-Spiel gegen die Würzburger Kickers (2:1) nicht in der Startelf stand. Der 32-Jährige wurde in der 87. Minute eingewechselt – und war in der Nachspielzeit noch an der Vorbereitung des umjubelten Siegtreffers beteiligt.

Die taktischen Gründe

„Es ist mir vor dem Spiel tierisch schwergefallen, ihm diese Entscheidung mitzuteilen“, sagt Thioune nun in der Nachbetrachtung. Aus taktischen Gründen habe er sich jedoch für den offensiver ausgerichteten 20-jährigen Youngster Anas Ouahim in der Startelf entschieden, „und bei diesen Erwägungen spielt es keine Rolle, ob jemand Rekordspieler in der 3. Liga ist“.

Von einem „Rekordspieler-Bonus“ hält Danneberg ohnehin nichts. Im Gegenteil. „Das Thema steht für mich völlig im Hintergrund“, sagt der Mittelfeldmann und fragt im gleichen Atemzug, wie viele Drittliga-Spiele denn bis dato für ihn zu Buche stünden. „Es interessiert mich wirklich nicht.“ Für die Interessenten: Danneberg liegt aktuell mit 307 Einsätzen im Ranking der Rekordspieler auf Platz eins – vor Alf Mintzel (SV Wehen Wiesbaden, 303) und Robert Müller (KFC Uerdingen, 295).

„Ich sehe mich als Teamplayer“

Zurück zu den für Danneberg wichtigen Themen. „Natürlich habe ich mich extrem darüber geärgert, dass ich am ersten Spieltag auf der Bank saß. Mein Anspruch ist ein anderer.“ Aber letztlich entscheide der Trainer. „Ich sehe mich als Teamplayer, und so verhalte ich mich dann am Spieltag. Und ich weiß auch, welche Fähigkeiten Anas hat. Er kann für besondere Momente sorgen.“ Im Übrigen sei Ouahim ein ganz anderer Fußballer-Typ: „Er spielt eher auf der Zehnerposition, während ich am liebsten auf der Acht spiele, wo ich mir die Bälle von hinten abholen und Wege nach vorne machen kann.“ Vielleicht setze der Trainer in Meppen wieder auf ein anderes System: „Die Unberechenbarkeit tut uns ja so gut.“ Diese taktische Variabilität habe er bisher bei keinem anderen Verein erlebt.

„Cooler Typ“

Youngster Ouahim ordnet die Dinge ähnlich wie Danneberg ein und spricht von einem positiven Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft. „,Danne‘ und ich verstehen uns überragend. Er ist ein cooler Typ. Ich habe großen Respekt vor seiner Leistung – und finde es einfach geil, mit solch einem Kollegen zusammenspielen zu können.“ Ouahim brennt auf weitere Einsatzzeit, „als Zehner, auf der Außenbahn oder auf der Sechs“. Wenn der Trainer ihn auf der rechten Außenverteidiger-Position sehe, „dann spiele ich eben auch da“. Thioune sieht übrigens bei seiner „Qual der Wahl“ nicht nur eine Konkurrenzsituation zwischen Danneberg und Ouahim. Je nach taktischer Ausrichtung seien auch Spieler wie David Blacha, Manuel Farrona Pulido, Kamer Krasniqi oder Ulrich Taffertshofer und hoffentlich bald auch wieder Sebastian Klaas in der „Mittelfeld-Verlosung“.


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